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Wednesday, September 16, 2026

„Marvel's Wolverine“ angespielt: Ein Spiel, das 17 Jahre zu spät kommt

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Der amerikanische Entwickler Insomniac Games kennt den Stoff, aus dem Helden gemacht sind: Bei Spyro war es lila Drachenhaut, bei Ratchet geflecktes Lombax-Fell und bei Spider-Man blau-rotes Gummi. Ihr neuer Held stammt zu großen Teilen aus Adamantium, einem unzerstörbaren Metall, das ihm auch seine tödlichen Klingen verleiht. Die Rede ist von Marvel-Held Wolverine, der die Kinoleinwand schon seit längerer Zeit verlassen hat. Seinen abgedrehten Multiversums-Ausflug mit Deadpool kann man jetzt zum Kanon zählen oder auch nicht.

Bei seinen Videospielen herrscht schon länger Ebbe. Hier schlug Wolverine zuletzt im Jahr 2009 seine Waffen in bemitleidenswerte Feinde – und das in einem sehr monotonen Button-Masher. Brutale Heldenspiele sind zu diesem Zeitpunkt schon lange aus der Mode gekommen. „God of War“ hat später noch den Absprung ins erwachsene Gefilde geschafft, Wolverine jedoch nicht. Aber seine Marke scheint genauso unsterblich wie er selbst zu sein: Das neue PS5-Exklusivspiel „Marvel's Wolverine“ holt die Bestie zurück und präsentiert ein optisch beeindruckendes und erzählerisch ganz solides Spiel. Doch das Gameplay ist dasselbe wie damals. Vor dieser Staublawine kann einen noch nicht mal Fanservice retten.

Wolverine ist zurück – aber ist es jetzt der Comic-, der Serien- oder der Film-Held? Insomniac Games macht es sich einfach: Anstatt irgendwo im Kanon eine passende Lücke zu finden, in die das Spiel hineinpasst, schreibt das Studio sich einfach eine eigene Geschichte zusammen. Professor X fehlt komplett, aber Wolverine hat sich immer noch der Mission verschrieben, übernatürlichen Mutanten auf der ganzen Welt zu helfen. Das tut er dieses Mal für eine andere mächtige Vaterfigur, die auch irgendwo einen idyllischen Zufluchtsort für Seinesgleichen errichtet hat. Ihr Feind ist ein böser Wissenschaftler, der sie für böse Experimente benutzen will. Also alles ist anders und doch irgendwie gleich. Bedeutet: Ich muss kein Marvel-Fan sein, um Wolverine spielen zu dürfen. Anspielungen gibt es jedoch überall.

"Wolverine" angespielt (5 Bilder)

Nach 17 Jahren auf der Konsole zurück: In „Marvel’s Wolverine“ erleben Spieler viel Neues, aber auch viel Altes mit der Klingenbestie. (Bild:

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Ganz im Gegensatz zu Insomniacs vorherigem Spiel, in dem ich mit einem Spider-Man-Doppelpack durch New York schwingen konnte, ist Wolverine nun richtig oldschool. Soll heißen: linear. Jedes Level funktioniert wie eine Mini-Episode, führt mich an einen bestimmten Ort und endet mit einem coolen Finale, bis es wieder ins Hauptquartier für ein paar ruhigere Momente geht. Im ersten Moment ist das recht erfrischend, denn auch die Spider-Man-Open-World hatte ihre Schwachstellen. Auf die Beschäftigungstherapie folgt jetzt ein durchgepeitschter Film, bei dem ich abwechselnd mal spielen und mal zuschauen muss. Es warten 14 kompakte Stunden auf mich. Doch was genau wird in diesen geboten?

Wolverines Handwerk ist das Kämpfen. Rücksichtsvolles Verdreschen mit Spidey war gestern – wenn die Bestie zuschlägt, fliegen Blut und Körperteile durch die Gegend. Die Altersfreigabe schießt in die Höhe wie so mancher Kopf. Wer mag, kann die Gewaltorgie auch über die Einstellungen entschärfen. Aber so drastisch die Brutalität auch ist, so authentisch ist sie auch. Weniger wäre bei diesem Protagonisten auch unglaubwürdig gewesen. Insomniac war konsequent: Wolverine verdrischt seine Feinde mit Hieben und Stichen, mit der Zeit schalte ich immer mehr Manöver frei, um mein Klingen-Kungfu auszubauen und gleichzeitig mit ganzen Massen an Feinden klarzukommen. Der Feind setzt mir wiederum Handlanger, Schusswaffen, Blitzklingen, Schilde und Roboter entgegen. Möge die Party beginnen.

