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Wednesday, September 30, 2026

Jetzt droht der Totalabsturz: Wie Manchester City Klubs und Karrieren zerstörte

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Manchester City löst den größten Skandal in der Geschichte der Premier League aus. Wegen über 100 Verstößen gegen die Finanzregeln wird der Klub schuldig gesprochen. Er hat damit zig Topklubs zum Opfer gemacht.

Am 13. Mai 2012 fliegt die Welt von Manchester City auseinander. Es ist kurz vor 18 Uhr, als erst Edin Dzeko zum 2:2 gegen die Queens Park Rangers ausgleicht (92. Minute), ehe dann Sergio Agüero nur zwei Minuten später den Siegtreffer erzielt. Das Enfant terrible Mario Balotelli hatte den historischen Treffer des Argentiniers vorbereitet. Der Stürmer drosch den Ball aus halbrechter Position rein. Alle Gefühle, die der Fußball auslösen kann, explodierten in der nordenglischen Arbeiterstadt. Über City waren nur Liebe, Glück und rosa Wolken - die etwas Böses verschleierten, wie man nun weiß.

Der Lokalrivale United, damals noch ein vor Kraft strotzender Gigant, weinte bittere Tränen. Auf den letzten Metern war ihnen die nächste Meisterschaft aus der Hand gerissen worden. Schalker Tragik bei den Red Devils. Agüero zog das Schicksal auf die Seite der Skyblues, die seit knapp vier Jahren von Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan gepämpert worden waren. Zur Meistersaison, der ersten seit der Saison 1967/68, war Agüero das Sahnehäubchen der Transferoffensive gewesen. Für 40 Millionen Euro war er von Atlético Madrid gekommen.

Verdeckte Finanzhilfen und Scheinverträge

Manchester City war an der Spitze angekommen. Der Malocherklub, der einst robuste Kicker wie den Bochumer Trainer Uwe Rösler in die Hall of Fame aufnahm, transformierte sich zum Luxus-Gut. Selbst für den eigenen Anhang war die Blitz-Wandlung schwer auszuhalten. Und mittlerweile weiß man, so der aktuelle Stand, dass die Riesen-Werdung illegal war. Der die Geschichte des Sports maßgeblich beeinflusste, andere Klubs zerstörte und Spielerkarrieren in falsche Richtungen lenkte.

Der Klub wurde von einer unabhängigen Kommission in unzähligen Anklagepunkten wegen Verstößen gegen die Finanzregeln der Premier League schuldig gesprochen, wobei es sich um verdeckte Finanzhilfen und Scheinverträge im Volumen von rund 1,05 Milliarden Euro aus Abu Dhabi im Zeitraum von 2009 bis 2018 handelt. In der Zeit wurden zahlreiche dicke Transfers getätigt, unter anderem dabei Leroy Sané. Man City habe zudem falsche Jahresabschlüsse eingereicht sowie den tatsächlichen Zustand der Finanzen verschleiert.

Dazu hieß es, dass der Klub sich der Mehrheit der Anklagepunkte im Zusammenhang mit mangelnder Kooperation schuldig gemacht habe. Die Reaktion der Skyblues fiel wenig überraschend fassungslos und wütend aus. Geschäftsführer Ferran Soriano sprach von einer wilden "Verschwörungstheorie der Premier League", gab sich aber überzeugt, dass es keinerlei Sanktionen geben wird. Man City verfüge über "unwiderlegbare Beweise", die die eigene Unschuld belegen sollen, behauptete Soriano in einer Videobotschaft an die Belegschaft des Klubs.

Verdammt viel Geld, verdammt viele Titel

Manchester City hat die These widerlegt, dass Geld keine Tore schießt. Manchester City hat die These sogar deutlich umgeschrieben: Verdammt viel Geld gewinnt verdammt viele Titel. Unter der Ägide von Abu Dhabi waren es bislang acht Meisterschaften, sieben Ligapokal-Erfolge, vier Pokalsiege und der ersehnte Champions-League-Triumph in der Saison 2022/23. Kleinere Trophäen flankieren die dreiste Erfolgsgeschichte von Man City, das die Regeln des Spiels gebrochen, den Wettbewerb ad absurdum geführt und so viele andere Klubs zum Opfer gemacht hat.

