"Ich wurde verprügelt": Rätselhafter Flughafengast in Neapel sucht seine Vergangenheit

"Ich wurde verprügelt"Rätselhafter Flughafengast in Neapel sucht seine Vergangenheit
03.11.2026, 11:17 Uhr

Keine Papiere, kein Geld, offenbar keine Erinnerung: Monatelang lebt ein junger Mann am Flughafen von Neapel. Menschen versorgen ihn mit dem Nötigsten. Doch wer ist er - und was ist ihm passiert?
Am Flughafen von Neapel kommen die Menschen normalerweise an oder fliegen von dort ab. Ein Mann machte den Flughafen Capodichino jedoch wochenlang zu seinem Zuhause, die italienischen Medien verfolgen den Fall intensiv. Kaum ein Bericht kommt dabei ohne den Vergleich mit dem Film "Terminal" mit Tom Hanks aus dem Jahr 2004 aus.
Der junge Mann, der seit sechs Monaten im Flughafen von Neapel lebt, gibt an, Daniel zu heißen, besitzt aber weder Papiere noch Geld. Einem Reporterteam des italienischen Rundfunks Rai sagte er, er sei Schwede und 25 Jahre alt. Auf die Frage, was ihm passiert sei, antwortete er: "Ich wurde verprügelt." Den Rai-Recherchen zufolge war der Mann zunächst in Rom gelandet und hielt sich auch einige Zeit dort auf. Warum und wann er nach Neapel kam, ist unklar.
Offenbar ist Daniel jedoch kein unangenehmer Zeitgenosse. "Er ist nicht lästig und ein höflicher Mensch", sagte jemand, der den 25-Jährigen in der Ankunftshalle gesehen hatte. Einige Angestellte gaben an, ihn möglicherweise schon im Sommer gesehen zu haben, andere behaupten, ihn erst seit Oktober bemerkt zu haben. Reisende und Angestellte helfen ihm demnach mit kleinen Mahlzeiten, Snacks, sauberer Kleidung und Hygieneprodukten. Laut "La Repubblica" bittet er nicht um etwas, "aber alle haben ihn gern".
Suche nach Lösungen
Den Berichten zufolge hält sich Daniel während der Öffnungszeiten des Flughafens von 3.30 Uhr bis 23.30 Uhr dort auf, nachts treibt er sich in der Umgebung herum. Der Dauergast hat keinerlei Gepäck dabei und ist auf Bildern in hellen Jeans und einem grauen Kapuzenpulli zu sehen, meist trägt er keine Schuhe.
Inzwischen sind verschiedene Behörden auf Daniel aufmerksam geworden. Der schwedische Honorarkonsul in Neapel, Pierluigi Petrone, erkundigte sich nach dem Befinden des vermutlichen Schwedens und kaufte ihm einen Pullover. "Er hatte nur ein T-Shirt an, und ich dachte, dass ihm kalt sein könnte", zitiert die Zeitung "La Repubblica" den Honorarkonsul. Auch Petrone gegenüber gab Daniel der Zeitung "Il Mattino" zufolge an, Schwede zu sein und sich an nichts zu erinnern. Petrone bat Menschen, die Daniel erkennen, sich zu melden. Medienberichten zufolge ist auch die schwedische Botschaft involviert und kümmert sich um den Fall.
Die Suche nach einer Lösung wurde dringlicher, weil der Flughafen seit Sonntag für den gesamten November geschlossen ist, um Start- und Landebahn zu sanieren. Mittlerweile ist Daniel offenbar umgezogen. Die Stadt Neapel gewährt ihm jetzt Unterkunft und Unterstützung, bis seine Zukunft geklärt ist.
"Daniel wurde vor wenigen Stunden in einer unserer Aufnahmeeinrichtungen in der Via Giuseppe de Blasiis aufgenommen. Er war sehr kooperativ und hat die Unterbringung sofort akzeptiert, nachdem die Sozialarbeiter ihm davon erzählt hatten", erklärte Chiara Marciani, Stadträtin für Soziales, Jugend und Arbeit italienischen Medien zufolge. Angeblich sollen sich auch Menschen gemeldet haben, die Daniel kennen.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.