Zehntausende Menschen protestieren in französischen Städten
In Frankreich haben Zehntausende Menschen gegen Missstände an Schulen und gegen hohe Lebenshaltungskosten demonstriert. Am zuvor ausgerufenen landesweiten Protesttag gab es in mehreren Städten Zusammenstöße zwischen Kundgebungsteilnehmern und der Polizei. Die Beamten setzten Tränengas und Schlagstöcke ein.
In Paris rückten rund 100 vermummte Demonstranten zum Sitz des Senders CNews vor, der zum Konzern des rechtsgerichteten französischen Milliardärs Vincent Bolloré gehört, und blockierten den Zugang. Einige von ihnen hätten Gegenstände auf Fenster des Gebäudes geworfen, teilte die Polizei mit, die hier 21 Menschen in Gewahrsam nahm.
Versammlungsverbot in Teilen von Paris
Insgesamt wurden in der Hauptstadt bislang mehr als 60 Menschen festgenommen. Etliche von ihnen hatten nach Behördenangaben verbotene Waffen oder Schutzausrüstung dabei. Für Teile der Stadt war ein Versammlungsverbot erlassen worden.

In Marseille versuchten Demonstranten laut einer Mitteilung des Innenministeriums, in eine Polizeiwache einzudringen, andere plünderten Geschäfte. Für kurze Zeit gelangten Protestierende auch in das Rathaus der südfranzösischen Stadt.
In Lyon wurde das Tourismusbüro in Brand gesetzt. Zudem versuchten nach Behördenangaben etwa 40 Menschen, den Verkehr auf einer Brücke aufzuhalten. In Rennes in der Bretagne errichteten rund 20 Menschen Straßenblockaden in der Nähe eines Einkaufszentrums. In Rouen wurde ein Universitätsgebäude durch ein Feuer beschädigt.
"Mobilisierung der ultralinken Szene"
Bis zum Mittag verzeichnete das Innenministerium landesweit 140 Aktionen mit 32.800 Beteiligten. Landesweit wurde die Zahl der Festgenommenen mit 166 angegeben. In der Behörde wird eine starke Mobilisierung der ultralinken Szene beklagt. Es gebe gezielte, gewalttätige Übergriffe durch Personen, die ihr Gesicht verhüllt und sich zu schwarzen Blöcken zusammengeschlossen hätten. Dabei würden Angriffe auf Ordnungskräfte verübt und Brandstiftungen im öffentlichen Raum begangen.

Zu den Protesten hatten sich über soziale Medien neben Schülern, Studenten und Klimaschützern auch Bauern und frühere Teilnehmer der sogenannten Gelbwesten-Demonstrationen verabredet. Viele Schüler gehen seit Mitte September für mehr Lehrkräfte, kleinere Klassen und eine bessere Ausstattung der Bildungseinrichtungen auf die Straße. Inzwischen geht es den Kundgebungsteilnehmern auch um niedrigere Spritpreise, höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft und bei der Feuerwehr.
Untersuchung zu mutmaßlicher Polizeigewalt
Bereits bei vergangenen Protesten war ein Teil der Demonstranten gewaltsam vorgegangen. Gleichzeitig steht die Polizei wegen ihres harten Vorgehens in der Kritik. Die interne Aufsicht untersucht mindestens zwei Dutzend Fälle mutmaßlicher Polizeigewalt, nachdem unter anderem ein Jugendlicher beim Einsatz einer Blendgranate durch die Beamten eine Hand verloren hatte.

Frankreich befindet sich in einer politisch und wirtschaftlich angespannten Phase. Angesichts der hohen Staatsverschuldung und politischer Zersplitterung meiden Investoren französische Staatsanleihen, was die Kreditkosten des Landes auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten getrieben hat.
Die Regierung versucht einen Sparhaushalt durchs Parlament zu bringen, während die Verbraucherpreise steigen. Für das kommende Jahr sind Präsidentschaftswahlen angesetzt. Amtsinhaber Emmanuel Macron darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten.
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