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Saturday, September 12, 2026

Weibliche Genitalverstümmelung: Gegen die Wissenslücke

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Mindestens 230 Millionen Frauen und Mädchen sind von Genitalverstümmelung betroffen. Doch es fehlt an medizinischer Expertise. Netzwerktreffen sollen das ändern.

Annika Danielmeier

Manche Be­su­che­r:in­nen schauen weg, andere verlassen den Raum, als Dr. Dan mon O’Dey das Video einer Klitoris- und Vulva-Rekonstruktion abspielt, die er durchgeführt hat. Er zeigt auch Fotos, auf denen gut zu erkennen ist, wie die Genitalverstümmelung die weiblichen Genitalien verändert. Eineinhalb Stunden lang spricht der plastische Chirurg am Freitagvormittag per Videoschaltung über die medizinische Versorgung von Frauen, die FGM/C erlebt haben.

Im Autonomen Frauenzentrum Potsdam findet das zweite Netzwerktreffen „Stop FGM/C“ statt. FGM/C, das steht für Female Genital Mutilation/Cutting, also die weibliche Genitalverstümmelung oder -beschneidung. Welcher Begriff treffender ist, bleibt umstritten. Man müsse sich die Situation der Patientinnen vor Augen führen und sensibel mit ihnen umgehen, erklärt O’Dey. In Fällen, in denen sie es vielleicht nicht anders kennen, könne es sinnvoll sein, von Beschneidung zu sprechen. Dennoch handele es sich um Verstümmelung.

„Ich nenne es Verstümmelung“, sagt auch Fatuma Musa Afrah, Menschenrechtsaktivistin und Gründerin der NGO „United Action“, die zu der Veranstaltung eingeladen hat. Das Ziel: Ak­teu­r:in­nen aus Gesundheitswesen, Verwaltung, Migration, Bildung und Zivilgesellschaft miteinander zu vernetzen.

Zu wenig Wissen über weibliche Genitalverstümmelung

Seit Jahrzehnten rekonstruiert O’Dey Klitoris und Vulva von Frauen, nicht nur nach FGM/C, sondern auch nach Tumorentfernungen oder Geburtsverletzungen. Derzeit sucht er ein Krankenhaus, um sein Wissen weiterzugeben. Unter Me­di­zi­ne­r:in­nen fehlt es daran noch immer. „Es gehört nicht zum Lehrplan“, sagt er. Es mangelt nicht nur an Detailwissen. Fatuma Musa Afrah berichtet, dass man in einer Klinik, in der sie netzwerken wollte, nicht einmal wusste, wovon sie sprach.

Veranstaltungen wie das Netzwerktreffen sollen das ändern – und zugleich das Gespräch über weibliche Geschlechtsorgane fördern. Bei FGM/C unterscheidet man vier Typen. O’Dey ärgert sich, wenn Kol­le­g:in­nen Typ eins als „nicht so schlimm“ oder „nur ein bisschen weggeschnitten“ abtun. „Wahnsinn“, sagt er, es gehe nicht darum, die Verletzungen zu gewichten.

Schon Typ eins sei eine „massive Beeinträchtigung“. Dabei handelt es sich um die Amputation der Klitoriseichel. Was hier geschieht, nennt O’Dey den „Verlust einer körperlichen Fähigkeit“. Typ zwei umfasst die Entfernung der Vulvalippen. Bei Typ drei wird die Wunde zugenäht, Typ vier fügt weitere Verletzungen hinzu.

Es gibt keinen Konsens, keine medizinische Indikation, sagt O’Dey. Die Folgen sind Schmerzen beim Urinieren, während der Regelblutung, beim Sex. Hinzu kommt der seelische Schmerz. Ziel sei es, den Patientinnen ein Stück Normalität zurückzugeben. Er bekommt viel Applaus.

„Ich habe richtig viel gelernt“, sagt eine Frau im Vorbeigehen zu Fatuma Musa Afrah und bedankt sich. Das Netzwerken, das Weitergeben von Wissen – es scheint zu wirken. Fatuma Musa Afrah macht weiter.

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