Mann war wohl mit Rad unterwegs: Polizei sucht Stromsabotage-Verdächtigen im Hambacher Forst

Mann war wohl mit Rad unterwegsPolizei sucht Stromsabotage-Verdächtigen im Hambacher Forst
06.09.2026, 15:09 Uhr

Nach versuchten Angriffen auf das Stromnetz sucht die Polizei mit Fahndungsfotos nach einem Tatverdächtigen aus Nordrhein-Westfalen. Im Hambacher Forst, dem Symbol für den Kampf gegen fossile Energien, ist ein Großaufgebot an Einsatzkräften vor Ort, um den 48-Jährigen zu finden.
Wegen versuchter Sabotage-Angriffe auf das deutsche Stromnetz sucht die Polizei mit einem Großaufgebot am Hambacher Forst bei Kerpen westlich von Köln nach dem Tatverdächtigen. Ziel des Einsatzes sei es, den 48-jährigen Mann selbst oder Spuren, die Hinweise auf ihn liefern, zu finden, sagte ein Sprecher der Kölner Polizei. Bis zu 100 Fahrzeuge der Polizei waren vor Ort. Der Mann hatte ein Bekennerschreiben versandt, das auf "Täterwissen" hindeutete.
Der Hambacher Forst ist ein Waldgebiet westlich von Köln, das zum bundesweiten Symbol für den Kampf um die Energiewende und gegen die Braunkohle-Verstromung wurde. Der Wald liegt am Rand des Braunkohletagebaus Hambach und sollte ursprünglich dem fortschreitenden Tagebau weichen.
Seit 2012 errichteten Umweltschützer und Aktivisten unter dem Motto "Hambi bleibt" Baumhäuser im Wald, um die Rodung für die klimaschädliche Braunkohle-Verstromung zu verhindern und die Bäume vor dem anrückenden Braunkohletagebau zu schützen. Im Herbst 2018 ließ die CDU-geführte Landesregierung den Hambacher Forst in einem der größten Polizeieinsätze der Geschichte Nordrhein-Westfalens mit Verweis auf den Brandschutz räumen.
Nach langem Rechtsstreit kam es Anfang 2020 zur endgültigen Rettung des Waldes durch einen Kompromiss zwischen Bund, Ländern und Energiekonzernen. Die Abbruchkante des Tagebaus endet seitdem kurz vor dem Waldsaum. Wegen der Sabotageaktionen wird seit Tagen nach dem 48 Jahre alten Tatverdächtigen gesucht. Die Ermittler hatten am Samstag einen Fahndungsaufruf mit zwei Fotos des Verdächtigen aus Gevelsberg im südlichen Ruhrgebiet veröffentlicht. Inzwischen wird auch nach einem Fahrrad gefahndet, das er möglicherweise benutzt hat.
Die versuchten Sabotage-Akte konzentrierten sich auf Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und zuletzt Sachsen. In allen drei Bundesländern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt. Am Freitag hatten Beamte in der Gevelsberger Wohnung des Tatverdächtigen Sprengstoff gefunden. Später stürmte ein Spezialeinsatzkommando in Niederzier am Tagebau Hambach einen Lastwagen, der anscheinend zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Der Gesuchte wurde aber bisher nicht vorgefunden.
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