Kann es die Berichtssaison richten?
Marktbericht
Hohe Erwartungen am Aktienmarkt Kann es die Berichtssaison richten?
Stand: 13.10.2026 • 14:39 Uhr
Zuletzt konnten sich die Börsen in einem schwierigen Umfeld gut behaupten. Wesentlich dafür waren die starken Unternehmensgewinne. Die Zahlen zum dritten Quartal sind der nächste wichtige Prüfstein.
Hohe Ölpreise, hartnäckige Inflation, steigende Zinsen für Zentralbankgeld und hohe Renditen an den Anleihemärkten - all diese gewichtigen Belastungsfaktoren haben die globalen Aktienmärkte bisher gut weggesteckt.
Eine Erklärung dafür sind die Unternehmensgewinne, die diesem Umfeld in den vergangenen Quartalen erstaunlich gut ausgefallen sind. Weder die hohen Energiepreise noch die steigenden Kreditkosten konnten vielen Bilanzen bisher wirklich etwas anhaben. Ein wichtiger Faktor dafür war der anhaltend robuste Konsum, der vielen Unternehmen erlaubt hat, ihre Kosten an die Verbraucher weiterzugeben - freilich zum Preis einer weiter steigenden Inflation.
"Enttäuschung könnte breiteren Rückgang auslösen"
"Diese Gewinnresilienz erklärt zum Teil, warum sich die Aktien so stark gehalten haben", fasste Bret Kenwell, US-Investmentanalyst bei eToro, die Lage zusammen. Das starke Wachstum habe es Anlegern ermöglicht, über höhere Renditen, Zinssätze und Inflation hinwegzusehen. "Ein weiteres starkes Quartal könnte die optimistische Stimmung bis zum Jahresende aufrechterhalten, während eine Enttäuschung einen breiteren Rückgang auslösen könnte."
Für die Aktienmärkte ist es also ziemlich wichtig, dass die Unternehmen weiter gute Gewinne liefern. Umso gespannter blicken die Marktteilnehmer auf die nun anlaufende Berichtssaison zum abgelaufenen dritten Quartal.
Hohe Erwartungen
Geht es nach den Analysten der Deutschen Bank, könnten die Zahlen die Kurse stützen: Für die europäischen Unternehmen erwarten sie weiter sprudelnde Gewinne und positive Überraschungen.
Auch Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, erwartet hohe Gewinnsteigerungen. "Auch die europäischen Unternehmen sind mit stärkeren Gewinnen dabei, aber längst nicht so wie in den Vereinigten Staaten", sagte er gegenüber der ARD Finanzredaktion. Das sei eine Diskrepanz zur Debatte in Deutschland. "Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die DAX-Unternehmen weltweit produzieren und sich anpassen, wenn die Produktion in Deutschland nicht so attraktiv ist."
Insgesamt sind die Erwartungen also hoch: Derzeit rechnen die Märkte mit einem Gewinnwachstum von etwa 20 Prozent in Europa und rund 30 Prozent in den USA gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal.
KI und Banken im Fokus
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz. "Die großen Themen, die es in der Berichtssaison zu beobachten gilt, sind, wie Unternehmen KI einsetzen und davon profitieren", sagte Clark Bellin von Bellwether Wealth. Zudem sei wichtig, ob sie ihre Preissetzungsmacht beibehalten oder erhöhen und wie sie mit den gestiegenen Kreditkosten umgehen könnten.
Als wichtiger Indikator für die gesamtwirtschaftliche Lage gelten die Zahlen der großen Banken, die traditionell den Zahlenreigen in den USA eröffnen. "Die Banken sind ein guter Indikator dafür, wie sich die Kreditnachfrage entwickelt und wie die allgemeine Wirtschaftslage ist", sagte Kim Forrest, Chefanlegerin bei Bokeh Capital Partners.
Erste Bankbilanzen gemischt
Und wie erwartet hatten die kurz nach Mittag veröffentlichten ersten Bankenbilanzen bereits Einfluss auf die Kurse. Die größte US-Bank JPMorgan sowie Wells Fargo konnten zwar ihre Gewinne steigern, blieben aber hinter den Erwartungen zurück. Entsprechend standen ihre Aktien im vorbörslichen US-Handel zunächst unter Druck.
Anders Goldman Sachs: Die Investmentbank verdiente mit einem Gewinnplus von 29 Prozent deutlich mehr als erwartet, was die Aktie vorbörslich steigen lässt.
DAX gibt frühe Gewinne ab
Den deutschen Aktienmarkt hat dieser erste Auftakt der Berichtssaison etwas unter Druck gesetzt: Der DAX, der zuvor bis zu 0,7 Prozent im Plus lag, fiel bis zum frühen Nachmittag auf ein knappes Plus von 0,1 Prozent zurück.
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