Nach Einsturz-Tragödie in Gaza: Dutzende Menschen noch unter Trümmern gesucht

Ein eingestürztes Wohnhaus hat viele Menschen unter sich begraben. Dort hatten vertriebene Familien gelebt. Israel setzt derweil seine Angriffe fort.
Foto: reuters
dpa/reuters/ka | Im Gazastreifen sind beim Einsturz eines im Krieg beschädigten Wohnhauses am Mittwoch mindestens 20 Palästinenser ums Leben gekommen und 14 weitere verletzt worden. In dem sechsstöckigen Gebäude sollen insgesamt etwa 100 Personen gelebt haben, darunter 50 Kinder. Die palästinensische Regierung forderte von Israel ungehinderten Zugang für Rettungskräfte. Ein UN-Vertreter warnte, in Gaza gebe es Hunderte ähnlich unsicherer Bauten, in denen Familien mangels Alternativen wohnten.
Das Gebäude im Bezirk Tal al-Hawa westlich der Stadt Gaza war laut palästinensischen Angaben vor über einem Jahr von einem israelischen Luftschlag getroffen worden. Trotz der Schäden wurde es weiter bewohnt, weil in dem Kriegsgebiet eine Knappheit an Wohnungen herrscht. Unter den Opfern seien vor allem Frauen und Kinder, hieß es.
Laut dem Sprecher des von der Hamas kontrollierten Zivilschutzes, Mahmud Basal, sollen noch rund 100 Menschen unter den Trümmern des Wohnhauses verschüttet sein. Helfer suchen derzeit nach ihnen. Den Einsatzkräften fehlt es dabei jedoch an Ausrüstung und schwerem Gerät.
Anwohner: Mehr als 60 Menschen waren im Wohnhaus
In palästinensischen und sozialen Medien verbreitete Aufnahmen sollen Schuttberge nach dem Hauseinsturz zeigen. In einem Video ist zu sehen, wie Helfer versuchen, ein zwischen Trümmern feststeckendes, weinendes Kind zu befreien.
Laut Anwohnern haben sich mehr als 60 Menschen, vor allem im Krieg Vertriebene, in der Nacht in dem Haus aufgehalten. Der Zivilschutz teilte mit, dass auch Vertriebene in Zelten neben dem Gebäude unter den Opfern sein dürften. Seit Oktober 2025 herrscht im Gaza-Krieg eigentlich eine Waffenruhe. Zuletzt hat Israel seine Luftangriffe wieder verstärkt und dabei laut eigener Darstellung gezielt ranghohe Hamas-Mitglieder ins Visier genommen.
So wurden am Dienstag bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen nach palästinensischen Angaben mindestens fünf Menschen getötet, darunter zwei Kinder und ein Hamas-Kommandeur. Im Viertel Scheich Radwan im Norden seien bei einem Angriff auf ein Fahrzeug am Dienstag zwei Menschen gestorben, teilten Sanitäter mit. Augenzeugen berichteten von einem zweiten Einschlag, als Helfer zu den Opfern eilten.
Israel greift trotz „Waffenruhe“ weiter an
Das israelische Militär teilte mit, es habe einen militanten Palästinenser angegriffen. In Dschabalia wurde nach Angaben einer britischen Hilfsorganisation ein Patient in einem Gesundheitszentrum von einer israelischen Drohne getötet. Bei einem weiteren Luftangriff auf ein Zeltlager starben Medizinern zufolge ein Mann und ein achtjähriges Mädchen, 14 weitere Menschen wurden verletzt. Zudem bestätigten sowohl Israel als auch die Hamas den Tod eines ranghohen Hamas-Kommandeurs bei einem separaten Angriff.
Trotz einer im Oktober 2025 unter US-Vermittlung vereinbarten Waffenruhe kommt es weiterhin zu tödlichen Zwischenfällen. Die Hamas und Israel werfen sich gegenseitig vor, das Abkommen zu verletzen. Dieses soll den Weg für einen Friedensplan von US-Präsident Donald Trump ebnen, der einen israelischen Abzug und die Entwaffnung der Hamas vorsieht. Seit Beginn der Waffenruhe sind nach Angaben der dortigen Gesundheitsbehörden mehr als 1300 Palästinenser getötet worden. Das israelische Militär meldete im selben Zeitraum den Tod von vier Soldaten.
Der Kriegs begann mit dem Angriff und dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023, auf den Israels Feldzug im Gazastreifen folgte. Israels Armee hat den Gazastreifen dabei großflächig zerstört und hält mehr als zwei Drittel des Küstenstreifens besetzt. Sie hat im Laufe des Krieges über 70 000 getötet, Hunderttausende Palästinenser haben ihr Zuhause verloren. Sie leben in provisorischen Unterkünften wie Zelten oder auch in beschädigten Gebäuden, die oftmals einsturzgefährdet sind.
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