Streik in Häfen: Verdi ruft zu Warnstreiks an sechs Seehäfen auf

Verdi verhandelt derzeit mit dem Arbeitgeberverband ZDS über die Löhne der Hafenarbeiter. Das jüngste Angebot der Arbeitgeber stieß auf Ablehnung.
Foto: Markus Scholz/dpa
dpa | Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) ruft zu 24-stündigen Warnstreiks an sechs deutschen Seehäfen auf. Der Warnstreik solle am Montagabend beginnen, teilte Verdi mit. Betroffen sind die Häfen Hamburg, Bremerhaven und Bremen sowie in Niedersachsen Wilhelmshaven, Emden und Brake. Hintergrund sind Tarifverhandlungen.
Am Freitag war bekanntgeworden, dass Verdi ein Arbeitgeberangebot abgelehnt hat. Die Gewerkschaft stützte sich auf eine Befragung unter den Beschäftigten. Mehr als 6.100 Arbeitnehmer hätten sich daran beteiligt und die Mehrheit halte das Angebot des Arbeitgeberverbands nicht für ausreichend.
Die erste Verhandlungsrunde hatte im Juli in Bremen begonnen. Verdi fordert für die rund 11.000 Beschäftigten in den Häfen 8,2 Prozent höhere Stundenlöhne als bislang. Der Vertrag solle ein Jahr lang laufen.
Die Arbeitgeber, die vom Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) in Hamburg vertreten werden, hatten in der ersten Runde ein Angebot vorgelegt und dieses in der zweiten erhöht. Der ZDS bietet unter anderem einen Anstieg der Löhne um 5,1 Prozent bei einer Laufzeit von 19 Monaten.
ZDS-Hauptgeschäftsführer verteidigt Angebot
Anlässlich der Warnstreik-Ankündigung sagte Verdi-Verhandlungsführerin Sylvi Krisch: „Dieses Signal an die Arbeitgeber, dass wir es ernst meinen mit unserer Tarifforderung, ist offenbar dringend nötig.“ Krisch zufolge wartet die Gewerkschaft auf einen dritten Verhandlungstermin.
ZDS-Hauptgeschäftsführer Florian Keisinger sagte, er bedauere, dass das Angebot von Verdi abgelehnt worden sei. Es handle sich um ein im Vergleich zu anderen Branchen gutes Angebot „am oberen Ende“. Keisinger verwies beispielsweise auf den Abschluss in der Chemieindustrie.
Die Warnstreiks nannte Keisinger „unverhältnismäßig“. Diese beeinträchtigten die Zuverlässigkeit der Seehäfen und setzten Lieferketten der Industrie und des Handels weiter unter Druck. Es könne Auswirkungen auf Importe und Exporte geben. Die globalen Lieferketten seien bereits angespannt.
Die zurückliegende Tarifrunde im vergangenen Jahr war ohne Warnstreiks zu Ende gegangen. Verdi und ZDS einigten sich überraschenderweise bereits während der ersten Verhandlungsrunde. Die Einigung sah ein Lohnplus von 3,1 Prozent bei einer einjährigen Laufzeit vor. Zudem wurden weitere Zahlungen vereinbart. Verdi-Mitglieder erhielten einen zusätzlichen freien Tag.
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