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Monday, October 19, 2026

Kult-Coach hat Kredit verspielt: Beim VfL Bochum schlägt die Stimmung brutal um

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Die vergangene Saison beendet der VfL Bochum auf Rang neun. In dieser Spielzeit soll es besser werden - trotz eines XXL-Umbruchs im Sommer. Das gelingt bislang nicht. Gegen den VfL Wolfsburg steht ganz viel auf dem Spiel.

Vor fast genau einem Jahr tobte das Ruhrstadion wie wild. Die verzweifelten Fans des VfL Bochum hatten ihren neuen Messias gefunden. Im temporeichen Fußball-Business war Uwe Rösler direkt nach der Auffahrt auf die A40 auf die linke Fahrspur abgebogen und ihrer Liebe entgegengerast. Bei kaltem Herbstwetter stand der Hall-of-Famer von Manchester City in kurzer Hose vor der "Ost" und peitschte die treuen Anhänger ein. Das hatte man so auch noch nicht erlebt. Das Stadion "brannte" und die Mannschaft wenig später auch. Gegen Hertha BSC lag sie 3:0 vorne, es war ein Feiertag, wie es ihn lange nicht gegeben hatte. Erschöpft und zittrig schleppte der VfL den Sieg ins Ziel (3:2).

Sie waren völlig ausgelaugt, aber extrem beseelt. Und hätte jemand an diesem lausig kalten Abend vorgeschlagen, Uwe Rösler nach seinem Bochumer Debüt ein Denkmal "anne Castroper" aufzustellen, viele Hände hätten sicher mit angefasst. Es war die gigantische Emotionalität, die Tradtionsklubs aus dem Nichts vom Schwarze ins Weiße katapultiert. Der VfL hatte in der Spielzeit zuvor das Abenteuer Bundesliga sang- und klanglos beendet und auch den Saisonstart im Unterhaus völlig verbaselt. Die Sehnsucht nach einem Erlöser war riesig. Sie wurde an diesem Abend gestillt. Es entstand ein Hype, die kurze Hose wurde schnell zum Merchandising-Coup. Und Rösler blitz-verkultet.

Absturz auf Platz 18 droht sogar

Wie irre schnell der Fußball tobt, erlebt Rösler in diesen Tagen. Wenn es am Freitagabend gegen den VfL Wolfsburg geht (18.30 Uhr bei Sky und im Liveticker bei ntv.de), dann geht es vielleicht schon um den Job des Trainers. Die Bochumer sind am Wochenende auf Platz 16 abgestürzt, nach der nächsten erschreckend schwachen Leistung. Sollte es gegen den VW-Günstling erneut nicht hinhauen, sollte auch das fünfte Heimspiel nicht gewonnen werden (ein Remis, drei Pleiten), sollten die Rivalen aus Darmstadt und Kiel gewinnen, dann wäre der VfL Letzter. Und Rösler wohl kaum noch zu halten.

Zurzeit geht nichts mehr beim VfL. Vor allem nicht nach vorne. Magerkost ist im Vergleich zum Spiel der Bochumer ein reichhaltiges Essen. Fünf Tore hat die Mannschaft des ehemaligen Erfolgsstürmers erzielt. In acht Spielen. Kein Zweitligist ist harmloser. Und es ist auch nicht so, dass sich die Bochumer einen Wucher erarbeiten und lediglich in der Finalisierung scheitern. Es passiert im Strafraum nahezu nichts. Als Erklärung hat Rösler den XXL-Umbruch im Sommer zur Hand. Tatsächlich haben 21 Spieler den Verein verlassen, 15 externe Neuzugänge gab es, dazu wurden eigene Nachwuchsspieler geholt, von denen drei ihren festen Platz im Kader gefunden haben.

Rösler sieht Fortschritte, die Fans nicht mehr

Es wurde lange Zeit Milde im Umgang mit dem VfL geübt. Ein Umbruch brauche Zeit, dieses Narrativ gab man sich mutmachend zur Hand. Es brauche mehr Zeit als die Vorbereitung, in der der Kader bis zum letzten Tag der Transferperiode weiter ergänzt worden war. Am Ende stand ein Aufgebot, mit dem Klub und Trainer zufrieden wirkten. Und dem zugeschrieben wurde, dass er die interne Vorgabe, mindestens besser als Platz neun, erfülle könne. Bis zur ewig langen Länderspielpause schützte die Umbruch-Argumentation vor schlechten Leistungen. Nun läuft der Pflichtspielbetrieb wieder - und es wird eher schlechter als besser. Auch wenn Rösler das im Kampf um sein Amt anders sieht. Er erkennt Fortschritte. Eine emotionale Schnittmenge mit den Fans hat er damit nicht.

Ein Jahr nach dem Vulkanausbruch gegen die Hertha ist von glühender Lava nichts mehr zu sehen. Um das verzwergte Ruhrstadion hat sich eiskaltes Felsgestein aufgebaut. Der alternde Tempel muss dringend umgebaut werden. Auf lange Zeit wird die ohnehin nicht große Kapazität reduziert. Hüpfen ist auch verboten. Weil Stadionbesuchern schlecht werden könnte. Es macht wenig Spaß im Moment "anne Castroper" zu gehen. Heimsiege sind mittlerweile so rar wie Kohlefunde. Ob das Stadion gegen den langsam anrollenden Aufstiegsfavoriten vom Mittellandkanal voll wird? Man weiß es nicht.

