Deutschland als "Premium-Partner": Wie Merz‘ Reise lief
Zum Abschluss seiner Asienreise besucht Bundeskanzler Merz (CDU) die Demilitarisierte Zone zwischen Südkorea und Nordkorea. Einschätzungen von ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann.
30.10.2026 | 4:08 minEigentlich gilt zwischen Nordkorea und Südkorea ein Waffenstillstand. Seit 73 Jahren sogar schon. Zum Schluss seiner Reise besucht der Kanzler die demilitarisierte Zone zwischen beiden Ländern. Doch so demilitarisiert ist die Zone gar nicht.
Allein in den vergangenen beiden Jahren haben die Nordkoreaner fast eine Million Landminen entlang der Grenze verlegt. Erst am Donnerstag haben sie zehn ballistische Raketen gen Japanisches Meer geschossen. Nordkorea fühlt sich momentan stark, unterstützt von Russland und China.
Der Besuch an der Grenze zwischen den beiden Koreas dient Friedrich Merz daher als Hintergrund für eine zentrale Botschaft dieser Reise: Die geopolitische Lage ist ernst, das Verhalten der Großmächte bedroht den Frieden. Merz sagt:
Sicherheit ist nicht mehr teilbar.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Bundeskanzler Merz beendet seine Asienreise in Südkorea und wirbt für eine Allianz Gleichgesinnter und Stärkung des freien Welthandels. Beide Seiten vereinbaren eine engere Zusammenarbeit.
30.10.2026 | 0:27 minMehr geregelter Freihandel
Am Vormittag applaudierten Hunderte von Managern, deutsche wie asiatische, dem Kanzler für seine Rede bei der Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft. Merz hatte hier noch einmal seine Idee vom "politischen Zusammenschluss für regelbasierten Handel" vorgetragen.
Er kündigte an, dass die EU eine "Vorreiterrolle" übernehmen werde, wenn es darum gehe, den freien Handel zu retten. Zwar hat die EU Freihandelsabkommen mit Singapur, Japan und Südkorea, angesichts der Handelskonflikte mit den USA und China will Merz aber eine größere Allianz etablieren, die Unabhängigkeit bei Lieferketten und Rohstoffen schützt.
Perspektivisch will er sich für ein Abkommen zwischen den Asean-Staaten und der EU einsetzen.
Bundeskanzler Friedrich Merz reist heute von Japan nach Südkorea, der letzten Station seiner fünftägigen Asienreise. Dabei ist er auf der Suche nach neuen Partnern, berichtet ZDF-Korrespondentin Miriam Steimer.
29.10.2026 | 2:45 minSo fern und doch so nah
Alle drei bereisten Pazifiknationen haben lange und gute Beziehungen zu Deutschland. Und obwohl sie viele tausend Kilometer entfernt liegen, gibt es doch viele ähnliche Herausforderungen.
"Wenig Rohstoffe, eine begrenzte Fläche und eine schrumpfende Bevölkerung", resümiert Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer und Teilnehmerin der großen Wirtschaftsdelegation, die Merz begleitet.
Bildung und Forschung sind hier wie bei uns die zu hebenden Ressourcen.
Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer
Darüber hinaus gelten alle vier als Demokratien, haben eine starke industrielle Basis, ein Problem mit der Alterung ihrer Bevölkerungen. Sie unterstützen die Ukraine (unterschiedlich stark), sind sicherheitspolitisch von den USA abhängig, stehen unter politischem Druck aus Russland, wirtschaftlichem und politischem aus China.
Kanzler Merz vereinbart in Japan eine engere Zusammenarbeit bei Verteidigung und Wirtschaft. Erstmals üben 100 Bundeswehr-Sanitätskräfte für den Fall eines chinesischen Angriffs auf Taiwan.
29.10.2026 | 2:31 minGroßmächte missachten Regeln
Sie alle treibt also die Sorge um, was sie Großmächten entgegenhalten können, die sich immer weniger an die regelbasierte Ordnung halten. Und auf jeder der drei Stationen antwortet Merz im Einklang mit seinem kanadischen Kollegen Mark Carney: mit einer neuen Allianz der Mittelmächte.
