Hugging-Face-Übernahme: US-Justiz prüft Nvidias Expansionskurs
Das US-Justizministerium nimmt Nvidias geplante Übernahme der KI-Plattform Hugging Face genauer unter die Lupe. Das berichtet Reuters unter Berufung auf zwei informierte Personen.
Nvidia kündigte den Kauf für 12,93 Milliarden US-Dollar im September an. Der Abschluss ist vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen im ersten Halbjahr 2027 geplant. Im Zentrum steht laut Reuters die Frage, ob Nvidia durch die Kontrolle über einen wichtigen Verbreitungsweg für KI-Modelle seine Marktmacht ausweiten und Konkurrenten benachteiligen könnte. Die Ermittler interessieren sich demnach auch für Wettbewerber von Hugging Face. CNBC bestätigte die Untersuchung unabhängig mit einer eigenen Quelle. Konkrete Kartellrechtsverstöße sind bislang nicht nachgewiesen.
Hugging Face gilt als zentraler Umschlagplatz für KI-Modelle und Trainingsdaten. Laut Nvidia nutzen mehr als 18 Millionen Menschen und über 200.000 Unternehmen die Plattform, auf der mehr als drei Millionen Modelle und 500.000 Datensätze bereitstehen. Auch konkurrierende Chip- und Cloud-Anbieter nutzen sie. Geld verdient Hugging Face unter anderem mit Abonnements, Cloud-Rechenleistung und Unternehmensdiensten. Nvidia würde damit neben der Hardware eine wichtige Schnittstelle zwischen KI-Entwicklern, Modellen und Rechenanbietern übernehmen.
Weitere Nvidia-Geschäfte im Visier
Parallel dazu setzt das DOJ eine bereits unter der Biden-Regierung begonnene Untersuchung von Nvidias Übernahmen, Investitionen und Verkaufspraktiken fort. Laut Reuters befasst sich die Behörde auch mit Nvidias 17 Milliarden Dollar schwerem Deal mit dem Chip-Startup Groq vom Dezember 2025. Nvidia sicherte sich eine nicht exklusive Technologielizenz und stellte zahlreiche Mitarbeiter ein, ohne Groq selbst zu übernehmen.
Die Ermittler würden unter anderem prüfen, ob Nvidia Kunden größere Mengen seiner begehrten KI-Chips anbot, wenn diese zugleich Nvidia-Netzwerktechnik und Groq-Prozessoren kaufen. Untersucht würde auch die Übernahme von Run:ai, dessen Software GPU-Ressourcen verwaltet, sowie der Kauf von SchedMD, welches Open-Source-Software zur Steuerung großer Rechencluster entwickelt.
Nvidias Marktmacht reicht weit über den Verkauf von KI-Chips hinaus. Das proprietäre Softwareökosystem CUDA erschwert den Wechsel zu konkurrierender Hardware. Gleichzeitig investiert der Konzern Milliarden in KI-Unternehmen und Rechenzentren, die wiederum Nvidia-Chips kaufen oder Rechenleistung auf Nvidia-Hardware nutzen. So ist Nvidia häufig Lieferant und Geldgeber zugleich. Mit Hugging Face könnte der Konzern seinen Einfluss auch auf die Verbreitung und Bereitstellung von KI-Modellen ausdehnen. Nvidia hat gesagt, dass die Plattform für konkurrierende Anbieter von KI-Chips, Cloud-Diensten und KI-Modellen offen bleiben soll.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.