Bitkom: Analoge Ämter bremsen Wirtschaft aus
Drei Viertel der Unternehmen in Deutschland sehen die mangelnde Digitalisierung ihrer zuständigen Behörden als internationalen Standortnachteil. Zugleich können nur 2 Prozent mit Ämtern ausschließlich digital kommunizieren. Das geht aus einer Befragung des Branchenverbands Bitkom hervor.
Bei 60 Prozent der Firmen bieten die Behörden digitale und analoge Kommunikationswege etwa zu gleichen Teilen an. Ein Drittel kann überwiegend per E-Mail oder Webportal kommunizieren. Für die Bitkom-Erhebung wurden 603 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten telefonisch befragt. Die Befragung fand von Ende August bis Ende September 2026 statt und ist laut Bitkom repräsentativ für die Gesamtwirtschaft. Die Angaben zu den Kommunikationswegen sagen natürlich noch nicht aus, ob ein Antrag auch innerhalb der Behörde digital bearbeitet wird.
Lange Wartezeiten, doppelte Dateneingabe
Die größten Probleme im Behördenkontakt sind aus Sicht der Unternehmen nicht allein technischer Natur. Jeweils 57 Prozent nennen Wartezeiten auf notwendige Termine sowie umfangreiche Dokumentations- und Berichtspflichten als großes Problem. 52 Prozent beklagen lange Bearbeitungszeiten.
Ferner zeigen sich Lücken im digitalen Ablauf: 43 Prozent der Unternehmen müssen dieselben Daten wiederholt bereitstellen. 42 Prozent vermissen eine Verbindung zwischen ihrer Software und den Verwaltungsplattformen. Vollständig digitale Verwaltungsleistungen fehlen 39 Prozent; unter Unternehmen mit mindestens 500 Beschäftigten sind es 56 Prozent. Ein Drittel muss Unterlagen weiterhin auf Papier vorlegen.
Unternehmen fordern mehr Tempo
62 Prozent der Befragten sehen Bürokratie als Hindernis für die Digitalisierung des eigenen Unternehmens. Den Digitalisierungsstand der Behörden benoten sie im Schnitt mit 3,9. Ein Viertel vergibt „mangelhaft“ oder „ungenügend“, während 5 Prozent ihn mit „gut“ bewerten. 84 Prozent wollen, dass die Politik die Verwaltungsdigitalisierung vorrangig angeht.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst fordert Verfahren, die ohne Wechsel zum Papier auskommen. Als mögliche Bausteine nennt er den Deutschland-Stack und die Registermodernisierung. Von einer European Business Wallet erhofft sich der Verband, dass Unternehmen sich gegenüber Behörden digital ausweisen und Nachweise sicher hinterlegen und dieselben Daten nicht immer wieder neu einreichen müssen.
Fortschritte und Lücken
Der EU-Bericht zur digitalen Dekade 2026 sieht bei Deutschlands digitalen öffentlichen Diensten ebenfalls Verbesserungsbedarf. Der Bitkom-Monitor zur Staatsmodernisierung erfasst 222 Vorhaben aus den Modernisierungsagenden von Bund und Ländern. Im Juni 2026 waren davon neun Prozent abgeschlossen.
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