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Tuesday, September 15, 2026

Welcher Krieg macht den Diesel so teuer?

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Die Dieselpreise in den USA sind am Freitag über die Marke von sechs Dollar pro Gallone (etwa 1,30 Euro pro Liter) geklettert und liegen damit mehr als 63 Prozent höher als vor einem Jahr. Für US-Präsident Donald Trump ist der Grund dafür schnell gefunden:

Der weltweite Anstieg der Dieselpreise ist größtenteils auf den Russland-Ukraine-Krieg zurückzuführen, nicht auf den Iran.

Donald Trump, US-Präsident

Das schrieb er in seinem eigenen Netzwerk Truth Social und ergänzte gegenüber Journalisten noch einen Vorwurf in Richtung Kiew:

Herr Selenskyj muss eines tun: Er muss aufhören, die Dieselproduktion in Russland auszuschalten.

Donald Trump, US-Präsident

Aber stimmt das? Oder will Trump davon ablenken, dass sein Eingreifen im Nahen Osten bislang anders verläuft, als er sich das vorgestellt hat?

Der Ölpreis ist erstmals nach knapp zwei Monaten wieder über die Marke von hundert Dollar je Barrel gesprungen. Sina Mainitz berichtet über die Folgen.

09.09.2026 | 1:11 min

Starker Anstieg der Preise nach Ausbruch des Iran-Kriegs

Ein Blick auf die Daten der amerikanischen Energieinformationsbehörde zum US-Dieselpreis zeichnet ein anderes Bild. Zwischen November 2025 und Ende Februar 2026 bewegte sich der Preis größtenteils zwischen 3,50 und 3,90 Dollar pro Gallone, zeitweise sogar rückläufig. In diesem Zeitraum verstärkte die Ukraine ihre Angriffe auf russische Raffinerien und landete einige Treffer.

Erst ab Anfang März 2026 schnellt der Preis massiv nach oben: von 3,90 Dollar am 2. März auf 4,86 Dollar am 9. März und weiter bis auf über 5,60 Dollar im April. Dieser Sprung fällt genau in den Zeitraum, als die USA und Israel anfingen, Ziele in Iran zu bombardieren. Seitdem pendelt der Preis auf hohem Niveau und lag Anfang September bei knapp 6 Dollar.

Weniger Öl, noch weniger Raffineriekapazitäten

Der Preisanstieg ist trotzdem nicht nur mit dem Start des Iran-Kriegs zu erklären. Eine grobe Einschätzung der Lage hat uns die Chefin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, vor wenigen Tagen gegeben. "Diesel ist der am schnellsten steigende Preis, den wir im Moment sehen", erklärte sie im ZDF-Interview. Das liege zum einen daran, dass es durch die Schließung der Straße von Hormus vor der iranischen Küste weniger Rohöl auf dem Markt gebe:

Er geht aber auch nach oben, weil es weniger Raffineriekapazitäten gibt, dieses Öl in Diesel umzuwandeln. Man hat also ein teureres Rohmaterial und weniger Raffineriekapazitäten - und dann geht der Preis nach oben.

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank

Die Preise steigen wieder - und mit ihnen wächst der politische Druck. EZB-Präsidentin Christine Lagarde über Inflation, Kaufkraft und die politische Dimension steigender Preise.

10.09.2026 | 13:18 min

Die Rohölproduktion der elf Mitgliedsländer der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) fiel laut einer Reuters-Umfrage im August um 640.000 Barrel gegenüber dem Vormonat auf 19,71 Mio. Barrel pro Tag.

Genaue Angaben zur Raffineriekapazität in Russland sind schwerer zu finden: Schätzungen gehen davon aus, dass aktuell mindestens 40 Prozent der russischen Raffinerien infolge von ukrainischen Drohnenangriffen außer Betrieb sind. Als Reaktion darauf hat Moskau Anfang Juli ein Exportverbot für Diesel verhängt, um die eigene Versorgung zu sichern. Die russischen Diesel-Exporte brachen daraufhin um mehr als 80 Prozent ein: auf nur noch rund 150.000 Barrel pro Tag.

Eine Ölraffinerie am Schwarzen Meer wurde von einer ukrainischen Drohne getroffen. Der Angriff trifft Russland wirtschaftlich und psychologisch und hat zugleich erhebliche Umweltfolgen.

29.04.2026 | 1:41 min

IEA: "Größte Angebotsunterbrechung der Geschichte"

Die Internationale Energieagentur (IEA) beschreibt die Schließung der Straße von Hormus im Zuge des Iran-Kriegs als die größte Angebotsunterbrechung der Geschichte: Die zusammengenommenen Angebotsausfälle in der Ölversorgung aus dem Nahen Osten übersteigen nach IEA-Angaben mittlerweile 1,3 Milliarden Barrel. Die Durchflussmengen durch die Straße von Hormus sind dabei von rund 20 Millionen Barrel pro Tag vor dem Konflikt auf durchschnittlich 2,7 Millionen Barrel pro Tag in den Monaten März, April und Mai zurückgegangen. Iran hatte den Seeweg nach den US-Angriffen geschlossen, Verhandlungen über eine Öffnung sind seitdem mehrfach gescheitert.

Aufgefangen wurde dieser Ausfall laut IEA vor allem durch einen historischen Lagerabbau von im Schnitt 3,8 Millionen Barrel Öl pro Tag und die Freigabe strategischer Reserven.

Diese Einschätzung deckt sich mit der Einordnung des deutschen Verbands Fuels und Energie (En2x). Verbandssprecher Alexander von Gersdorff sagte der "Rheinischen Post":

Entscheidend ist jetzt die weitere Entwicklung vor allem im Nahen Osten.

Alexander von Gersdorff, En2x

Käme es dort zu einem Friedensschluss, würden sich auch die Kraftstoffpreise allmählich beruhigen - bis zu einer vollständigen Marktnormalisierung dauere es aber "weit bis ins Jahr 2027", da viel Raffineriekapazität verloren gegangen sei.

Seit Monaten stehen russische Raffinerien und Öllager unter ukrainischem Beschuss. Benzin wird zunehmend zur Mangelware. Auch vor Tankstellen in Moskau bilden sich Schlangen.

21.08.2026 | 1:40 min

Russische Export-Ausfälle nur "zusätzlicher Faktor"

Auch unabhängige Fachleute stützen dieses Bild. Der Energiemarktexperte Steffen Bukold sagte im Gespräch mit ZDFheute, international sei die Unterbrechung der Straße von Hormus "mit Abstand das wichtigere Ereignis" gewesen - russische Diesel-Exportausfälle seien erst "später im Verlauf des Sommers" als "zusätzlicher Faktor" hinzugekommen.

Das zeige auch der zeitliche Verlauf: Die Diesel-Großhandelspreise seien bereits im April stark gestiegen, "als kaum eine russische Raffinerie tatsächlich Produktionsprobleme hatte" - die ukrainischen Angriffe hätten erst im weiteren Sommerverlauf größere Wirkung entfaltet, so Bukold.

Trumps Behauptung, der weltweite Dieselpreisanstieg gehe hauptsächlich auf den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zurück, lässt sich damit also nicht bestätigen. Die ausgefallenen Raffinerien spielen eine Rolle, entscheidender ist jedoch die Entwicklung im Konflikt zwischen den USA und Iran.

Über hohe Spritpreise berichtete das ZDF im Morgenmagazin am 15.09.2026 um 05:30 Uhr.

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