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Monday, September 21, 2026

Autokrise: Was wird aus der 35-Stunden-Woche in Deutschland?

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Die deutsche Automobilindustrie steckt in einer tiefen Krise: Sie wird existentiell bedrängt durch hohe Produktionskosten, die Strafzölle der USA, den wachsenden Wettbewerbsdruck aus China und den schwierigen Übergang zur Elektromobilität. Branchengrößen wie Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW wollen als Antwort darauf die Produktion drosseln und Kosten senken.

Die Branche baut schneller Arbeitsplätze ab als jeder andere Industriezweig des Landes.
Volkswagen beispielsweise plant, bis zum Ende des Jahrzehnts weltweit rund 15 Prozent seiner Belegschaft - das entspricht 100.000 Arbeitsplätzen - abzubauen. BMW kündigte an, bis Ende 2027 bis zu 8000 Stellen zu streichen, was etwa fünf Prozent der Belegschaft ausmacht.

Auch Autozulieferer wie Bosch und ZF Friedrichshafen kündigen wegen schwieriger Marktbedingungen den Abbau Tausender Arbeitsplätze an.

Das Ende der 35-Stunden-Woche droht

Die deutsche Automobilindustrie verliere an Wettbewerbsfähigkeit, da die Kosten steigen und Produktion ins Ausland verlagert wird, erklärt Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center for Automotive Research (CAR) in Bochum. "Im Jahr 2018 beschäftigte die Branche rund 830.000 Menschen. Aktuell liegt diese Zahl unter 700.000", sagte er der DW. "Wir gehen davon aus, dass es bis etwa 2030 nur noch 500.000 sein werden."

Um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen und Arbeitsplätze für die Zukunft zu sichern, seien diverse Maßnahmen erforderlich, darunter niedrigere Produktions- und Energiekosten, eine bessere Logistikinfrastruktur sowie günstige steuerliche Rahmenbedingungen, fügte er hinzu. Um die Lohnkosten zu senken, sollen die die Beschäftigten in Deutschlands Autofabriken demnächst 40 statt der derzeitigen 35 Stunden pro Woche arbeiten - und zwar ohne Lohnerhöhung.

Die 35-Stunden-Woche ist in weiten Teilen der deutschen Automobilindustrie längst Standard; sie ist das Ergebnis von Tarifverträgen, die in den 1980er und 1990er Jahren ausgehandelt wurden.
Sie spiegele eine Ära wider, in der Deutschland hoch wettbewerbsfähig war, so Dudenhöffer: "Diese Zeit ist vorbei."

Der Widerstand wächst

Die Gewerkschaften wehren sich jedoch vehement gegen längere Arbeitszeiten. Christiane Benner, Vorsitzende der einflussreichen Gewerkschaft IG Metall, erklärte, die Beschäftigten hätten bereits Lohnkürzungen und andere Zugeständnisse im Wert von mehreren Milliarden Euro hingenommen, und müssten sich nun noch sagen lassen, dass dies immer noch nicht ausreiche.

Deutschlands Autoindustrie vor dem Abgrund?  

Die Gewerkschaft argumentiert, dass die deutschen Autohersteller mit schwacher Nachfrage und unausgelasteten Fabriken zu kämpfen hätten - nicht mit einem Mangel an Arbeitsstunden. "Kein einziges Auto mehr wird verkauft, nur weil die Belegschaft länger arbeitet", so die Gewerkschaft.

Am 21. September organisiert die IG Metall bundesweit Demonstrationen an mehr als 200 Standorten, um gegen Stellenstreichungen und andere Maßnahmen zu protestieren, die die Arbeitsbedingungen in der Automobilbranche betreffen.

Retten längere Arbeitszeiten Arbeitsplätze?

Die Gewerkschaft "kämpft für Relikte von vor 20 Jahren und vergisst dabei die heutige Realität", kommentiert Dudenhöffer diese Aktionen. Der Experte schätzt, dass die Personalkosten um 13 Prozent sinken würden, wenn die Autohersteller von der 35-Stunden-Woche zur 40-Stunden-Woche übergingen. "Wir würden den Beschäftigten kein Geld wegnehmen, sondern Bedingungen schaffen, die Automobilarbeitsplätze in Deutschland auch in Zukunft ermöglichen", betont er.

Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, bezeichnet die 35-Stunden-Woche als einen zentralen Erfolg der Gewerkschaften in der Tarifgeschichte. Seiner Meinung nach sei ein "Konflikt unvermeidlich" zwischen Unternehmensführung und Gewerkschaften.

Andererseits würden mehr Arbeitsstunden bei gleichem Lohn die Lohnkosten pro Stunde rechnerisch senken, fügte er hinzu. "Letztlich stellt sich die Frage, wie die Lasten des aktuellen Wandels zwischen Unternehmen und Beschäftigten aufgeteilt werden sollen", so Bratzel.

Was rettet die Autobauer?

Experten zufolge ist eine Verbesserung der Lohnkostensituation an deutschen Produktionsstandorten zwar notwendig, doch allein damit ließen sich die tieferliegenden strukturellen Probleme der Branche nicht lösen. "Allein durch fünf Stunden mehr Arbeit pro Woche lässt sich das technologische Rennen gegen China nicht gewinnen", sagt Bratzel.

Er betont, dass deutsche Autohersteller, wenn sie ihre Wettbewerbsfähigkeit wiedererlangen wollen, attraktive und erschwingliche Elektrofahrzeuge anbieten, massiv in Software und KI investieren sowie die Effizienz ihrer Entwicklungs- und Fertigungsprozesse steigern müssten.
"Deutsche Hersteller müssen technologisch mindestens so innovativ und leistungsstark sein, wie sie nach internationalen Maßstäben teuer sind", unterstreicht Bratzel.

Deutsche Autoindustrie von China abgehängt?

Gleichzeitig, so erklärt er, benötige Deutschland wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen in den Bereichen Energie, Steuern, Bürokratie und Infrastruktur. Dudenhöffer schließt sich dieser Ansicht an und betont, Deutschland müsse schwierige, aber notwendige Reformen angehen. "Deutschland kann nur dann ein tragfähiger Standort für die Automobilindustrie und die dortigen Arbeitsplätze bleiben, wenn wir unsere Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen", sagt er.

Dafür seien Maßnahmen an mehreren Fronten erforderlich, darunter die Senkung von Lohn- und Energiekosten sowie Steuern und eine bessere Logistikinfrastruktur. "Doch die kommenden Jahre werden sehr hart", warnt Dudenhöffer. "Und sie werden noch härter, wenn wir am Status quo festhalten und glauben, wir könnten uns einfach auf dem Wohlstand ausruhen, den wir vor 20 Jahren genossen haben."

Warum die deutsche Autobranche mit dem Verbrenner-Aus hadert

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