Marktbericht: Trendwende in der Chemieindustrie?
Marktbericht
DAX nah am Rekordhoch Trendwende in der Chemieindustrie?
Stand: 28.08.2026 • 14:19 Uhr
Die Chemiebranche zählt neben Autobranche und Maschinenbau zu Deutschlands wichtigsten Industrien. Der ifo-Branchenindex sendet heute ein starkes Erholungssignal. Trotzdem bleibt der DAX knapp unter seinem Rekord.
Schafft die deutsche Wirtschaft den Sprung aus der Wachstumskrise? In den vergangenen Tagen gab es einige ermutigende Signale. So fiel das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal mit plus 0,3 Prozent stärker aus als erwartet. Und die deutschen Exporte erreichten einen Höchstwert.
Gute Stimmung in der Chemiebranche
Nun sendet auch die Chemiebranche ein Lebenszeichen. Zum ersten Mal seit vier Jahren bewerten die Chemieunternehmen ihre Geschäftslage wieder positiv, wie das Münchner ifo-Institut heute mitteilte.
Der Indikator stieg von minus 14,6 Punkten im Juli auf plus 11,6 Punkte. Der aus aktueller Geschäftslage und den Erwartungen für die kommenden Monate zusammengesetzte Indikator für das Geschäftsklima in der Branche stieg von minus 26,3 auf minus 2,4 Punkte.
Eine Schlüsselbranche für Deutschland
Neben der Autoindustrie und dem Maschinenbau gehört die Chemiebranche zu Deutschlands wichtigsten Industriezweigen. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz der Pharma- und Chemieindustrie bei rund 230 Milliarden Euro. Auch bei den Ausfuhren liegt die Branche weit vorn: Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden chemische Erzeugnisse mit einem Warenwert von 71,6 Milliarden Euro ins Ausland geliefert, 1,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Rund 545.000 Beschäftigte arbeiten in mehr als 2.100 Betrieben, heißt es vom Verband der Chemischen Industrie (VCI). Die Branche erwirtschafte knapp zehn Prozent des Umsatzes des Verarbeitenden Gewerbes und ist damit laut VCI die drittgrößte Industriebranche des Landes.
Bekannte Branchenvertreter sind die im DAX gelisteten Chemie- und Pharmakonzerne BASF und Bayer sowie der Chemikalienhändler Brenntag. Im MDAX, dem Index der mittelschweren Werte, finden sich Covestro, Wacker Chemie und Lanxess.
Sonderkonjunktur durch Iran-Krise
Wieso kommt es gerade angesichts hoher Energiepreise zu der Stimmungsaufhellung in einer energieintensiven Branche? Die Chemiekonzerne profitieren aktuell ausgerechnet von der Krise im Nahen Osten.
Es ist eine Art Sonderkonjunktur. "Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus und die dadurch ausgelösten Lieferausfälle in Asien erhöhen die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen aus deutscher Produktion", sagte ifo-Branchenexpertin Anna Wolf. Da sich geopolitisch keine Entspannung abzeichne, rechneten die Unternehmen mit einer Fortsetzung dieser Sonderkonjunktur.
Laut Ifo-Institut würden die hohen Energie- und Standortkosten die Chemiebranche aber weiter belasten. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts haben sich im Juli Mineralölerzeugnisse um 47,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verteuert. Bei Erdöl sind es 22,3 Prozent, bei Strom 19,7 Prozent und bei Erdgas 18,8 Prozent. Die Frage ist also, wie es nach einem Ende der Sonderkonjunktur weitergeht.
DAX kurz vor Rekordhoch
Im Tagesgeschäft Aktienmarkt ist die Stimmung heute aber ebenfalls gut. Die Chemie- und Pharmaunternehmen BASF und Brenntag zählen im DAX zu den stärksten Werten, auch die Titel von Bayer legen zu.
Der deutsche Leitindex steigt gegen Mittag um rund ein halbes Prozent im Plus bei 26.522 Zählern: Das Rekordhoch bei 26.573 Zählern ist nicht mehr weit.
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