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Friday, September 18, 2026

Wenn Zellen fühlen, was auf sie drückt

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Die finnische Medizinerin und Zellbiologin Sara Wickström gewinnt den Körber-Preis. Ihre Entdeckung liefert neue Erkenntnisse darüber, wie Zellen ihre Umgebung wahrnehmen.

18.09.2026 | 2:03 min

Ein Spaziergang an der Binnenalster: Sara Wickström soll für die ZDF-Kamera ein paar Meter gehen und über das Wasser auf die Stadt schauen. "Ich bin so froh, dass ich mich für die Wissenschaft entschieden habe und nicht für die Schauspielerei", sagt sie auf Englisch und lacht.

Die Finnin, die heute den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft erhält, versteht jedes Wort, kann auch Deutsch. Wenn es um ihr Kernfach geht, wechselt sie aber auf Englisch. Sara Wickström hat herausgefunden, dass Zellen fühlen. Sie spüren, ob sie gedrückt, gedehnt oder gezogen werden. Und sie reagieren darauf bis tief in ihr Erbgut hinein.

Wie sich Zellen durch Druck verändern

"Wenn Zellen Druck wahrnehmen, verändert sich innerhalb von Sekunden das Innere des Zellkerns, dort - wo die Gene liegen", erklärt Wickström. Das verändere ihre Genaktivität, fügt sie hinzu. Das Überraschende sei, wie lange das anhält:

Diese Veränderungen bleiben über lange Zeit bestehen. Tagelang, nach nur wenigen Minuten Druck.

Sara Wickström, Zellforscherin

Dass Zellen auf Kräfte reagieren, war vorher bekannt. Neu war, dass sie dadurch ihr genetisches Programm umschreiben. Wickström stieß 2016 in Köln darauf, fast zufällig: Ihr Team dehnte Hautzellen auf flexiblen Membranen und fand heraus, dass sich dabei nicht ein paar, sondern Tausende Gene veränderten.

Eigentlich ist das ein Mechanismus für den Alltag des Körpers. "Denken Sie an Muskeln: Dehnung und Anspannung machen die Muskelzellen stärker", sagt Wickström. "Das sind ursprünglich Mechanismen der Entwicklung. Krebs aber kapert sie einfach für die Krankheit."

Zum Weltkrebstag gibt es Hoffnung: Neue Therapien mit genetisch veränderten Immunzellen könnten das Abwehrsystem gezielt gegen Blutkrebs aktivieren.

04.02.2026 | 2:01 min

Forschung befasst sich auch mit Krebszellen

Ein Tumor wächst nicht für sich allein. Er verdichtet das Gewebe um sich herum, macht es steif, und die gesunden Zellen spüren das. "Der Krebs verändert auch das Verhalten der normalen Zellen", sagt Wickström.

Wenn wir gesundes Gewebe und Tumorgewebe zusammen betrachten, können wir den Tumor viel genauer beschreiben.

Sara Wickström

Dafür nutzt ihr Team Gewebeproben, die Patienten bei der Diagnose ohnehin entnommen werden. Antikörper mit Leuchtfarbstoffen markieren Dutzende Merkmale, unter dem Mikroskop erscheinen sie in verschiedenen Farben. Eine Künstliche Intelligenz liest das Muster von Millionen Zellen. Es soll verraten, wie aggressiv ein Tumor ist und welche Therapie passt. Mit zwei Mitarbeitern hat Wickström dafür ein Diagnostikunternehmen gegründet. Ihre Einschätzung bleibt nordisch nüchtern:

Bis das in den Kliniken ankommt, wird es noch einige Jahre dauern.

Sara Wickström

Noch weiter weg sind Therapien. Die mechanischen Kräfte, so hat ihr Team herausgefunden, programmieren Krebszellen zu noch aggressiveren Zellen um. Die Hoffnung ist, sie wieder in einen gesünderen Zustand zurückzubringen. Schwierig sei das, weil gesunde Zellen dieselben Mechanismen nutzen. "Krebszellen sind Zellen unseres eigenen Körpers. Sie kommen nicht vom anderen Stern," erklärt sie im ZDF-Interview.

Eine Gen-Therapie gegen Krebs, noch im Früh-Entwicklungsstadium, macht Hoffnung: Körpereigene Abwehrzellen werden entnommen, gentechnisch verändert und dem Körper wieder zugeführt.

07.07.2026 | 2:37 min

Preisträgerin Wickström lobt Forschung in Deutschland

Wickström kam nach ihrer Promotion in Helsinki nach Deutschland, forschte in Martinsried und Köln, ging zwischendurch zurück nach Finnland. Heute ist sie Direktorin am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster. Mit dem Preisgeld will sie untersuchen, ob Zellen ein Gedächtnis für Verletzungen entwickeln, mit Blick auf Vernarbungen an Haut, Lunge und Nieren.

Dass viele Menschen von solcher Forschung kaum etwas mitbekommen, nimmt sie auch auf die eigene Kappe: "Wir Wissenschaftler müssen besser darin werden, unsere Ergebnisse zu vermitteln und näher an den Alltag zu bringen." Dann fügt sie hinzu:

Deutschland kann sehr stolz sein. Deshalb bin ich auch hier: Deutschland hat immer noch die beste Wissenschaft in Europa und fantastische Bedingungen für Spitzenforschung.

Sara Wickström

Die Körber-Stiftung vergibt den mit einer Million Euro dotierten Preis seit 1985. Acht Preisträger erhielten übrigens später den Nobelpreis.

Sven Rieken ist Korrespondent im ZDF-Studio Hamburg.

Über dieses Thema berichtete das heute journal update am 18.09.2026 ab 00:30 Uhr.

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