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Monday, September 28, 2026

Eralp zeigt Dobrindt an: Überfällige rote Karte

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Daniel Bax

Der inflationäre Missbrauch des Antisemitismus-Vorwurfs zu politischen Zwecken ist fatal. Nicht nur die Linke sollte sich dagegen wehren.

D ie Linke muss eine rote Linie gegen Antisemitismus ziehen, das ist klar. Sie muss sich aber auch gegen all jene wehren, die den Antisemitismus-Vorwurf für ihre Zwecke instrumentalisieren, um Stimmung gegen sie zu machen. Nicht nur konservative Medien haben nach ihrem fulminanten Wahlsieg in Berlin ein regelrechtes Trommelfeuer gegen die Linke eröffnet. Auch in öffentlich-rechtlichen Talkshows müssen sich Linke-Politiker gegen Antisemitismus-Vorwürfe zur Wehr setzen.

Bei Maybritt Illner hat sich Bundesinnenminister Alexander Dobrindt im Ton vergriffen, als er Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Berliner Linken, als „Antisemitin“ diffamierte. Eralp hat nun Strafanzeige gegen Dobrindt wegen übler Nachrede und Beleidigung erstattet. Das ist eine überfällige rote Karte, die deutlich macht, dass der CSU-Politiker eine Grenze überschritten hat. Nicht alle haben die Zeit und die Mittel, sich wie Eralp juristisch gegen unberechtigte Antisemitismus-Vorwürfe zu wehren: Das macht ihren Fall exemplarisch.

Die Linke ist die einzige Partei im Bundestag, die Deutschlands Unterstützung für Israels Kriegsverbrechen in Gaza und anderswo kritisiert. Diese Kritik wird ihr teilweise als Antisemitismus ausgelegt. Sehr viele Wählerinnen und Wähler in Berlin haben das durchschaut, und der Linken trotz dieser Vorwürfe – oder gerade wegen ihrer klaren Haltung zum Nahost-Konflikt – ihre Stimme gegeben.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.

Der Vorwurf des Antisemitismus wiegt schwer in einem Land, das für den Völkermord an über sechs Millionen Jüdinnen und Juden die Verantwortung trägt. Doch durch seinen inflationären Missbrauch im politischen Meinungskampf wird der Vorwurf stark entwertet. Das ist fatal.

Warum konservative Politiker und Medien so erpicht darauf sind, der Linken pauschal Antisemitismus zu unterstellen, ist klar: Mit der Behauptung, die Linke sei im Grunde nicht besser als die AfD – ja vielleicht sogar schlimmer –, haben sie ein Argument, um die Brandmauer zu den Rechtsextremisten zu schleifen. Das sollte ihnen nicht nur die Linke nicht durchgehen lassen.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Daniel Bax Redakteur

Daniel Bax ist Journalist und Autor und schreibt über Politik, Kultur und Gesellschaft in Deutschland. Er arbeitet als Themenchef im Regieressort der taz und hat mehrere Bücher veröffentlicht: “Angst ums Abendland” (2015) über antimuslimischen Rassismus und “Die Volksverführer“ (2018) über den grassierenden Rechtspopulismus. Sein aktuelles Buch "Die neue Lust auf Links" über das Comeback der Linkspartei ist Ende 2025 im Goldmann Verlag erschienen. Impressum: Daniel Bax c/o taz, die tageszeitung. taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Friedrichstr. 21, 10969 Berlin

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