Grüne gründen Jugendbeirat: Forever Young

Die Grünen wollen wieder einen Draht zu jungen Leuten bekommen. Die Bundestagsfraktion holt sich dafür Berater – von Pfadfindern, Landjugend und BUND.
Foto: biky/imago
Ohne den Grünen zu nahe treten zu wollen: Der Glanz der Jugend ist ihnen etwas abhandengekommen. Das lässt sich an Wahlergebnissen ablesen: Bei der Bundestagswahl 2021 waren sie unter Jungwähler*innen noch stärkste Kraft. Bei der Bundestagswahl 2025 rutschten sie hinter Linke, AfD, Union und SPD zurück. Zuletzt drehte sich der Trend zwar wieder ein wenig, etwa bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Vor allem gegen die Linken kommen die Grünen bei jungen Leuten aber weiterhin nicht an.
Eine neue Institution soll jetzt helfen, den Anschluss wiederherzustellen: Die Grünen-Fraktion im Bundestag hat einen Jugendbeirat einberufen, der am nächsten Mittwoch erstmals tagen wird. Ziel ist laut Denise Loop, der jugendpolitischen Sprecherin der Fraktion, junge Perspektiven in der Parlamentsarbeit „strukturell zu verankern“.
Nach dem Absturz bei der letzten Bundestagswahl habe man unter den Abgeordneten viel darüber diskutiert, was falsch lief. „Die Antwort, dass wir einfach nur auf Social Media besser werden müssten, wäre unterkomplex und wird auch den jungen Menschen nicht gerecht. Es geht darum, wirklich Politik für sie zu machen“, sagt Loop.
Die Intention hinter dem Jugendbeirat sei aber nicht nur, grüne Wahlergebnisse aufzubessern. Das Gremium sei auch eine Antwort auf ein generelles Problem des politischen Betriebs. „In der Wehrdienstdebatte kam zum Beispiel völlig zu Recht die Kritik von jungen Menschen, dass sie nicht angehört wurden. Dagegen wollen wir etwas tun.“
Pfadfinder, Landjugend und BUND
Vorbild für den Jugendbeirat sind bestehende Fraktionsgremien wie der Wirtschaftsbeirat, in dem sich Abgeordnete regelmäßig mit Unternehmer*innen austauschen, oder der Gewerkschafts- und Sozialbeirat, der nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert.
30 Jugendorganisationen hat die Fraktion angeschrieben und nach potenziellen Teilnehmer*innen unter 27 Jahren gefragt. 23 von ihnen haben reagiert und Vertreter*innen benannt. Manche stehen den Grünen nahe, etwa die BUNDjugend, andere weniger, etwa die Deutsche Landjugend. Mit dabei sind unter anderem auch Pfadfinder, Gewerkschaftsjugend und Jugendvertretungen der großen Religionsgemeinschaften.
Pro Jahr ist zunächst ein Treffen in Präsenz in Berlin vorgesehen, dazu mindestens ein weiterer, digitaler Termin. Jede Sitzung ist einem vorab festgelegten Thema gewidmet. Zum Auftakt am Mittwoch im Bundestag geht es eben um die Wehrpflicht. „Im Herbst kommen dazu weitere Regierungsbeschlüsse, und wir Grünen müssen uns dazu positionieren. Das ist also eine gute Gelegenheit, das Thema zu setzen und junge Menschen anzuhören.“ Der Beirat soll die Abgeordneten allerdings nur beraten und keine eigenen Beschlüsse treffen. Er wird auch nicht öffentlich tagen.
Was heute wohl anders aussehen würde, wenn es das Gremium schon zehn Jahre lang gäbe? „Gute Frage“, antwortet Loop. „Vielleicht: dass Jugendpolitik seltener als abgegrenzter Bereich wahrgenommen würde, sondern dass die Auswirkungen auf junge Menschen auch bei Themen wie zum Beispiel Wohnen direkt mitgedacht werden.“
In der Wohnungspolitik plant die Bundesregierung gerade unter anderem Kürzungen des Wohngelds – wovon laut Statistiken zu 37,5 Prozent Kinder und Jugendliche betroffen wären und zu weiteren knapp 5 Prozent Volljährige in Schule oder Ausbildung. Es sieht also danach aus, dass der Jugendbeirat der Grünen an einem schon mal nicht scheitern würde: an fehlenden Themen.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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