Marktführer beim Neobanking – Revolut will Banklizenz: Angriff auf den Schweizer Bankenplatz?

Darum geht es: Auf dem Schweizer Bankenplatz könnte sich bald ein neuer Player breitmachen – einer, der hier schon heute 1.3 Millionen Kundinnen und Kunden hat. Revolut gilt als grösste «Neobank» in der Schweiz – also als ein Finanzdienstleister, der keine Filialen betreibt, sondern sämtliche Zahlungsgeschäfte über App und Website abwickelt. Jetzt beantragt Revolut bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma eine Schweizer Bankenlizenz. Hierzulande nutzen die meisten Revolut bislang als Zusatzkonto – oft als Ferienbank für Zahlungen im Ausland, auf die Revolut vergleichsweise geringe Gebühren erhebt.
Warum will Revolut die Schweizer Lizenz? «Eine Bankenlizenz bringt Vertrauen und Prestige», erklärt SRF-Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart. Etwa, weil dann die sogenannte Einlagensicherung greift: Geht die Bank in Konkurs, ist ein Kontoguthaben von bis zu 100'000 Franken gesetzlich abgesichert. Hinzu kommt: «Eine Schweizer Banklizenz ermöglicht es, auf den hiesigen Markt zugeschnittene Produkte anzubieten.» Bislang hat Revolut in der Schweiz mit einer litauischen Banklizenz gearbeitet. Mit einer Schweizer Banklizenz könnte die Firma neue Finanzprodukte anbieten: zum Beispiel Vorsorgeprodukte für die Säule 3a oder Twint-Zahlungen. Und sie könnte theoretisch auch Kredite vergeben – wobei das bei Revolut laut eigenen Angaben aktuell nicht im Fokus steht.
Revoluts Expansionsstrategie
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Die Schweiz ist nicht das einzige Land, in dem Revolut aktuell expandiert. Bereits 2021 hat die Firma eine britische Banklizenz beantragt, darauf aber bis zu diesem Jahr warten müssen. Im August hat es ausserdem mit einer zweiten EU-Lizenz in Frankreich geklappt. Auch in den USA läuft das Verfahren, wobei Revolut dort bereits mit einer provisorischen Lizenz ausgestattet ist. Zu dem Bild gehört aber auch: Banklizenzen kosten, auch wegen der verschärften Regulierung. Dadurch wachsen für Revolut zunächst die Geschäftskosten.
Was bedeutet das für die Schweizer Banken? Charlotte Jacquemart sieht schon jetzt viel Wettbewerb rund um Revolut. «Klar, eine vollwertige Bank ist eine noch grössere Konkurrenz. Allerdings im ersten Schritt wohl für die anderen Neobanken.» Schweizer Neobanken wie Neon, Yuh oder Zak sind Tochtergesellschaften von klassischen Banken – und arbeiten deshalb schon heute mit einer Schweizer Lizenz. Diesen Wettbewerbsvorteil gegenüber Revolut könnten sie jetzt verlieren. Traditionelle Banken wiederum bieten andere Produkte an als ihre digitalen Konkurrentinnen: Beratungen, Vermögensverwaltung für besonders reiche Kundinnen und Kunden, Hypotheken, grosse Firmendienstleistungen etwa. Ob die Neobanken dort mittel- oder langfristig nachziehen, muss sich zeigen.
Was ist mit den Negativschlagzeilen rund um Revolut?
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In den letzten Jahren hat Revolut nicht nur mit atemberaubendem Wachstum, sondern auch mit einigen unerfreulichen Nachrichten von sich reden gemacht.
So ist die Firma in diesen Tagen nicht nur wegen des Lizenzantrags in den Schlagzeilen, sondern auch wegen eines Datenklaus. Revolut hat Personendaten von mindestens 700 Kundinnen und Kunden an Unbefugte herausgegeben. Sie haben sich laut Revolut als Behörde ausgegeben, mit echter Mailadresse.
Im April diesen Jahres hat Revolut in Italien eine Millionenstrafe kassiert, wegen irreführender Geschäftspraktiken. Der Finanzdienstleister hat dagegen Berufung eingelegt.
In den vergangenen Jahren wurden Revolut-Konten gehackt oder ohne Grund gesperrt – so wie übrigens auch andere Neobanken. Zudem galten die Smartphone-Apps als Treiber für Finanzkriminalität, etwa für Geldwäsche oder Identitätsdiebstahl – wegen der oftmals schwachen Regulierung.
«Die Finma wird deshalb ein genaues Auge auf Revolut haben», meint Charlotte Jacquemart.
Wie geht es weiter? In Paris baut Revolut eine neue Zentrale für Westeuropa mit rund 600 Angestellten. In der Schweiz will Revolut 150 Millionen Franken über fünf Jahre investieren. Bislang arbeiten hier rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Revolut, bis Ende nächsten Jahres sollen daraus knapp 100 werden. Und dann ist da auch noch ein Börsengang geplant, auch wenn der schon mehrfach aufgeschoben wurde. Die privaten Investorinnen und Investoren bewerten Revolut aktuell mit 115 Milliarden Dollar. Aber ob der Finanzkonzern in einigen Jahren zu den grossen Schweizer Banken zählen wird? Da will Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart keine definitive Prognose wagen. «Aber ich denke, das ist eher ein Jahrzehnteprojekt.»
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