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Sunday, November 1, 2026

Warum sich junge Paare gegen Kinder entscheiden

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Anni Störling mit Ehemann Kai

Weniger Geburten Kinderlos aus Überzeugung

Stand: 01.11.2026 • 15:51 Uhr

In Deutschland gibt es so wenige Geburten wie seit 1946 nicht mehr. Doch junge Paare haben ihre Gründe, sich gegen Kinder zu entscheiden. Welche das sind - und was die sinkenden Zahlen für Auswirkungen haben.

Von Alexandra Reese, BR

Anni Störling ist 31 Jahre alt, verheiratet und lebt mit ihrem Mann und Hund Nala in München. Sie liebt es, allein zu reisen, unabhängig zu sein und ihr Leben selbst zu gestalten. Kinder fehlen ihr dabei nicht. "Wir sind einfach glücklich mit unserem Leben, so wie es ist", sagt sie. Auf Instagram spricht sie offen darüber, dass sie sich derzeit nicht vorstellen kann, Mutter zu werden.

Doch ihre Haltung stößt auch auf Kritik. Immer wieder wird sie gefragt, wann sie endlich Kinder bekommt. Andere unterstellen ihr, sie habe nur noch nicht den richtigen Partner gefunden. Für Störling ist dagegen klar: Ein Kind sollte eine bewusste Entscheidung sein. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie vereinbart: "Solange es kein klares Ja ist, bleibt es beim Nein."

Kinderwunsch und Wirklichkeit driften auseinander

In Deutschland wurden 2025 rund 654.000 Kinder geboren, so wenige wie seit 1946 nicht mehr. Die durchschnittliche Geburtenziffer lag bei 1,32 Kindern je Frau - der niedrigste Wert seit 1997. Für die sinkenden Geburtenzahlen gibt es verschiedenen Gründe.

Laut aktuellen Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) wünschen sich junge Erwachsene, die Eltern werden wollen, weiterhin mehr Kinder, als tatsächlich geboren werden - durchschnittlich rund 2,2. Gleichzeitig ist 2025 erstmals seit mehreren Jahren der durchschnittliche Kinderwunsch zurückgegangen. Frauen wünschten sich durchschnittlich 1,7 Kinder, Männer 1,6.

Der Geburteneinbruch seit 2021 wird mit dem fast gleichzeitigen Auftreten mehrerer Krisen wie Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und steigender Inflation in Zusammenhang gebracht, die junge Menschen verunsichern. Hohe Mieten, unsichere berufliche Perspektiven und globale politische Entscheidungen beeinflussen die Entscheidung für Kinder. In der BiB-Befragung äußerten 85 Prozent der Teilnehmenden Sorgen über Kriege.

Auch die Erwartungen an Eltern sind gestiegen. Dagmar Müller, Sozialwissenschaftlerin am Deutschen Jugendinstitut, beobachtet einen hohen Anspruch an die eigene Elternrolle. "Das sind ja irre hohe Erwartungen, die auch dazu führen, dass jeder glaubt, man muss perfekt sein in der Elternrolle." Neben wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gründen spielen persönliche Lebensentwürfe eine Rolle. Für manche Frauen ist Mutterschaft keine Voraussetzung mehr für ein erfülltes Leben.

Die Konsequenzen sinkender Geburtenzahlen

Sinkende Geburtenzahlen haben langfristig große negative Auswirkungen auf das Renten-, Pflege- und Gesundheitssystem. In Deutschland führt eine geringe Geburtenrate langfristig vor allem zu einer Überalterung der Bevölkerung - mit kleinerer Generationenstärke im Erwerbsalter und großer Generationenstärke im Rentenalter.

Die Konsequenzen einer solchen Entwicklung sind gravierend und wirken sich negativ auf die sozialen Sicherungssysteme und den gesellschaftlichen Wohlstand aus. Für mehr Geburten werden bessere Rahmenbedingungen für Familien gefordert - wie zum Beispiel beim Elterngeld oder in der Kinderbetreuung.

Mit dem Alter sinkt die Fruchtbarkeit

Die Familiengründung wird seit Jahrzehnten aufgeschoben. Doch mit zunehmendem Alter sinkt die weibliche Fruchtbarkeit. Nina Rogenhofer vom Hormon- und Kinderwunschzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität in München erklärt, dass sowohl Anzahl als auch Qualität der Eizellen mit dem Alter abnehmen.

Das Einfrieren von Eizellen, sogenanntes Social Freezing, kann die Chancen auf eine spätere Schwangerschaft zwar verbessern. Eine Garantie bietet es aber nicht. Rogenhofer beobachtet eine vermehrte Nachfrage. Zudem sind die Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes zunehmend älter, im Durchschnitt 30 Jahre alt.

Während manche Frauen versuchen, sich ihren Kinderwunsch für später offenzuhalten, stellt sich für andere die Frage, ob sie überhaupt Kinder möchten.

"Wir bereuen es lieber, keine Kinder bekommen zu haben"

Für Anni Störling ist Selbstbestimmung besonders wichtig. Sie möchte nicht Mutter werden, nur weil es gesellschaftlich erwartet wird. Dass sie ihre Entscheidung später möglicherweise bereuen könnte, ist ihr bewusst. "Wir bereuen es lieber, keine Kinder bekommen zu haben, als es zu bereuen, Kinder bekommen zu haben", sagt sie. Ob sie ihre Haltung irgendwann ändert, weiß sie nicht. Vorerst fehlt ihr nichts.

Ihre Geschichte zeigt eine weitere Facette der Debatte, um sinkende Geburtenzahlen: Neben unerfüllten und aufgeschobenen Kinderwünschen gibt es Menschen, die sich ein Leben ohne Kinder einfach gut vorstellen können.

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