Ubuntu schließt Rust-Umstieg ab
Ubuntu verwendet künftig für seine Standard-Coreutils vollständig die Rust-Implementierung uutils. Das geht aus den offiziellen Release Notes der noch in Entwicklung befindlichen Version 26.10 „Stonking Stingray“ hervor. Auch die bislang weiterhin aus den GNU Coreutils stammenden Befehle cp, mv und rm sind demnach migriert. Eine gesonderte neue Ankündigung dazu gibt es bislang nicht. Ubuntu 26.10 soll am 15. Oktober 2026 erscheinen.
Die Coreutils bündeln elementare Unix-Kommandos für Datei-, Text- und Shell-Operationen, darunter ls, cat, chmod, du, cp, mv und rm. Die Befehle gehen auf die frühen Unix-Systeme der 1970er Jahre zurück; GNU lieferte für Linux und andere freie Unix-artige Systeme die verbreitete, überwiegend in C geschriebene Implementierung. Ubuntu hatte uutils erstmals mit Version 25.10 als Standard eingeführt und damit die GNU-Varianten schrittweise ersetzt.
cp, mv und rm schließen die Lücke
In Ubuntu 26.04 LTS liefen die meisten Standardwerkzeuge bereits als Rust-Programme. Für cp, mv und rm beließ Canonical jedoch die GNU-Implementierungen im System. Die drei Kommandos verändern Dateien und Verzeichnisbäume und waren deshalb im Audit besonders kritisch.
Canonical hatte im April erklärt, dass uutils bei diesen Werkzeugen noch acht offene TOCTOU-Probleme aufweise. TOCTOU steht für Time of Check to Time of Use: Zwischen einer Sicherheitsprüfung und der anschließenden Aktion kann sich etwa ein Pfad oder ein symbolischer Link ändern. Bei diesen Werkzeugen, die rekursiv Verzeichnisse kopieren, verschieben oder löschen, kann das sicherheitsrelevant sein. Canonical kündigte an, die noch ausstehenden Probleme zu beheben und die abschließende Umstellung erst später anzustreben.
Jetzt vermerken die Release Notes für Ubuntu 26.10 ausdrücklich, dass die Standard-Coreutils „vollständig“ auf der Rust-basierten uutils-Implementierung laufen. Entsprechend nennen sie ausdrücklich cp, mv und rm als die verbliebenen GNU-Werkzeuge, die zuvor aus Kompatibilitätsgründen zurückgehalten worden seien und nun migriert wurden.
Austausch unterhalb der gewohnten Befehle
Für Nutzer und Skripte soll der Wechsel keine Änderungen nach sich ziehen: uutils implementiert die gewohnten Befehlsnamen und Optionen der GNU Coreutils nach. Ein Shell-Skript mit cp -a, find … -exec rm oder du -sh soll daher grundsätzlich unverändert funktionieren. Abweichungen von GNU-Verhalten betrachtet das Projekt explizit als Kompatibilitätsfehler, nicht als gewollte Neuerung.
Die Umstellung betrifft allerdings nicht nur einzelne Binärdateien. Coreutils gehören unter Debian und Ubuntu zu den Essential-Paketen. Sie müssen schon beim Entpacken von Paketen verfügbar sein. Canonical hatte deshalb für die erste Migration einen Paketmechanismus entwickelt, der die Rust- und GNU-Varianten austauschbar machte, ohne dass in einem Installations- oder Upgrade-Schritt etwa cp kurzzeitig fehlt. Die Migrationsspezifikation für Ubuntu 25.10 beschreibt, warum weder Debian-Alternativen noch einfache Paketumleitungen dafür geeignet waren.
Die Entscheidung ersetzt zudem ausdrücklich nicht das gesamte Ubuntu-Userland durch Rust. Sie betrifft ausschließlich die Standardimplementierung dieser zentralen Kommandozeilensammlung. GNU Coreutils bleiben als Softwareprojekt bestehen; auch andere Komponenten eines Ubuntu-Systems, vom Linux-Kernel über die Shell bis zu systemnahen Diensten, sind von dieser Änderung nicht betroffen.
Sicherheitsgewinn, aber Kompatibilität bleibt Maßstab
Rust soll vor allem Speicherfehler vermeiden helfen, die in C etwa als Use-after-free oder Pufferüberlauf auftreten können. Das schützt jedoch nicht automatisch vor Logikfehlern, falscher Rechtebehandlung oder Race Conditions. Gerade die Behandlung von Verzeichnisbäumen bei rm, cp und mv zeigte, dass der Austausch einer Programmiersprache die sicherheitskritische Prüfung der Semantik nicht ersetzt.
Canonical ließ uutils deshalb vor Ubuntu 26.04 von Zellic extern prüfen. Nach Angaben des Ubuntu-Teams fanden die beiden Audit-Phasen insgesamt 113 Schwachstellen und weitere Probleme unterschiedlicher Schwere; der Großteil sei daraufhin upstream behoben worden. Canonical legte dabei 44 CVEs offen (CVE-2026-35338 bis CVE-2026-35381).
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.