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Monday, August 17, 2026

Afghanistan im grausamen Griff der Taliban

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Fünf Jahre Taliban-Herrschaft: Mehr als ein Drittel der Bevölkerung leidet Hunger. Die Wirtschaftskrise verschärft die Not, viele Länder kürzen humanitäre Hilfe.

15.08.2026 | 2:06 min

In den Straßen von Kabul ist spürbar, wie sehr sich Afghanistan verändert hat. In den Cafés und Parks sitzen fast nur noch Männer, nur in den Bazaren sind die Frauen unterwegs, immer mehr tragen auch in der Hauptstadt die traditionelle Burka. Bärtige, grimmig aussehende Kämpfer wachen über die öffentliche Ordnung und tragen all das zur Schau, was die USA beim Abzug ihrer Truppen vor fünf Jahren hinterlassen haben: Amerikanische Waffen, Militärfahrzeuge, Uniformen.

Afghanistan - weltweit einzigartige Unterdrückung von Frauen und Mädchen

Niemand wagt mehr, öffentlich zu protestieren. Die wenigen mutigen Frauen, die noch in den ersten Monaten Demonstrationen organisierten, sind verschwunden, die Gefahr ist zu groß, niedergeknüppelt oder gar erschossen zu werden. In Afghanistan erleben wir heute eine weltweit einzigartige Unterdrückung von Frauen und Mädchen, ihre systematische Ausgrenzung aus dem öffentlichen Leben.

Fünf Jahre Taliban-Herrschaft: In Kabul werden Fahnen verkauft und die Straßen „geschmückt vorbereitet“, berichtet ZDF-Reporter Dominik Lessmeister aus Afghanistan.

15.08.2026 | 2:02 min

Journalistinnen, die in den ersten Monaten nach der Machtübernahme der Taliban noch berichteten, verstecken sich. Immer weniger internationale Reporter sind im Land, das Regime erteilt nicht mehr viele Genehmigungen und kontrolliert genau, was berichtet wird.

Hasina unterrichtet Mädchen heimlich in einer Untergrundschule

Eine junge Ingenieurin möchte mit dem ZDF reden, ihre Geschichte erzählen. Wir können sie zuhause treffen. Seit drei Jahren darf Hasina ihren Beruf nicht mehr ausüben, sie verlässt das Haus nur noch, um heimlich in einer Untergrundschule Mädchen zu unterrichten. Wie lange ihr Erspartes noch zum Leben reicht, ist unklar. Ihre einzige Hoffnung ist der Westen.

Wir werden weiter für unsere Rechte kämpfen, versuchen, Veränderung zu bewirken, bis zu unserem Tod. Entweder überleben wir oder wir werden mutig sterben.

Hasina, Ingenieurin

Taliban-Regierung verteidigt ihre Regeln für Frauen

Regierungssprecher Zabihulla Mudschahid hat dem ZDF ein Interview zugesagt, das Treffen soll in Kandahar stattfinden, der Stadt, die als die Hochburg der Taliban gilt und wo sich inzwischen immer mehr Regierungsmitglieder niederlassen.

Die Straße, die von Kabul in den Süden führt, galt früher als eine der gefährlichsten im Land, vor allem wegen der vielen Sprengstoffanschläge, die die Taliban dort verübten. Heute ist sie streckenweise neu asphaltiert, die Löcher, die durch Explosionen entstanden, sind verschwunden. Die Sicherheitslage hat sich verbessert.

Armut eines der größten Probleme des Landes

Nach anfänglichem Zögern hat der Regierungssprecher sich einverstanden erklärt, das Interview mit einer Frau zu führen. Zabihulla Mudschahigd gesteht ein, dass Armut eines der größten Probleme des Landes ist.

Auch aus diesem Grund möchte seine Regierung Kooperation und Unterstützung aus dem Westen, auch aus Deutschland. Investitionen in Bildung und Gesundheit. Und vor allem internationale Anerkennung. Kritik am eigenen Regime will der Sprecher nicht gelten lassen.

Wenn wir etwas verbessern, dann nicht für die westlichen Gesellschaften. Sie können denken, was immer sie wollen, es interessiert uns nicht. Uns ist wichtig, dass die Gesetze für die Frauen, die gemacht wurden, ordentlich und gut umgesetzt werden.

Zabihulla Mudschahigd, Regierungssprecher

Vor fünf Jahren haben die radikalislamistischen Taliban in Afghanistan die Macht übernommen. Diejenigen, die in Deutschland leben, sorgen sich weiter um Freunde und Familie.

14.08.2026 | 1:38 min

Die Macht der Taliban und die Stimmung im Land

Nur wenige Menschen wollen offen sprechen. Der Politiker und Analyst Ramzan Bashardost schätzt die Lage kritisch ein. "Es ist schwierig eine Aussage über den Willen des afghanischen Volkes zu treffen, denn es gibt keine Umfragen."

Ich habe aber nicht den Eindruck, dass ein Großteil der Bevölkerung für die Taliban ist. Die Wirtschaft, das Klima, Wassermangel – all das sind Probleme, für die die Taliban keine Lösung haben.

Ramzan Bashardost, Politiker und Analyst

Hunger in Afghanistan bedroht Millionen Kinder

Es sind Probleme, die unübersehbar sind. In den Straßen von Kabul werden die Kinder, die sich flehentlich an die vorbeifahrenden Autos hängen oder Passanten bedrängen, immer jünger. Manche scheinen kaum älter als fünf Jahre. Im Juli erst hat Unicef die Lage als dramatisch beschrieben. Mehr als 3,7 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind von akutem Hunger bedroht. In den Kinderkrankenhäusern drängen sich Eltern mit ausgehungerten Babys und Kleinkindern, nach Berichten afghanischer Ärzte kann nur jede zweite Mutter ihr Kind stillen.

Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan zeigt sich auf einer Kinderstation in Kabul die Not am deutlichsten. Das Land versinkt in Hunger und Armut.

12.08.2026 | 6:13 min

"Wir haben selbst nicht genug Babynahrung zur Verfügung", erzählt Kinderarzt Haji Gul. Auf seinem Handy hat er Videos von der Frühgeborenenstation seines Krankenhauses, wo in Brutkästen teilweise drei bis vier Kinder zusammenliegen. "Die stärksten überleben, eine andere Lösung haben wir nicht".

Haji Gul selbst hatte im August 2021 das Land verlassen wollen und gehörte zu denen, die sich verzweifelt am Flughafen drängten, um auf eine der Maschinen in den Westen zu gelangen. Er ist einer der Zurückgebliebenen, der nach fünf Jahren Taliban Herrschaft wenig Hoffnung hat, dass sich bald etwas an der Lage ändert.

Übre dieses Thema berichtete das heute journal update am 15.08.2026 um 0:10 Uhr.

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