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Wednesday, November 4, 2026

Demokrat El-Sayed gewinnt Michigan: Der Sieg des „unwahrscheinlichsten aller Kandidaten“

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Den industriell geprägten Bundesstaat Michigan bei den Zwischenwahlen zu gewinnen, ist eigentlich ein Selbstläufer für die Demokraten. Für Abdul El-Sayed war es dennoch hart.

Fabian Schroer

Er wird der erste muslimische Senator der USA: Abdul El-Sayed. „We did it“, rief der 42-jährige Demokrat am frühen Mittwochmorgen seinen An­hän­ge­r:in­nen in Detroit, Michigan entgegen, als er sich zum Sieger erklärte – noch bevor die US-Nachrichtensender das Rennen als entschieden meldeten. „Ihr habt auf den unwahrscheinlichsten aller Kandidaten gesetzt. Danke euch, das gebührt euch allen!“

Die Wäh­le­r:in­nen im industriell geprägten Michigan, der Heimat der größten arabischen Minderheit in den USA, mussten länger um das Ergebnis zittern als in anderen Staaten, in denen die Demokraten bei den Midterms abräumten. In einzelnen Bezirken des Bundesstaates wurde langsam ausgezählt. Schließlich war das Ergebnis da: Neben Senator El-Sayed wurde auch seine Parteikollegin Joselyn Benson zur Gouverneurin gewählt.

Eine Wahlparty in Washington, D.C., rund 600 Kilometer Luftlinie von Detroit entfernt: Der 26-jährige Rohan Singh stammt selbst aus Michigan. Er erzählt der taz, wie sehr es ihn inspiriert, dass in seiner Heimat ein „Mann of colour mit einem komischen Namen“ angetreten ist. Seine Freun­d:in­nen in Michigan wollten diesmal „wirklich für El-Sayed stimmen, statt nur gegen den Republikaner“. Von den etablierten Demokraten sei er lange enttäuscht gewesen, doch diesmal habe es eine „echte linke“ Alternative gegeben.

Der progressive El-Sayed trat an mit dem Slogan „Geld raus aus der Politik, Geld in eure Taschen, Medicare für alle“: ein Plädoyer gegen die horrenden Preisanstiege infolge des Irankriegs und für eine gesetzliche Krankenversicherung. Der Mediziner, der häufig im schwarzen T-Shirt statt Anzug auftritt, leitete zuvor Gesundheitsämter im Bundesstaat. Die schlechte medizinische Versorgung machte er zu einem seiner Kernthemen.

Trump nannte ihn einen „Dschihadisten“

El-Sayed positioniert sich auch gegen das Parteiestablishment der Demokraten und dessen Wirtschaftsnähe. Er betonte stets, kein Geld von Unternehmen anzunehmen und stattdessen auf tausende Klein­spen­de­r:in­nen zu setzen. In Endspurt seines Wahlkampfs wurde er dennoch massiv von Lobbyorganisationen der Demokraten unterstützt.

Das brauchte der geschickte Redner vielleicht auch, um gegen seine finanziell deutlich besser ausgestatteten Gegner bestehen zu können. Republikaner und rechte Medien führten bis zuletzt eine millionenschwere Schmierenkampagne gegen ihn. Sein direkter Kontrahent, der Republikaner Mike Rogers, versuchte immer wieder, ihn in die Nähe der Muslimbruderschaft zu rücken. US-Präsident Donald Trump nannte ihn einen „Dschihadisten“, machte Witze über seinen Namen und ätzte zuletzt sogar, falls El-Sayed gewählt würde, „wäre er der einzige Senator, der durch einen Metalldetektor gehen müsste“, wenn er den Senat beträte.

Doch der Demokrat ließ sich nicht einschüchtern. Er erwiderte, er gehe gerne durch einen Metalldetektor, wenn Trump sich an einen Lügendetektor setze. Auch der Skandal um die Demokratin Haley Stevens, die in den Vorwahlen gegen den linken Politiker verloren hatte und sich in letzter Minute entschied, seinen Gegner Mike Rogers zu unterstützen, schadete ihm nicht wesentlich.

Ein Kernstreitpunkt zwischen Stevens und El-Sayed waren die Beziehungen zwischen den USA und Israel. El-Sayed kritisiert Israels Krieg in Gaza und die Besatzung im Westjordanland immer wieder scharf. Stevens und Rogers hingegen sind als leidenschaftliche Unterstützer Israels bekannt. Die Israellobby AIPAC investierte zuvor nie dagewesene 30 Millionen Dollar in Stevens' Vorwahlkampf. El-Sayed wurde Antisemitismus vorgeworfen. Viele jüdische Wäh­le­r:in­nen stimmten in den Vorwahlen für Stevens.

Seit über 30 Jahren in demokratischer Hand

Auch deshalb war der Wahlkampf in Michigan einer der meistbeachteten der diesjährigen Midterms. Der Senatssitz in Michigan gilt als sicher für die Demokraten – seit über 30 Jahren gab es hier keine republikanischen Senator:innen. Doch ein offen linker Kandidat, der Ideen wie die Einstellung der Waffenlieferungen an Israel oder die Besteuerung von Milliardären lautstark vertritt, erschien einigen Kri­ti­ke­r:in­nen als unnötiges Risiko. Bei Trumps schlechten Beliebtheitswerten hätte ein farbloser Demokrat quasi von selbst gewonnen, so die Annahme.

Doch diese Zweifel dürften nun zerstreut sein. Abdul El-Sayeds Sieg im Arbeiterstaat Michigan, der bei den Präsidentschaftswahlen zweimal mehrheitlich für Donald Trump gestimmt hatte, sendet auch ein Signal an andere progressive Kan­di­da­t:in­nen in den USA: Wenn es ein linker, palästinasolidarischer Muslim in Michigan schaffen kann, ist vieles andere auch möglich.

Zum Ende seiner Antrittsrede in Detroit wünschte El-Sayed seinem geschlagenen Gegner Mike Rogers noch „einen schönen Ruhestand“. Er wisse, dass dieser mit einem Haus in Florida und zwei Yachten gut versorgt sei. Dann wandte er sich noch einmal an seine Wäh­le­r:in­nen und an alle Eltern, die versucht hätten, ihren Kindern zu erklären, warum der Präsident jemanden wegen seines Namens oder der Art, wie er betet, verspottet. „Lasst sie wissen, dass die Bösen verloren haben.“

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