Roland Busch, Vorsitzender von Siemens, eröffnete die Asien-Pazifik Konferenz in Seoul mit den Worten, die alte Ordnung sei "zerbrochen, es müssten neue, auf Vertrauen basierende Verbindungen" geknüpft werden. Das ist, so kann man nach vier Tagen Asien resümieren, Merz gelungen.
Überall wurde er mit offenen Armen empfangen. Merz ist auf internationalem und wirtschaftlichem Parkett trittsicher. Die Deutschen gelten hier - immer noch? - als "Premium Partner", wie die japanische Premier Sanae Takaichi es formulierte.
"Merz spricht in Japan und gestern in Singapur von Nachbarn", sagt ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann. Der Blick auf die Welt sei fast deckungsgleich.
28.10.2026 | 2:41 minAuch Rüstungsunternehmer reisen mit
Doch das Zeitfenster, in dem das noch so ist, droht, sich mit der aktuellen Generation von Managern und Politikern zu schließen. Der Chef der KfW-Bankengruppe, Stefan Wintels, sagt ZDFheute:
Wir haben jetzt die Chance, gemeinsam mit unseren Partnern in der Region, eine führende Rolle bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz in der Industrie zu übernehmen.
Stefan Wintels, Vorstandsvorsitzender der KfW-Bankengruppe
Für künftige Generationen könnte Made in Germany sonst nicht mehr denselben Klang haben. Heute sei in vielen Ländern eine Generation in der Verantwortung, die persönlich sehr positive Erfahrungen mit Deutschland gemacht hat. Er spricht von einem "Window of Opportunity", das sich in den kommenden Jahren schließen könnte.
In der großen Wirtschaftsdelegation, die den Kanzler begleitet, sind auch Rüstungsunternehmer vertreten. Auch für ihre Branche eröffnen sich neue Möglichkeiten. Mit Japan soll es mehr Kooperation geben. Eventuell kann Deutschland sogar noch in das britisch- japanische Kampfflugzeugprojekt GCAP einsteigen.
Bundeskanzler Merz hat zum Auftakt seiner Asien-Reise in Singapur für ein großes Freihandelsabkommen der EU mit Staaten im Pazifikraum geworben. Es soll die Abhängigkeit von China verringern.
27.10.2026 | 0:30 minWas lief nicht so gut?
Das europäische Abkommen IAA (Industrial Accelerator Act) sorgt vor allem bei Japanern und Südkoreanern für mehr Nervosität, als Merz erwartet hatte. Die deutsch-französische Verständigung zum IAA sieht vor, dass Kaufprämien und öffentliche Aufträge nur noch an europäische Autos vergeben werden.
Der lokale Anteil ihrer Komponenten soll steigen. Unausgesprochenes Ziel ist es, die europäischen Automobilbauer vor ihrer subventionierten Konkurrenz aus China zu schützen. Die Sorge, was das für ihre eigenen Industrien bedeuten würde, musste Merz in Japan und Südkorea mehrfach zerstreuen.
B-Frage begleitet Merz nach Asien
Auch ist offen, was von den vielen Gesprächen und Willensbekundungen bleibt, wie viel tatsächlich umgesetzt wird und ob die intensivere Freundschaft zwischen den Staaten des Pazifiks und Deutschland wirklich ein Gegengewicht zu den USA, China und Russland mit ihrer überwältigenden militärischen Stärke und damit einhergehenden Macht bilden kann.
Andererseits: Was ist bei diesem Versuch schon zu verlieren?
Zu guter Letzt wäre es dem Kanzler sichtlich lieber gewesen, die Diskussion über die Nachfolge des Bundespräsidenten hätte ihn nicht bis nach Asien verfolgt. Auch das ein Beweis allerdings, wie eng alles miteinander zusammenhängt.
Diana Zimmermann ist Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios.
Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 30.10.2026 ab 05:30 Uhr.
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