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Tuesday, October 6, 2026

Trotz ausgesetzter Wehrpflicht: Zahl der Kriegsdienstverweigerer verdreifacht sich

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Trotz ausgesetzter WehrpflichtZahl der Kriegsdienstverweigerer verdreifacht sich

06.10.2026, 01:01 Uhr

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Der Antrag auf Kriegsdienstverweigerung kann schriftlich beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr eingereicht werden. (Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Das Grundgesetz erlaubt es, den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen abzulehnen. Beim zuständigen Bundesamt stapeln sich die Anträge von Reservisten, Soldaten und Ungedienten. Beratungsstellen berichten von einem auffälligen Zulauf.

Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer in Deutschland steigt weiter steil an. Von Januar bis Ende August dieses Jahres seien bereits 12.102 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung beim zuständigen Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) eingegangen, berichteten die Funke Medien und das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf eine Sprecherin der Behörde. Im gesamten Jahr 2025 gab es laut dem Bundesamt lediglich 3879 Anträge, 2024 waren es 2249. Damit liegt die Zahl der Anträge schon jetzt dreimal höher als im gesamten Jahr 2025.

Wie stark der Trend ist, zeigt ein Vergleich mit der Halbjahres-Bilanz: Bis Ende Juni 2026 hatte das Bundesamt den Eingang von 5862 Anträgen gemeldet. Innerhalb von nur zwei Monaten hat sich seitdem die Zahl also verdoppelt. Hintergrund für den Anstieg dürften die angespannte Sicherheitslage und das Gesetz über den neuen Wehrdienst sein, das zum 1. Januar in Kraft trat. Kern ist die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008. So sollen Freiwillige für einen Ausbau der Truppe rekrutiert werden. Sollten die Zielkorridore verfehlt werden, könnte der Bundestag über eine sogenannte Bedarfswehrpflicht entscheiden.

Die Wehrpflicht ist zwar ausgesetzt, bleibt aber weiter im Grundgesetz verankert. Unabhängig von der Aussetzung bleibt laut Bundesamt das Recht bestehen, den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen gemäß Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes zu verweigern. Das Bundesamt berichtet von massiven Problemen bei vielen Anträgen. Aktuell werde eine "hohe Zahl an fehlgeleiteten Anträgen beobachtet, die mit nicht anerkennungsfähigem Inhalt eingehen und unbearbeitet zurückgesandt werden müssen", sagte die Sprecherin den Funke Medien. Es kursierten wiederkehrend Falschinformationen zum Weg und Inhalt einer Antragstellung, unter anderem in den sozialen Medien.

Anträge auf Kriegsdienstverweigerung reichen nicht allein Reservisten und aktive Soldaten ein, sondern - trotz ausgesetzter Wehrpflicht - auch Ungediente. Die entsprechenden Beratungsstellen melden einen wachsenden Zulauf. Die geopolitischen Spannungen zwischen der Nato und Russland verunsichern offenbar viele Menschen.

Der Antrag auf Kriegsdienstverweigerung kann schriftlich beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr eingereicht werden. Dieses leitet ihn nach Feststellung der gesundheitlichen Eignung im Rahmen der Musterung an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben weiter. Die Behörde entscheidet dann über den Antrag, wofür folgende Dokumente erforderlich sind: Ein kurzes unterschriebenes Anschreiben mit Berufung auf das Grundrecht der Kriegsdienstverweigerung im Sinne des Grundgesetzes, ein vollständiger tabellarischer Lebenslauf sowie eine ausführliche und persönlich verfasste Begründung, in der die Beweggründe für die Gewissensentscheidung dargestellt werden.

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