Ukraine: Russland greift Brücken an - Verkehrschaos in Kyjiw
Neue russische Luftangriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw haben dort am Freitagmorgen für Chaos und kilometerlange Staus gesorgt. Russische Drohnen trafen unter anderem die Stützkonstruktion der Südbrücke, einer wichtigen Verkehrsader im Süden der Drei-Millionen-Stadt. Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, bei mehreren Angriffen seien zudem die Fahrbahn der Brücke und eine schützende Betonbarriere entlang der U-Bahn-Linie getroffen worden. Die Brücke musste für Stunden in beide Richtungen gesperrt werden.
Vorübergehend nur in eine Richtung befahrbar war laut Klitschko die weiter nördlich gelegene Paton-Brücke. Einschränkungen gab es auch laut Augenzeugen auf der Metrobrücke und der Darnyzkyj-Brücke.
Klitschko: Kyjiw ist in einer sehr dramatischen Lage
Bürgermeister Klitschko betonte im Onlinedienst Telegram, die Hauptstadt befinde sich in einer "sehr dramatischen Lage", da Russland seine tödlichen Angriffe verstärkt habe, wichtige Infrastruktureinrichtungen bombardiere und Verkehrschaos verursache. Es sei nicht mehr möglich, so zu tun, "als könnten wir jetzt so leben wie in Friedenszeiten", erklärte Klitschko. Er fügte hinzu: "Der Feind reißt Kyjiw auseinander."

Insgesamt sieben Hauptbrücken für den Straßen-, Eisenbahn- und U-Bahnverkehr verbinden den Ost- und den Westteil Kyjiws über den Fluss Dnipro. Sie sind für die Logistik von entscheidender Bedeutung.
Hunderttausende Menschen von Brückensperrungen betroffen
Die Abrieglung der Brücken traf Hunderttausende Einwohner der Hauptstadt - vor allem jene auf der östlichen Seite. Auf diesem sogenannten "linken Ufer" von Kyjiw stehen überwiegend Wohnhochhäuser aus der Sowjetzeit und den 1990er Jahren. Vor Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 lebte dort mehr als ein Drittel der Bevölkerung, obwohl auf dieser Seite nur 18 Prozent der Arbeitsplätze angesiedelt waren.

Dem Wirtschaftsanalysten Andrij Schewtschyschyn zufolge pendeln täglich rund 500.000 Menschen vom östlichen auf das westliche Ufer. Dort haben die meisten Regierungsbehörden und Unternehmen ihren Sitz.
Die russischen Streitkräfte hatten ihre Raketen- und Drohnenangriffe auf die Hauptstadt in den vergangenen Monaten verstärkt. Seit dem Ende des Sommers setzen sie auch neue Drohnen mit Düsenantrieb an. Die ukrainische Flugabwehr stößt dabei an ihre Grenzen. Diese Drohnen fliegen schneller und sind schwieriger abzufangen.
Toter nach Drohnenattacken
Bei den jüngsten Angriffen auf Kyjiw wurde ein Mensch getötet. Zwei weitere Personen erlitten Verletzungen, wie die Stadtverwaltung in sozialen Medien mitteilte. Den Angaben zufolge war eine Drohne in ein Wohnhaus im Osten der Stadt eingeschlagen.

Das russische Verteidigungsministerium gab bei Telegram bekannt, Drohnen hätten in der Ukraine eine Brücke über den Dnipro, ein Kraftwerk in der Region, den Hafen von Ismajil nahe Odessa am Schwarzen Meer sowie ein Frachtschiff getroffen. Alle Ziele seien für militärische Zwecke genutzt worden.
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