Wer nimmt es mit Vinicius Junior auf?
Zum fünften Mal in seiner Geschichte tritt RB Leipzig gegen Real Madrid an. Zuhause gab es einen Sieg und eine Niederlage, im Bernabeu ein 1:1 und ein 0:2. Immer in diesen vier Begegnungen zogen sich die Sachsen gegen den hohen Favoriten achtbar aus der Affäre. Auch diesmal? Die letzten Fragen und Antworten zum Spiel.

Trafen sich schon im März 2024 im Bernabeu: Willi Orban (li.) und Vinicius Junior IMAGO/Ulrich Hufnagel
Als Bonusspiele hatten die Verantwortlichen von RB Leipzig im Vorfeld die höchst anspruchsvollen Auswärtsaufgaben beim FC Bayern und Real Madrid bezeichnet. Als Belastungsspiel erwies sich die maximal einseitige Vorführung beim 1:6 in München, die vierte Pflichtspiel-Auswärtsniederlage in Folge, die die ohnehin vorhandenen Zweifel an der Qualität des Kaders und die Tauglichkeit ihres Trainers Martin Demichelis verstärkt haben.
Angesichts dieser Vorzeichen geht es am Mittwoch (21 Uhr, LIVE! bei kicker) im Bernabeu für RB vor allem darum, sich deutlich wehrhafter und konkurrenzfähiger zu präsentieren als vier Tage zuvor in der Allianz-Arena. Ein Unentschieden oder gar einen Sieg beim haushohen Favoriten erwarten die RB-Bosse natürlich nicht, einen würdigen Auftritt aber schon. "Wir haben aus diesem Spiel viel gelernt", sagt Demichelis und verspricht: Wir werden ein anderes Gesicht zeigen."
zum Spiel
So dürfte Leipzig spielen
Welche personellen Konsequenzen zieht Demichelis aus dem Kollektiv-Versagen in München? Wahrscheinlich nicht sehr viele. Der Trainer ist nach eigener Aussage kein Freund von größeren Rotationen, hat dementsprechend bislang auch gehandelt. Klar ist, dass er das gescheiterte Experiment mit dem reaktivierten Rechtsverteidiger Lukas Klostermann nicht fortsetzen wird, Ridle Baku und Benjamin Henrichs kämpfen um den vakanten Platz, wobei für Henrichs spricht, dass er in den bisherigen vier Duellen gegen Real mitgewirkt und dabei gegen Vinicius Junior auch ordentlich ausgesehen hat. Links ist Kapitän David Raum gesetzt, auch in der Innenverteidigung dürften das eingespielte Duo Willi Orban und Castello Lukeba erneut den Vorzug halten.
Im Dreier-Mittelfeld könnte der einstige Platzhirsch und in München zur Halbzeit eingewechselte Nicolas Seiwald dank seiner Zweikampf- und Laufqualitäten eine Bewährungschance von Anfang an erhalten und neben Neuzugang Neil El Aynaoui auflaufen. Für den offensiveren Part bietet sich Christopher Nkunku an. Der von Demichelis in München erprobte Versuch, Nkunku als Spitze auflaufen zu lassen, ging jedenfalls krachend schief.
Im Sturm dürften die Außen von Brajan Gruda und Antonio Nusa erste Wahl bleiben, komplettiert durch Romulo im Zentrum. Da kommt aber auch der aufstrebende Tidiam Gomis infrage.
Das muss man zu Real Madrid wissen
Der spanische Rekordmeister zählt zu den berühmtesten Klubs und ist mit 32 offiziell anerkannten UEFA- und FIFA-Titeln der erfolgreichste Fußball-Verein der Welt. Allein 15 Mal gewannen die Königlichen die Champions League bzw. den Europapokal der Landesmeister. Das ist ebenso Rekord wie die fünf Titel bei Klub-Weltmeisterschaften. Aber: Die vergangene Saison beendete die Mannschaft titellos. In der Meisterschaft musste man den FC Barcelona mit acht Punkten Rückstand deutlich ziehen lassen, in der Champions League war bereits im Viertelfinale gegen den FC Bayern auf hochdramatische Weise Schluss, im nationalen Pokal blamierte man sich im Achtelfinale mit einem 2:3 bei Zweitligist Albacete. Auch in der Supercopa ging im ewig jungen Clasico der Sieg an Barcelona, weshalb Trainer Xabi Alonso im Januar 2026 nach nur 232 Tagen gehen musste.
Mit Rückkehrer José Mourinho, der als Assistent Weltmeister Sami Khedira zu Real zurückbrachte, sowie einer extremen Transferoffensive sollen in dieser Saison wieder Titel geholt werden. 225 Millionen Euro steckte Real (bei nur 58 Millionen Einnahmen) in neue Spieler, darunter in den für 125 Millionen Euro aus Leipzig geholten Flügelstürmer Yan Diomande. Bisher läufts allerdings mehr schlecht als recht für den neu aufgestellten Klub: Nach zwei Niederlagen aus den ersten neun Ligaspielen liegt man nur auf Platz drei und hat schon wieder sechs Zähler Rückstand auf den mit neun Siegen gestarteten Erzrivalen aus Barcelona.
Das sind die entscheidenden Duelle
Gegen Bayern Münchens Offensivtrio Michael Olise, Harry Kane und vor allem Luis Diaz sah Leipzigs Defensivreihe am Samstag kein Land. Nun warten mit Kylian Mbappé, Vinicius Junior und Arda Güler, Diomande oder Endrick eine Sturmreihe von ähnlicher Qualität und noch mehr Speed. Egal ob Güler, Diomande oder Endrick beginnen, beide haben gegenüber Linksverteidiger David Raum extreme Tempovorteile. Gleiches gilt auf der Gegenseite für den in der Meisterschaft rotgesperrten und daher ausgeruhten Vinicius Junior gegen Henrichs oder Baku.
Die Kreise von Jude Bellingham einzugrenzen, ist eine weitere Herkulesaufgabe, der sich wohl El Aynaoui stellen soll. Klar ist: Im Eins-gegen-eins ist nahezu jeder Leipziger seinem Gegenüber unterlegen, deshalb wäre die von Demichelis in München angeordnete Manndeckung über den ganzen Platz erneut ein zu großes Risiko. Es geht nicht darum, den offenen Fight zu suchen, sondern die Räume eng zu halten und die seltenen Gelegenheiten, Nadelstiche setzen zu können, zu suchen und zu nutzen.
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