Günther-Wünsch: Konflikte an Schulen haben keine Pause
Sehen Sie hier die Sendung Markus Lanz vom 15. Oktober 2026.
16.10.2026 | 76:04 minKinder haben weniger Fähigkeit zur Empathie - sagt die Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch. Sie warnte am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" vor einer zunehmenden "Verrohung" der Kinder und Jugendlichen.
Günther-Wünsch sagte:
Die Hilferufe, die mich erreichen, beginnen in den Kitas.
Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin
Dafür gebe es unterschiedliche Erklärungsansätze: eine gewisse Gleichgültigkeit in der Gesellschaft, zunehmend fehlende Resilienz der Eltern, überforderte Lehrer, fehlendes Personal an Schulen, fehlende Debattenräume und digitale Medien.
So würde die Vereinigung der Kinderärzte und Kinderpsychiater davor warnen, "wenn der Kinderwagen geschoben wird und hinten dran die Eltern mit dem Handy beschäftigt sind, statt in die Interaktion zu gehen".
Die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung hat einen Bericht zum Ausmaß sexueller Gewalt gegen Kinder vorgelegt. Sie bemängelt fehlende Schutzkonzepte an Schulen.
13.10.2026 | 1:52 minGewaltspirale von der Grundschule bis in die Oberstufe
Die CDU-Politikerin warf ihrer eigenen Partei vor, "dass wir nicht gut genug zugehört haben und die Themen nicht ernst genommen haben". Vor ihrer Amtszeit als Bildungssenatorin hatte sie als stellvertretende Schulleiterin der Walter-Gropius-Schule in Berlin-Neukölln gearbeitet:
Das Thema Konflikte und Gewalt an Schulen eskaliert seit einigen Jahren in Berlin.
Katharina Günther-Wünsch, Berliner Bildungssenatorin
An allen Berliner Schulen sei dazu die erste bundesweite Studie gemacht worden: "Sowohl Lehrer als auch Schüler sagen: Wir haben eine Gewaltspirale, übrigens von der Grundschule an bis in die Oberstufe hinein."
Das Bundeskabinett hat einen neuen Gesetzesentwurf zum Thema digitale sexualisierte Gewalt gebilligt. Straftatbestände werden verschärft und Rechte am eigenen Bild ausgebettet.
07.10.2026 | 2:49 minBerliner Bildungssenatorin: Schüler sind weniger resilient
Die Resilienz der Schüler habe abgenommen, sie hätten "geringe Frustrationstoleranzen". Wegen "Kleinigkeiten" komme es zur körperlichen und verbalen Eskalation, die sich "ununterbrochen" fortsetze:
Konflikte haben keine Pause mehr. Das, was in der Schule körperlich anfängt, wird in der Pause und zu Hause in der Freizeit digital fortgesetzt.
Katharina Günther-Wünsch, Berliner Bildungssenatorin
Günther-Wünsch forderte klare Handlungsmaßnahmen, um die Schulen wieder davon zu befreien.
Trotz schwacher Testergebnisse vieler Schüler:innen sehen OECD-Forscher Fortschritte im deutschen Bildungssystem. Ein Hauptproblem aber bleibt: der Lehrermangel.
29.09.2026 | 1:01 minSoziale Medien - digitales Gift mit demokratiezersetzender Wirkung?
Journalist René Pfister sagte mit Blick auf die Ergebnisse der PISA-Studie, dass die Leistungen der Schüler im OECD-Durchschnitt seit 2010 sinken würden: "Diesen Strömungsabriss seit 2010 gibt es natürlich (...) mit dem Siegeszug des Handys und mit dem Siegeszug der sozialen Medien."
Ich finde, das ist digitales Gift für Kinder.
René Pfister, Journalist
Die Tech-Firmen wüssten ganz genau, wie man die Aufmerksamkeit der Kinder und Jugendlichen binde, so Pfister. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gehe den richtigen Weg, indem er Handys an den Schulen und soziale Medien für Kinder unter 15 Jahren verbieten wolle.
Pfister forderte politisches Bewusstsein dafür, dass soziale Medien die Aufmerksamkeitsfähigkeit zerstören würden - nicht nur von Kindern, sondern auch von Erwachsenen.
Die Europäische Kommission plant strengere Regeln für soziale Medien. Sie will Kinder vor süchtig machenden Algorithmen schützen.
17.09.2026 | 1:36 minPsychologe Ahmad Mansour warnte vor der "demokratiezersetzenden" Wirkung sozialer Medien: "Wir verändern gerade die Art und Weise, wie wir kommunizieren, wie wir uns informieren. Wir befinden uns in Echokammern, in Blasen. Wir haben verlernt, mit Andersdenkenden zu diskutieren."
Die Folgen dieser massiven Social-Media-Nutzung seien "verheerend" und wir hätten nicht mal angefangen, darüber zu diskutieren, "wie wir unsere Kinder auch schulisch begleiten".
Die Entwicklung von Unterricht basiere auf nichtexistierenden idealen Umständen. Es brauche mehr „Kontextsensibilität“, so Prof. Kai Maaz vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung.
29.09.2026 | 5:39 minGünther-Wünsch: Medienbildung braucht kompetente Leute
Günther-Wünsch entgegnete, dass "unglaublich viele Bundesländer" Handy-Verbote an Schulen eingeführt hätten. Das Ergebnis des Berliner Expertentischs zum Umgang mit digitalen Endgeräten sei, dass es Schutzräume in Form von Verboten, aber auch Kompetenzentwicklung brauche.
Je nachdem, ob ein Social-Media-Verbot in Deutschland bis 12, 14 oder 16 Jahre greifen würde, komme irgendwann der Zeitpunkt X, an dem die "Büchse der Pandora" geöffnet werde. Dann, so Günther-Wünsch, müssten die Jugendlichen Medienkompetenz besitzen und dafür müsse man das Fach Medienbildung einführen:
"Aber dafür brauchen wir auch wieder kompetente Leute. Ich sage das ganz ehrlich: Ich kenne keinen Kollegen, keine Kollegin, die sich jetzt per se hinstellen könnte und den Unterricht in Medienbildung machen könnte."
Den Umgang mit sozialen Medien, die Algorithmen und den Unterschied zwischen Fake News und echten Neuigkeiten könne "keiner ad hoc" erklären. Die Berliner Bildungssenatorin sagte:
Ich appelliere schon seit langer Zeit - auch noch als Schulleiterin - stark an die Universitäten, dass wir in der Lehramtsausbildung [damit] schon anfangen müssen.
Katharina Günther-Wünsch, Berliner Bildungssenatorin
Über dieses Thema berichtete Markus Lanz am 15.10.2026 ab 22:15 Uhr.
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