Die Wut ist groß. Nicht nur bei United. Auch bei Stoke City. Tony Pulis, 2011 Trainer des Klubs bei der Finalniederlage im FA Cup (0:1), betonte zuletzt, dass er sich um den Titel "betrogen" fühle. "Ich erwarte nicht, dass Manchester City mich oder den Verein anrufen und den FA Cup von 2011 sowie die Siegermedaillen zurückgeben wird", schrieb er in einer BBC-Kolumne: "Ich glaube auch nicht ernsthaft, dass andere Trophäen und Titel zurückgegeben werden." Für City war es damals der erste große Erfolg unter den Eigentümern aus Abu Dhabi.

Wayne Rooney, einer der 2012 geprellten United-Stars, würde einen nachträglich bekommenen Titel derweil ablehnen: "Sollte ihnen der Titel für das, was die Besitzer getan haben, aberkannt werden? Ja, vielleicht, aber ich würde mich nicht wohlfühlen, ihn anzunehmen. Ich würde 15 Jahre später keine Medaille bekommen wollen, nur weil City betrogen hat."

Gravierende Eingriffe auf allen Ebenen

Und genau hier beginnt jener Teil, der aus bloßen finanziellen Vergehen so viel mehr macht. Was Rooney sagt, ist gut nachzuvollziehen. Manchester City hatte, beginnend mit Agüeros erlösendem Treffer 2012, seine Momente. Sie sind real. Sie haben die große Geschichte des englischen Fußballs gravierend beeinflusst, in Karrieren von Spielern und Entwicklungen von Vereinen eingegriffen und das Leben der Anhänger verändert.

Ausgehend von der Übernahme durch Abu Dhabi stieg City rasant empor, stürzte United in eine bis heute andauernde Sinnkrise und raubte Klubs wie Tottenham Hotspur die Chance auf eine Teilnahme an der Champions League. Die Auswirkungen waren auch in der Bundesliga zu spüren. Dort entschied sich Pep Guardiola nach drei Jahren, in denen er den deutschen Fußball veränderte, beim FC Bayern für einen Wechsel nach Manchester. Der Dortmunder Mittelfeldstar Ilkay Gündogan ging ebenso zu City wie der belgische Ausnahmekönner Kevin De Bruyne. Der hatte sich während seiner Zeit beim VfL Wolfsburg gegen Angebote aus der Bundesliga und für Manchester City entschieden.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen in diesem Zusammenhang die veränderten Karrierewege all jener Profis, die aufgrund der Finanzmanipulationen Citys niemals englischer Meister, niemals englischer Pokalsieger oder niemals Spieler in der Champions League wurden. All das sind direkte Eingriffe in das Leben einzelner Menschen.

"Irgendetwas ergibt hier nicht ganz Sinn"

Auch der aktuelle Bundestrainer Jürgen Klopp, damals mit Liverpool der große Rivale der Cityzens, war davon betroffen. Mit den Reds landete er regelmäßig knapp hinter Pep Guardiolas Klub. In der Saison 2018/19 war's besonders dramatisch, nur ein Punkt trennte beide nach einer Jahrhundert-Spielzeit (98 zu 97). "Es gab Momente, in denen ich City zugeschaut und gedacht habe: 'Irgendetwas ergibt hier nicht ganz Sinn'", sagte Klopp einst. "Wenn Regeln gebrochen wurden, müssen die entsprechenden Konsequenzen folgen. Wenn der Vorsprung nur ein einziger Punkt ist, kann man den Vereinen, die den Kürzeren gezogen haben, nicht sagen, dass die Regeln keine Rolle spielten."

Der Bruch eben jener selbst auferlegten Regeln des Fußballs ist der Kern dieser Vergehen. Er hat aus dem Sport Fußball eine TV-Show gemacht. Geld schießt Tore, und sehr viel Geld verändert den Lauf der Geschichte. Das ist das kapitale Verbrechen, das sich im Fußball immer wieder Bahn bricht. Das im Fall Manchester City in einer bislang kaum gekannten Dimension sichtbar wird. Und womöglich - im härtesten Sanktions-Fall - mit dem denkbar schlimmsten Absturz endet: dem Zwangsabstieg aus der Premier League.

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