Brandgefahr: Entsorger fordern Plan für Li-Ion-Akkus
Brände in der Entsorgungswirtschaft stellen sowohl die Betriebe als auch Feuerwehren zunehmend vor Probleme. Nach Angaben der Entsorgungswirtschaft ist die Zahl der Brände in den Betrieben im vergangenen Jahr auf 2028 gestiegen – 2021 waren es noch 729. Eine der Hauptursachen sollen Akkus, insbesondere Lithium-Ionen-Batterien sein.
Eine Studie im Auftrag von fünf Verbänden aus dem Bereich Entsorgung, Verwertung und Aufbereitung soll weitere Klarheit bringen. Dafür wurden Mitgliedsunternehmen zu Brandereignissen in ihren Anlagen zwischen 2021 und 2025 befragt – dazu, welche Brandursachen sie sicher feststellen konnten und welche sie für wahrscheinlich halten.
Bei den Fällen, in denen die Brandursache gesichert festgestellt werden konnte, liegt der Anteil der durch Akkus verursachten Brände bei 67 bis 73 Prozent. Als gesichert gilt eine Ursache vor allem bei Vorliegen eines Brandgutachtens oder vergleichbarer Erkenntnislage. In 90 Prozent der anderen Fälle gehen die Betreiber von Akkus als Ursache aus.
Zeitzünder mit Erkennungsproblem
Wird eine Batterie mechanisch beschädigt, kann sie jederzeit zur Zündquelle werden – und das sogar mit erheblicher zeitlicher Verzögerung zur eigentlichen Beschädigung. Das Hauptproblem für die Entsorger: Ist eine Erwärmung bereits messbar, ist die Kettenreaktion nicht mehr zu verhindern.
„Systeme, die Batterien vor der Aufbereitung erkennen und ausschleusen, greifen die Ursache direkter, sind aber teuer, bislang nur in Pilotanwendungen erprobt und decken den Bereich vor dem ersten Aggregat nicht ab, den nahezu die Hälfte der Anlagen als maßgeblichen Brandentstehungsort nennt“, heißt es in der Studie. Die Brände entstehen also meistens schon bevor das Material im Betrieb verarbeitet wird – etwa bei Anlieferung oder Lagerhaltung.
Mit der über die Jahre zunehmenden Anzahl an Li-Ion-Batterien, oft auch fest verbaut, steigen die Anforderungen für die Abfallbehandlung erheblich. Allein zwischen 2020 und 2023 seien 130.000 Tonnen Batterien in Umlauf gebracht worden, so die Studie unter Berufung auf offizielle Zahlen des Bundesumweltministeriums. Zwischen 250 und 400 Millionen Euro hätten die Kosten für die Brandereignisse bei den 181 teilnehmenden Betreiben verursacht.
Wesentlich zur Verschärfung des Problems beigetragen haben laut der Entsorgungswirtschaft Einweg-E-Zigaretten mit kleinen Akkus, die einfach weggeschmissen werden. Die Verbände fordern klar: Vermeidbare Wegwerfprodukte mit eingebauten Akkus müssen vom Markt genommen werden.
Politik soll handeln
Bei den Lösungsmöglichkeiten sehen die Autoren wiederum vor allem den Gesetzgeber in der Pflicht. Dass Batterien grundsätzlich vom Produkt zu trennen sein sollten, würde etwa erst mittelfristig greifen, wenn die Lebenszyklen der Produkte durchschritten seien.
Ein Pfand auf Batterien wäre zwar ein direktes Mittel, um diese einer geordneten und womöglich sogar verbraucherverständlichen Entsorgung zuzuführen und sogenannte „Fehlwürfe“ zu vermeiden. Doch die Zuständigen in der Politik hätten sich eben bislang dagegen entschieden.
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Für den Vizepräsidenten des Verbands der Kommunalen Unternehmen, Uwe Feige, geht es im Ergebnis um ein strukturelles Problem: „Hersteller müssen stärker an den Folgekosten beteiligt werden, ein herstellerfinanzierter Präventions- und Ausgleichsfonds muss zügig kommen und besonders problematische Produkte wie Einweg-E-Zigaretten gehören vom Markt.“
Noch deutlicher wird Andreas Bruckschen vom Bundesverband der Entsorgungswirtschaft (BDE): „Wenn bei unseren Mitgliedern die Anlagen abfackeln, können Prüfaufträge mit Vorbehalten nicht zufriedenstellend sein.“ Er fordert von der Politik daher einen klaren Zeitplan mit konkreten Maßnahmen.
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