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Thursday, August 20, 2026

Wissen über die Meerestiere: Walforschung zieht ins Binnenland

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Das Institut für Aquatische Wildtierforschung in Büsum wird nach Hannover verlegt. Dabei ist der Standort an der Küste ideal, wie Wal Timmy zeigte.

Esther Geißlinger

Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) liegt in Büsum direkt am Hafen. Am Eingang des roten, zweistöckigen Ziegelgebäudes hängt die schwarz-weiße Silhouette eines springenden Wals, denn um Wale und andere Meeressäuger kümmert sich das Institut als Außenstelle der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Doch im kommenden Frühjahr wird der Standort in der Nordseegemeinde im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein geschlossen. Verschwinden damit auch Angebote und Wissen über die Meerestiere?

Die Mit­ar­bei­te­r:in­nen untersuchen hier etwa, wie es um die Gesundheit der Schweinswale in Nord- und Ostsee steht oder entwickeln Maßnahmen rund um die sogenannte Robben-Exklusionszone an der Helgoländer Düne. Wenn es um das Verhalten von Meerestieren geht, werden die Ex­per­t:in­nen des ITAW gern angefragt, zuletzt im Fall der Timmy genannten Buckelwalkuh. Privatleute, die Wale oder Robben sichten, können sich auch melden, die Daten gehen ins Monitoring der Meeressäuger ein.

Angesichts dieser Themen und Forschungen ist der Standort an der Küste ideal. Doch im Frühjahr 2027 wird das ITAW wohl Büsum verlassen. Mehr als 40 Personen zählt die Website des Instituts auf, darunter viele wissenschaftliche und technische Mitarbeiter:innen. Aktuell liefen Gespräche mit allen, um „im Sinne der Beschäftigten und der Projekte den jeweils besten Weg zu finden“, sagt Sonja von Brethorst, Sprecherin der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, der taz. In vielen Fällen ist noch unklar, wie es weitergeht. Generell aber gelte: „Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung bleibt weiter bestehen und wird auch weiterhin aquatische Fragestellungen bearbeiten.“

Die Entscheidung, Büsum zu schließen, fiel erst vor wenigen Wochen. Laut der Sprecherin liegen die Gründe in der Geschichte des Instituts und der beruflichen Neuorientierung seiner langjährigen Leiterin Ursula Siebert.

Die Walforscherin und Fachärztin für Wildtiere setzte sich dafür ein, das Institut für Wildtierforschung in Hannover, das seit 1980 zur Tierärztlichen Hochschule (TiHo) gehört, um eine Abteilung für Meeresbiologie zu erweitern. Diese wurde 2011 in Büsum in den Räumen des früheren Forschungs- und Technologiezentrums Westküste eingerichtet. Siebert wechselte damals von der Kieler Universität, an der sie als Professorin tätig war, an das neue ITAW und leitete seither das Institut in Büsum. Nun aber geht die mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftlerin nach Berlin an die Freie Universität.

Aufwertung des Standortes Büsum war im Gespräch

Das ITAW habe sich bemüht, Siebert zu halten, sagt die Sprecherin. Im Zuge der Verhandlungen habe die Tierärztliche Hochschule „weitere Investitionen für Büsum zugesagt“ – es war also sogar eine Aufwertung des Standorts im Gespräch. Aber am Ende folgte Ursula Siebert dem Ruf nach Berlin. Für die Hochschule habe sich damit „eine neue Faktenlage ergeben“, sagt von Brethorst. Denn die versprochenen Investitionen seien an Sieberts „Person und ihr wissenschaftliches Wirken geknüpft“ gewesen.

Nach dem Ausscheiden der Leiterin Anfang Juli entschied sich die Hochschule, den Mietvertrag für das Gebäude am Büsumer Hafen zu kündigen: Damit steht jetzt statt einer Aufstockung die Schließung an. Noch bis Frühjahr 2027 bleibt die Forschungseinrichtung in Dithmarschen. Wie es dann genau weitergeht, ist unklar.

Wildtierforschung nimmt keine neuen Studien an

Die laufenden Projekte prüfe die Tierärztliche Hochschule zurzeit und kläre, wer jeweils die Projektleitung übernehmen werde, sagt von Brethorst. Neue Angebote für Studien und Abschlussarbeiten macht das ITAW „zurzeit leider nicht“, heißt es auf der Homepage des Instituts.

Andere Dinge liefen wie gewohnt weiter, sagt die Sprecherin. Das betreffe etwa Schulprojekte, bei denen Kinder und Jugendliche mehr über die Meere und ihre Tierwelt erfahren. Auch die Sichtungen von Robben und Walen nehme das ITAW weiter an und arbeitet dabei mit anderen Forschungseinrichtungen zusammen. Und die Untersuchungen verendeter Meeressäuger sei auch in Hannover möglich, schon heute werden solche Proben nach Niedersachsen geschickt. In Zukunft „wird der Standort Hannover das Zentrum der Tätigkeiten des Instituts bilden“, sagt die Sprecherin.

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