Unbesiegbar ist die Bestie allerdings nicht. Seine Wut ist eine zweite Energieleiste. Solange Wolverine kämpft, bleibt er am Leben. Das Gameplay ermutigt mich also, mich in einen wahren Rausch zu kämpfen. Das ist stumpf, aber auch spaßig. Gelegentliche Schleichpassagen lockern das Ganze auf, aber der Fokus bleibt ganz klar auf der direkten Konfrontation und Aggression.

Die Faszination hält jedoch nicht lange an, die Formelhaftigkeit wird mit der Zeit immer offensichtlicher. Habe ich mich anfangs noch grinsend in die Kämpfe gestürzt, realisiere ich beim zwanzigsten Gefecht, dass ich mittlerweile immer dieselben Tasten drücke. Ich stumpfe ab. Die Action kann nichts mehr übertünchen. Ich bin dazu verdammt, von einer Arena in die nächste zu rennen. Und da ich dem Feind absolut überlegen bin, spüre ich auch keine Herausforderung. Zumal Endbosse leider eine Seltenheit bleiben.

„Marvel's Wolverine“ ist ein Spiel, das in zwei Zeitlinien spielt – einmal in den 2000ern und in den 2020ern. Die Geschichte und Inszenierung werten die Comic-Grundlage gehörig auf. Der Plot bleibt flach, aber die Charaktere bekommen genügend Raum, um etwas menschlicher und echter als die typischen Helden rüberzukommen. Ich bleibe genau für diese Momente am Ball, für die Zwischensequenzen zwischen den Sequenzen. Wo neue Nuancen aufblitzen. Denn gerade Wolverine hat mit seiner traumatischen Vergangenheit viel Potenzial. Aber das Ganze bleibt sehr oberflächlich. Als dürfte es nicht zu interessant werden, weil es dann kein cooles Metzelspiel mehr ist.

Gleichzeitig traut mir das Gameplay nicht viel zu. Das Kämpfen erfordert noch die meisten Eingaben, alles abseits dessen geschieht über einen Knopfdruck. Die Verbindung zwischen Spieler und Figur reißt – Wolverine vollführt wilde Klettermoves, aber ich habe kaum etwas dafür getan. Ich bin nicht wirklich er, ich bin nur sein Regisseur.

In den Kämpfen kommt zu schnell Monotonie auf, nach kurzer Zeit sind alle Überraschungen gezeigt worden und der Fahrplan für die nächsten Stunden steht. Und ich kämpfe mehr mit meiner Motivation als mit den Feinden. Das ganze Gewicht lastet auf diesem einen Element. Beeindruckend, dass etwas so Cooles so schnell langweilig werden kann. Andere PS5-Spiele wie „God of War: Ragnarök“ sind deutlich weiter, deutlich abwechslungsreicher und komplexer. Grafik alleine reicht nicht.

An „Marvel's Wolverine“ weiß ich nie genau, wo ich dran bin. Einerseits möchte es ernst und eine Metapher für Rassismus sein. Andererseits führt Logan in Missionen alberne Selbstgespräche über das, was gerade passiert, um mir das Denken abzunehmen.

Einerseits soll ich meine eigene Brutalität hinterfragen, andererseits darf ich nie nach Alternativen suchen. Dieses Chaos zeigt sich vor allem bei einem Element, das nicht sinnloser sein könnte. In manchen Leveln trifft Logan auf herbei teleportierte Türen, die in seine Vergangenheit führen. Sobald er diese betritt, kann er verborgene Erinnerungen freischalten. Das geschieht über kleine Herausforderungen: Logan, lauf um die Zeit. Logan, bring drei Sniper um. Logan, kletter da hoch. Aber bringe ich diese Prozedur hinter mich für eine epische Sequenz oder neue Perspektive? Nein. Meine Belohnung ist ein Tagebucheintrag, der acht Zeilen umfasst. Ähm, ja.

„Marvel's Wolverine“ erschien am 15. September für 79,99 Euro exklusiv für die Playstation 5.

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