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Thursday, October 1, 2026

Turbulenzen am Finanzmarkt : Anleihekönig Bill Gross rät von Anleihen ab

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Turbulenzen am Finanzmarkt Anleihekönig Bill Gross rät von Anleihen ab

01.10.2026, 13:55 Uhr imageVon Jan Gänger

An den Anleihemärkten steigen die Renditen auf Niveaus, die seit Jahrzehnten nicht mehr erreicht wurden. Der Ausverkauf greift von den USA auf andere Länder über und beginnt, sich selbst zu verstärken. Das hat auch Folgen für Deutschland.

An den Anleihemärkten steigen die Renditen auf langjährige Höchststände. Anleihe-Legende Bill Gross erwartet, dass sich die Lage nicht so schnell beruhigt. Sein Rat fällt entsprechend drastisch aus: "Kauft keine Anleihen", schreibt er in der "Financial Times." Die Logik dahinter: Wenn neue Anleihen höhere Zinsen bieten, verlieren bereits ausgegebene Papiere mit niedrigerer Verzinsung an Attraktivität - ihre Kurse fallen. Je länger die Laufzeit, desto stärker können solche Zinsänderungen auf den Kurs durchschlagen. Eine Ausnahme macht Gross lediglich für einjährige US-Staatspapiere.

Auslöser ist ein heftiger Ausverkauf bei US-Staatsanleihen, der September war für sie der schlechteste Monat seit vier Jahren. Die Rendite für wegweisende zehnjährige US-Treasuries stieg bis auf 5,3 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2002. Steigende Renditen sind die Kehrseite fallender Anleihekurse. Der 32 Billionen Dollar schwere Markt für US-Staatsanleihen ist der Anker des globalen Finanzsystems.

Die Turbulenzen am US-Markt haben die Nachfrage nach Staatsanleihen weltweit gedämpft. Schon seit Monaten stehen die Märkte unter dem Eindruck wachsender Inflationssorgen, ausgelöst vor allem durch den Energiepreisschock durch den Iran-Krieg.

Hinzu kommen Sorgen, dass die US-Wirtschaft überhitzen könnte. Im zweiten Quartal war sie auf das Jahr hochgerechnet um 2,2 Prozent gewachsen und damit noch stärker als zunächst angenommen. Hohe Energiepreise und die starke US-Konjunktur schüren die Erwartung weiter steigender Leitzinsen und drücken damit die Kurse bestehender Anleihen. Die Fed hatte ihren Leitzins erst im September erstmals seit 2023 wieder angehoben.

Hohe Verschuldung

Ein weiterer Grund für die steigenden Renditen ist die wachsende Verschuldung in einigen Industriestaaten, allen voran in den USA. Der Schuldenberg dort hatte jüngst die Marke von 40 Billionen US-Dollar überstiegen. Die hohen Zinsen sind ein immenses Problem für Regierungen, da sie die Neuaufnahme von Schulden stark verteuern. Auch Deutschland mit seinen an den Finanzmärkten richtungsweisenden Bundesanleihen wird von dem Ausverkauf nicht verschont. Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen, an der sich etwa die Bauzinsen orientieren, stieg auf 3,6 Prozent.

In Japan liegt die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen mit 3,1 Prozent nahe einem 30-Jahres-Hoch. Neben den Turbulenzen in den USA treiben dort die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der Bank of Japan und Sorgen über die Staatsfinanzen die Renditen. In Australien liegen zehnjährige Papiere mit 5,4 Prozent nahe dem höchsten Stand seit 2011. Auch Frankreich gerät unter Druck: Dort stieg die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf 4,8 Prozent.

Zuletzt hat die US-Regierung schon versucht, die Rendite für US-Staatsanleihen nach unten zu drücken, um den Schuldendienst günstiger zu machen. Mit der Ankündigung, künftig mehr eigene Anleihen kaufen zu wollen, konnte das US-Finanzministerium die Renditen aber nur zeitweise etwas senken.

Anleihe-Legende Gross begründet seine Skepsis vor allem mit der hohen Verschuldung. In den USA summieren sich Staatsschulden, Hypotheken- und Unternehmenskredite nach seinen Angaben inzwischen auf rund 84 Billionen Dollar. Besonders kritisch sieht er die Staatsfinanzen: Die Nettoverschuldung liege in den USA bei rund 100 Prozent der Wirtschaftsleistung. Hinzu kommt der enorme Kapitalbedarf für den Ausbau Künstlicher Intelligenz. Hunderte Milliarden Dollar für neue Rechenzentren werden bereits über den Anleihemarkt finanziert. Gross fürchtet, dass diese Entwicklung Inflation und Zinsen länger hochhalten könnte.

Der Ausverkauf verstärkt sich selbst

Doch inzwischen wird der Ausverkauf nicht mehr nur von solchen fundamentalen Sorgen getrieben. Am US-Anleihemarkt kommen technische Faktoren hinzu, die den Verkaufsdruck verstärken.

Zu den großen Verkäufern langlaufender US-Staatsanleihen gehören derzeit Hedgefonds und Immobilienfonds mit umfangreichen Beständen an hypothekenbesicherten Wertpapieren. Steigende Zinsen führen dazu, dass Hausbesitzer ihre Kredite seltener vorzeitig ablösen. Dadurch verlängert sich die Laufzeit dieser Hypothekenpapiere. Um das zusätzliche Zinsrisiko auszugleichen, verkaufen die Fonds andere langlaufende Papiere - darunter US-Staatsanleihen.

Ähnliche Anpassungen gibt es bei gehebelten Fonds mit großen Positionen am Terminmarkt. Steigen die Renditen weiter, müssen sie Risiken abbauen und Positionen verkaufen. So entsteht ein Kreislauf: Verkäufe treiben die Renditen nach oben, höhere Renditen lösen weitere Verkäufe aus. Besonders problematisch ist, dass bislang die Käufer fehlen, die bei stark gefallenen Kursen normalerweise in den Markt zurückkehren.

Solange Konjunktur und Energiepreise den Inflationsdruck hochhalten und zugleich Käufer für langlaufende Anleihen fehlen, dürfte sich der Markt kaum beruhigen. Damit droht der Ausverkauf aus eigener Kraft weiterzugehen: Steigende Renditen erzwingen neue Verkäufe - und neue Verkäufe treiben die Renditen noch höher.

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