Taugt Dosenfisch als Fitnessfood?
Dosenfisch ist ein beliebtes Lifestyle-Produkt und Proteinlieferant. Aber welche Folgen hat unser Konsum? Bei ihrer Recherche stößt Reporterin Victoria Reichelt auf überfischte Meere und soziale Probleme.
04.10.2026 | 43:47 minDie Fischkonserve feiert vor allem dank Social Media ein Comeback. Grund für die neue Aufmerksamkeit: der Protein-Hype. Laut einer YouGov-Studie vom Januar 2026 kaufen 48 Prozent der Deutschen Lebensmittel, die als "High Protein" oder "proteinreich" beworben werden. Fisch passt perfekt in diesen Ernährungstrend. Eine Studie im Auftrag des Marine Stewardship Council (MSC) zum Konsum von Thunfischprodukten zeigt: Die deutschen Verbraucher schätzen ihn vor allem als leckeres, gesundes und preiswertes Nahrungsmittel und hochwertige Proteinquelle.
In den Supermarktregalen finden sich immer mehr Produkte mit extra Proteingehalt - oft zum höheren Preis. Was hinter dem Hype steckt.
20.01.2025 | 3:11 minDosenfisch: Reich an wertvollen Nährstoffen
Ärztin und Ernährungsexpertin Luisa Werner erklärt, Dosenfisch sei auch sehr proteinreich, enthalte aber noch andere Nährstoffe wie zum Beispiel Omega-3-Fettsäuren, ungesättigte Fettsäuren, Vitamin D, Calcium. Tatsächlich stecken in der Fischkonserve zahlreiche wichtige Nährstoffe.
Dosenfisch ist es ein sehr, sehr nährstoffreiches Lebensmittel.
Dr. Luisa Werner, Ernährungsmedizinerin
Viele dieser Stoffe übernehmen im Körper wichtige Funktionen. Proteine spielen eine zentrale Rolle beim Aufbau und der Reparatur von Zellen und Geweben, tragen zur Immunfunktion bei und sind wichtige Energielieferanten. Omega-3-Fettsäuren sind Bestandteile der Zellmembranen und können vor tödlichen Herzerkrankungen schützen.
Ernährungsberaterin Brigitte Bäuerlein erklärt, welche tierischen und pflanzlichen Lebensmittel reich an Omega-3-Fettsäuren sind. Zudem: Wie sinnvoll sind Ergänzungsmittel und was ist Omega-6?
07.05.2026 | 8:59 minVorsicht vor Zusätzen und Schadstoffen
Weniger gesund sind Zusätze und Marinaden. Soßen weisen teils einen hohen zusätzlichen Gehalt an Zucker oder Salz auf, Fisch in Öl ist meist kalorienreich. Der Tipp von Luisa Werner: "Fisch im eigenen Saft ist eine gute Alternative, weil er weniger Kalorien hat und noch mal weniger Zusatzstoffe, weniger Salz und Co. enthält."
Auch Schadstoffe im Fisch können problematisch sein. Besonders größere Raubfische wie der Thunfisch weisen teils hohe Methylquecksilbergehalte auf. Das gelangt sowohl aus natürlichen als auch aus menschlichen Quellen in die Umwelt. Das Schwermetall reichert sich über die Nahrungskette an.
Beim Menschen kann eine hohe und längerfristige Aufnahme das Nervensystem schädigen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät Schwangeren und Stillenden deshalb, Fischarten mit hohen Methylquecksilbergehalten zu meiden.
Egal ob Rotbarsch, Lachs oder Forelle - bei Thomas Hembsch in Köln landet nur, was nachhaltig gefangen oder sorgfältig gezüchtet wurde. Seine Devise: Frische, Nachhaltigkeit und Genuss.
02.03.2026 | 4:39 minFisch nur ein- bis zweimal die Woche
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. empfiehlt, generell ein- bis zweimal die Woche Fisch zu essen - am besten aus nachhaltigen Quellen. "Kleine Schwarmfische wie Hering und Sardine stehen weiter unten in der Nahrungskette und sind daher weniger anfällig für die Anreicherung von Schadstoffen. Gleichzeitig sind sie die ökologischere Alternative zum Thunfisch, sofern sie aus gesunden Beständen kommen", rät Mark Heuer, Fischereiexperte beim WWF-Deutschland.
Der asiatische Feuerfisch, eine invasive Art mit Giftstachel, breitet sich rasant an den Küsten Griechenlands aus. Nun kommen die Tiere auf den Tisch. Lecker und nachhaltig fürs Ökosystem.
29.01.2026 | 0:51 minBPA-Funde in Fischdosen
Aber auch die Konserve selbst hat oft ein Schadstoffproblem. Das zeigt ein Test des Verbraucherschutzmagazins Öko-Test vom September 2026. Das Ergebnis: Fischdosen und andere Konserven sind noch immer häufig mit Bisphenolen wie BPA belastet. In 42 von 52 untersuchten Dosen, darunter auch Fischprodukte, fanden die Tester Belastungen, die "hoch" oder "sehr hoch" waren.
Zwar gilt in der EU seit Januar 2025 ein Verwendungsverbot für BPA und weitere problematische Bisphenole in Lebensmittelkontaktmaterialien. Aber noch gelten lange Übergangsfristen.
Bisphenol A (BPA) ist ein chemischer Stoff, der zur Herstellung bestimmter Kunststoffe und Harze verwendet wird. Er wird häufig zur Innenbeschichtung von Konserven- und Getränkedosen eingesetzt. Der Einsatz steht in der Kritik: Laut Umweltbundesamt können Bisphenole bereits in geringen Konzentrationen hormonell schädigend für die menschliche Gesundheit und für Organismen in der Umwelt sein.
Die Europäische Kommission hat mit der Verordnung (EU) 2024/3190 ein grundsätzliches Verbot für die Verwendung von Bisphenol A in Lebensmittelkontaktmaterialien erlassen. Für fertige Einweg-Lebensmittelkontaktgegenstände wie zum Beispiel Fischdosen gibt es eine verlängerte Übergangsfrist bis 20. Januar 2028.
Öko-Test hat Lebensmittel aus Konserven auf die Chemikalie Bisphenol A getestet. Diese schützt vor Korrosion, kann aber die Fortpflanzung beeinträchtigen. In vielen Konserven fanden sich Spuren.
27.08.2026 | 0:41 minWie nachhaltig ist Dosenfisch?
Auch in puncto Nachhaltigkeit gibt es große Unterschiede bei den Produkten. Entscheidend sind vor allem das Fanggebiet und die Fangmethode - beide müssen auf der Verpackung stehen und lassen sich schnell mit Einkaufsratgebern wie dem WWF-Fischratgeber abgleichen.
"Die meisten Thunfischbestände sind aktuell nicht überfischt, allerdings verursacht die Fischerei oft Beifang von bedrohten Arten", betont Mark Heuer. Thunfischprodukte mit dem Hinweis "Handleinen und Angelleinen" (pole-and-line) sind oft die nachhaltigere Wahl, weil sie deutlich weniger Beifang verursachen. Allerdings sind sie meist etwas teurer.
Pflanzliche Ernährung
:Vegane Fischalternativen: Ein guter Fang?Ob Räucherlachs, Thunfisch oder Kaviar: Vegane Fischalternativen werden immer vielfältiger. Je nach Produkt jedoch unterscheiden sich Zutaten, Nährwerte und Jodgehalt deutlich.
von Dirk Ashauer
mit Video6:06
Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "planet.e" am 04.10.2026, ab 15:30 Uhr.
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