Ideenlos, harmlos, träge

Ein großer Sieg tut dringend Not. Im Abstiegskampf, für den Trainer. Der soll im Verein mittlerweile, so berichtet es die "WAZ" nicht mehr unumstritten sein. Der Typ Rösler, da herrsche Einigkeit, passe zwar zum VfL. Ob das aber für den Coach Rösler auch gilt, das ist demnach deutlich ergebnisoffener. Simon Zoller attestierte Rösler vor dem Spiel beim 1. FCK, "einen Super-Job" zu machen. Auch Kapitän Timo Horn lässt weiterhin keine Zweifel an der Verbindung zwischen Team und Trainer aufkommen: "Wir stehen absolut hinter ihm. Er erreicht die Mannschaft sehr gut."

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Es sind stärkende Worte, die in den kommenden Tagen womöglich sehr schlecht altern. Noch vor Wochen wollte der VfL mit dem Trainer verlängern. Um dieses Thema ist es ruhiger geworden, Rösler soll das laut "WAZ" irritieren. Gute Argumente wird er nur noch finden, wenn er seinem Team in einer radikalen Blitz-Kur alles aus den Knochen treibt, was es seit Wochen lähmt: Nachlässigkeiten in der Abwehr, träges Ballgeschleppe im Mittelfeld, das schwerer zu verdauen ist, als der ortsübliche Taxiteller, und eine kaum zu fassende Ideenlosigkeit im Spiel nach vorne.

Ein Schüsselspieler wie Neuzugang Berkan Taz - einer der erfolgreichsten Drittliga-Spielmacher der vergangenen Jahre - kommt mittlerweile nur noch von der Bank. Der große bestaunte Last-Minute-Transfer Jarne Steuckers hat noch gar keinen Einfluss und erlebte zuletzt einen schweren privaten Schicksalsschlag. Auch Charlie Patino, ein Qualitätsspieler mit Karriere-Delle, verharrt weiter in der Fußball-Werkstatt. Keine gute Bilanz für zwei Spieler, die als Deadline-Day-Coups doch eigentlich Soforthilfen sein sollten. Weil mit Enis Cokaj ein weiterer Zugang mit guten Ansätzen verletzt ist, setzt Rösler seit Wochen auf die gleiche Elf. Es ist eine, die sich quält und keinen Ausweg findet.

Eine gefährlich verzwergte Wahrheit

Das Selbstvertrauen wurde in der gegenüberliegenden "Krümmede" verknastet. Das Spieltempo auf der Stautobahn A40 geparkt. Dass die Mannschaft im Ballbesitz bis 30 Meter an den gegnerischen Strafraum heranrücken darf, nehmen die Kontrahenten offenbar gerne hin. Im Wissen, dass danach kaum noch etwas Gefährliches auf sie zukommt, trotz eines rasenden Außenstürmers wie Gerrit Holtmann, trotz des technisch starken Dänen Chris Rasmussen, trotz des hoch veranlagten Alessandro Crimaldi, der mittlerweile jedes Zutrauen in seine Fähigkeiten verloren hat.

Und so tragen die Bochumer eine Wahrheit mit sich herum, die gefährlich verzwergt wirkt. Bis zum gegnerischen Strafraum sei das Spiel ansehnlich, fand Horn bei der chancenlosen 0:2-Niederlage am Samstag in Kaiserslautern. "Wir haben viele Lösungen gefunden. Aber dann, wenn wir in die Eins-gegen-eins-Duelle im letzten Drittel kommen, fehlt uns die Durchschlagskraft." Die Antwort auf das Problem: arbeiten, arbeiten, arbeiten. Im Ruhrgebiet war das einst eine einfache Erfolgsformel für Wohlstand. Ob sich die Geschichte in der Herzkammer des Wirtschaftswunders wiederholen lässt?

"Wir haben keine Energie"

Was einst die Kohle für das Ruhrgebiet war, war der Typ Rösler für den VfL: der Antrieb. Hier wo die Sonne verstaubt, wo man die Schönheit der Region ohne Architektur definiert, waren Leidenschaft und Fleiß die dauerhaft kontrollierten Explosionen in den Zylindern des VfL. Doch der Rösler-Motor stottert. Und keiner scheint zu wissen, warum. "Wir haben keine Energie und schaffen es nicht, uns im letzten Drittel durchzusetzen. Da, wo es entscheidend ist, bekommen wir es im Moment nicht hin", beklagte Stürmer Philipp Hofmann, der wieder einmal kaum in aussichtsreiche Situationen kam und einen Satz aussprach, den sie in Bochum hassen: "Es ist wieder Abstiegskampf pur."

Am Betzenberg versuchte Rösler mit offensiven Wechseln die Wende zu erzwingen. Was er sah, ließ ihn verzweifeln: "Das war Wilder Westen. Die Struktur ging verloren, wir waren noch anfälliger." Wie die Wende gegen Wolfsburg gelingen soll? Rösler: "weiterarbeiten." Eine Ansage mit womöglich nur noch kurz Haltwertzeit.

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