Erfolg von Viktoria Köln: Höhenflug in Höhenberg

Nach dem Tod des Investors musste sich Viktoria Köln neu erfinden. Und mauserte sich mit großer Nachwuchsarbeit vom Abstiegs- zum Aufstiegskandidaten.
Viktoria Köln ist die Mannschaft der Stunde in der dritten Liga. Seit dem letzten Wochenende liegen die Rechtsrheinischen aus dem Stadtteil Höhenberg an der Spitze des Tableaus und werden mittlerweile als ernsthafter Aufstiegskandidat in die zweite Liga gehandelt. Dabei rangiert der Klub – was den Etat angeht – eher in der Abstiegszone von Liga drei.
Der Höhenflug begann, als der Verein quasi am Boden lag. Vor rund zehn Jahren war es, da hatte Viktoria Köln keinen sonderlich guten Ruf. „Millionarios“ schallte es bei Partien der Kölner hämisch von den Tribünen gegnerischer Fans. Die Viktoria wurde seinerzeit großzügig von Unternehmer Fanz-Josef Wernze finanziert. Sie galt mit der Unterstützung des milliardenschweren Unternehmers als einer der finanzstärksten Klubs der 3. Liga.
Im April 2023 starb Wernze. Und für Viktoria Köln wurde vieles anders. Die Vereinsführung startete einen Restrukturierungsprozess mit dem klaren Ziel, sich als Ausbildungsverein zu etablieren und dabei Kosten zu senken. „Der Verein musste – und zwar in allen Bereichen – sofort mit 30 Prozent weniger Geld auskommen“, beschreibt der heutige sportliche Leiter Valentin Schäfer, der damals als Spielerscout für den Verein beschäftigt war.
In der Szene galt die Viktoria als kommender Absteiger Nummer eins. Die Personallage war schwierig. Der Verein musste wichtige Leistungsträger verkaufen und ablösefrei ersetzen. „Im April 2024 hatten wir für die neue Saison 14 Spieler unter Vertrag – und lagen damit schon über unserem Etat“, erinnert sich Schäfer. Mit der neuen Ausrichtung holte die Viktoria dann statt etablierter Profis entwicklungsfähige Spieler aus unteren Ligen. Und Akteure, die nach einem Karriereknick bei der Viktoria für vergleichsweise geringes Gehalt einen Neuanfang versuchten.
Leitungspersonal aus dem Nachwuchs
Und – womöglich noch wichtiger: Das leitende Personal wurde aus dem eigenen Nachwuchslager befördert. Co-Trainer der Profis wurde 2024/25 Marian Wilhelm, der bei der Viktoria von der U10 bis zur U19 schon sämtliche Jugendteams trainiert hatte – nun wurde er Chefcoach Olaf Janßen an die Seite gestellt. Mit der festen Verabredung, Janßen nach einer Saison als Cheftrainer zu beerben. Valentin Schäfer wurde erst Kaderplaner und stieg zum Anfang des Jahres 2026 zum sportlichen Leiter auf.
Sein Meisterstück machte Wilhelm womöglich, als er Said El Mala zum Profi entwickelte. Gemeinsam mit Schäfer holte er den heutigen Nationalspieler 2023 gemeinsam mit dessen Bruder Malek vom TSV Meerbusch zur Viktoria.
Neuen Ruf erarbeitet
Viktoria verkaufte die beiden 2024 an den großen Nachbarn 1. FC Köln, behielt sie aber noch für ein Jahr auf Leihbasis im eigenen Team. Mit den beiden El Malas spielte Viktoria trotz schlechter Prognosen eine starke Saison und erarbeitete sich einen neuen Ruf. „Wir waren in der Szene plötzlich als Verein bekannt, der für junge, entwicklungsfähige Spieler ein Sprungbrett sein kann“, beschreibt Schäfer. In den letzten beiden Jahren wurde die Mannschaft vor jeder Saison runderneuert.
Vor der Saison 2024/25 hatte der Verein 17 Spielerabgänge, 2025/26 waren es gar 21. Darunter waren Innenverteidiger Zoumana Keita, den man für 500.000 Euro an der RSC Anderlecht verkaufte oder Sidny Lopes Cabral. Der Außenverteidiger sorgte bei der WM 2026 mit einem Traumtor für Aufsehen mit der kapverdischen Nationalmannschaft.
Jedes Mal Transferplus
Die enormen personellen Spielerumwälzungen brachten dem Verein jedes Mal ein gehöriges Transferplus – existenziell für die „neue“ Viktoria. An Leistung wurde dabei nicht eingebüßt, ganz im Gegenteil. Dass die Viktoria jetzt die 3. Liga anführt, ist aus Sicht der Verantwortlichen zwar überraschend, aber die insgesamt positive Entwicklung des Teams nicht völlig unerwartet.
Wichtig sei durchaus Kontinuität im Team – aber eigentlich viel wichtiger in der Vereinsführung, findet Valentin Schäfer: „Wir kennen uns hier alle schon seit Jahren und verfolgen eine Spielidee und ein Konzept. Und danach suchen und verpflichten wir unsere Spieler“, erklärt Schäfer. Er findet: „Eine Mannschaft spielt sich schneller ein, wenn sie passend für die Idee des Trainerteams zusammengestellt ist.“
Trainer Wilhelm verfolgt dabei ein klares Konzept: Sein Team soll Ballbesitzfußball spielen, mutig sein. Viktoria-Spieler sollen technisch stark und offensiv ausgerichtet sein. „Wir wollen hier alle den nächsten Step machen“, sagt Wilhelm. „Wir holen nur Spieler, die das persönliche Ziel haben, so schnell wie möglich aus der 3. Liga herauszukommen.“ Am Freitag empfängt die Viktoria den 1. FC Saarbrücken zum nächsten Meisterschaftsspiel. Die Saarländer wollen unbedingt aufsteigen. Wie fast alle Klubs der 3. Liga. Auch die Viktoria. „Unser Verein hat sich deutlich positioniert. Wir würden uns gegen einen Aufstieg nicht wehren“, sagt Marian Wilhelm.
Fußball und Naturschutz Warum Bayer 04 auf einem Acker verliert
Der Werksklub will in Monheim am Rhein einen neuen Campus errichten. Doch die Fläche liegt in einem Regionalen Grünzug. Das Projekt wurde gestoppt.
Von Arne Steinberg
Fußballerausbildung beim DFB Spieler wollen vor allem spielen
Um Deutschlands Nachwuchsfußball wirklich wieder voranzubringen, braucht es mehr als die jüngste Reform – ein Kulturwandel wäre nicht schlecht.
Von Dietrich Schulze-Marmeling
Jungstar Saïd El Mala beim 1. FC Köln Wilde Fantasien
Der 1. FC Köln steht vor dem Pokalduell gegen den FC Bayern. Dabei geht es auch um den Hype des 19-jährigen Stürmertalents Saïd El Mala.
Von Daniel Theweleit
taz FUTURZWEI im Abo entdecken Endlich mal ein Magazin für Zukunft
taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht).
- Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten
- Nur 38 Euro im Jahr
- Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“
- Herausgegeben von Harald Welzer
Jetzt abonnieren
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.