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Friday, September 18, 2026

Lucid und Bolt wollen 25.000 autonome E-Autos in Europa einsetzen

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Der US-Elektroautohersteller Lucid und die Mobilitätsplattform Bolt aus Estland haben eine strategische Partnerschaft für autonome Fahrdienste in Europa angekündigt. Bolt will mindestens 25.000 vollautonome Lucid-Fahrzeuge auf seiner Plattform in mehreren europäischen Städten einsetzen. Die Robotaxis sollen auf Lucids kommender Midsize-Plattform basieren und innerhalb definierter Einsatzbereiche ohne menschliche Eingriffe fahren können.

Die Fahrzeuge sollen mit Nvidias Hyperion-Referenzarchitektur eine standardisierte Sensor-Suite aus Kameras, Radar und gegebenenfalls Lidar sowie Recheneinheiten auf Basis von Nvidia Drive nutzen. Hyperion stellt allerdings kein vollständiges Fahrsoftware-System bereit, sondern dient als Hardware- und Sensorplattform. Den eigentlichen Stack fürs autonome Fahren wollen Lucid und Bolt zusammen mit noch ungenannten Softwarepartnern entwickeln.

Bolt betreibt Ride-Hailing-, Scooter- und Carsharing-Dienste in über 50 Ländern und 850 Städten mit eigenen Angaben zufolge mehr als 200 Millionen Nutzern. Die Robotaxi-Flotte soll ein Zwischenschritt zu rund 100.000 autonomen Fahrzeugen auf der Plattform bis 2035 sein. Die dafür gegründete Einheit Bolt Autonomous Driving Solutions übernimmt auf Bolt-Seite Fahrzeuganforderungen, Sicherheitsparameter, den Aufbau der Flotteninfrastruktur sowie Kooperationen mit Städten und Regulierungsbehörden. Bolt möchte die Fahrzeuge selbst besitzen und betreiben.

Lucid Technologies soll in der neuen Partnerschaft alle Aktivitäten rund um KI, Fahrerassistenzsysteme, Autonomie und digitale Fahrzeugfunktionen bündeln. Der Hersteller von Elektroautos tritt damit erstmals auch als Technologie-Zulieferer für autonome Flotten in Erscheinung. In den USA arbeitet Lucid bereits mit Uber und Nuro an vergleichbaren Robotaxi-Projekten.

Welche europäischen Städte als Erste Lucid-Bolt-Robotaxis sehen werden, ist noch nicht bekannt. Die Partner sprechen bisher nur allgemein von „großen europäischen Städten“ in mehreren Ländern. Die Midsize-Plattform, auf der die Robotaxis basieren sollen, ist zugleich als Grundlage für günstigere Lucid-Serienmodelle unterhalb der heutigen Premiumfahrzeuge Lucid Air und Lucid Gravity gedacht. Konkrete Angaben zu Reichweite oder detaillierter Sensorbestückung liegen noch nicht vor.

Lucid-CEO Silvio Napoli bezeichnete autonome Shared Mobility als „perfekte Gelegenheit, unsere Technologie über Privatfahrzeuge hinaus zu erweitern“. Bolt-Gründer Markus Villig betonte, autonomes Fahren in Europa erfordere, dass „Daten, Software, Fahrzeuge und Betrieb als ein System funktionieren, das für europäische Straßen und Regulierung gebaut ist“.

Die Partnerschaft belebt eine zunehmend dynamische Robotaxi-Landschaft in Europa. Waymo hat angekündigt, Ende 2027 einen fahrerlosen Taxidienst in München zu starten. Es wäre die erste EU-Stadt mit einem autonomen Regelbetrieb. Uber bietet bereits Fahrten mit Robotaxis von Wayve in London an, zunächst noch mit Sicherheitsfahrern an Bord, während Pony.ai und Uber mehr als 2000 Robotaxis in fünf europäischen Städten planen, ausgehend vom laufenden Dienst in Zagreb.

Mit 25.000 angekündigten Fahrzeugen würde die Lucid-Bolt-Flotte die bisherigen europäischen Pilotprojekte, die sich meist im zwei- bis niedrigen vierstelligen Bereich bewegen, deutlich übertreffen. Unklar ist allerdings noch der Zeitrahmen für den tatsächlichen Einsatz. Auch autonome Lieferfahrzeuge drängen verstärkt auf den europäischen Markt, während der regulatorische Rahmen für einen Betrieb im öffentlichen Verkehr in der EU und einzelnen Mitgliedstaaten noch weiterentwickelt wird.

Neben Fahrzeugtypgenehmigungen mit autonomiespezifischen Sicherheitsanforderungen braucht es klare Haftungsregeln, definierte Betriebsbereiche und DSGVO-konforme Konzepte für die umfangreichen Sensor- und Bewegungsdaten, die autonome Fahrzeuge erfassen. Zweifelhaft ist dabei etwa, ob die von Lucid und Bolt angekündigte „Level-4-Autonomie“ nach SAE überhaupt ausreichen kann. Zur Erinnerung: Level 4 bedeutet, dass ein Auto in mindestens einem exakt definierten Szenario alle Situationen komplett allein bewältigen kann. Natürlich steht es den Herstellern frei, die Vorgaben für ein solches Szenario festzulegen.

An der Börse wurde die Ankündigung positiv aufgenommen: Die Lucid-Aktie legte nach Bekanntgabe zweistellig zu. Der Deal enthält laut Finanzberichten allerdings kein offengelegtes Kapitalcommitment seitens Lucid, das Volumen soll vor allem über Bolts Plattform kommen. Bolt ist für Lucid nicht der einzige Partner beim autonomen Fahren: Im März 2026 kündigte der Elektroautohersteller bereits eine Kooperation mit Uber an.

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