In Bas-Rücktritt steckt Sprengstoff für die Koalition
Bärbel Bas tritt als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück. Als Gründe nennt sie die Trauer um ihre verstorbene Stieftochter und öffentliche Angriffe, auch aus der Union.
12.10.2026 | 0:27 minDer größte Sprengstoff für diese Koalition steckt bereits im dritten Satz von Bärbel Bas. Erst erklärt die scheidende Arbeitsministerin und SPD-Chefin, sie brauche Zeit, um den Tod ihrer Stieftochter zu verarbeiten. Und dann steht da dieser Satz in ihrer Rücktrittserklärung:
Darüber hinaus muss ich leider feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden.
Bärbel Bas, SPD
Der Satz ist deswegen so brisant, weil er das Fundament einer funktionierenden Koalition betrifft: das Vertrauen zwischen den handelnden Personen. Konflikte in der Sache kann man lösen. Persönliche Angriffe - und von diesen spricht Bas hier - sind schwer zu heilen.
Sehr schwer. Der frühere SPD-Kanzler Olaf Scholz und sein damaliger Finanzminister Christian Lindner von der FDP könnten das bestätigen - Stichwort Ampel-Aus.
Bärbel Bas tritt als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück. Korrespondent Lars Bohnsack erklärt die Hintergründe und spricht über Alexander Schweitzer als designierten Nachfolger im Ministeramt.
12.10.2026 | 6:15 minHarsche Vorwürfe aus der SPD an die CDU
Auch SPD-Chef Lars Klingbeil greift den Koalitionspartner scharf an. Zwar nennt er ihn nicht beim Namen. Das muss er aber auch nicht, denn Bas war zuvor deutlich genug. Klingbeil schreibt in Bezug auf Bas:
Die Angriffe gegen sie in den letzten Tagen ihrer Trauer waren unanständig. Sowas gehört sich nicht.
Lars Klingbeil, SPD
Noch schärfer fällt die Reaktion von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig aus. Die SPD-Politikerin schreibt bei X:
Die Attacken der CDU - trotz ihrer persönlichen schweren Situation - waren unmenschlich und rücksichtslos.
Manuela Schwesig, SPD
Die Wahlniederlagen im Osten setzen die Koalition in Berlin unter Druck, der Reformstreit dauert an. Im Kanzleramt berät der Koalitionsausschuss den künftigen Kurs.
07.10.2026 | 2:44 minWüst griff Bas Ende September an
Seit Wochen gibt es Kritik an Bas. Darauf bezieht sich die SPD-Spitze in ihren Äußerungen. Denn aus der Union wurde immer wieder der Vorwurf laut, Bas verzögere die Reformpläne der Koalition.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst etwa warf ihr Ende September in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" vor, sie und ihr Ministerium arbeiteten zu langsam:
Wir haben über die ganze Sommerpause keinen Gesetzentwurf zur Rente bekommen, obwohl die Regierung einig war. Frau Bas und Friedrich Merz waren sich einig.
Hendrik Wüst am 27. September 2026
Dabei hätten beide doch von einem Gesamtkunstwerk gesprochen, so Wüst. Man müsse jetzt "ins Handeln kommen", sagte er noch - und meinte: Bas.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) fordert im ZDF ein Ende der Personaldebatten und stellt klar: "Ich möchte Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen bleiben."
27.09.2026 | 5:25 minBas' Situation war bekannt, dennoch gingen Angriffe weiter
Am 11. September hatte der CDU-Politiker Christian von Stetten gesagt, Bas sei nicht mehr tragbar. Gerüchte waberten durch Berlin, in der Union gebe es Gedankenspiele, Bas zu entlassen und eine CDU-geführte Minderheitsregierung zu bilden.
Dabei wusste jeder von Bas' privater Situation - Politiker, Journalistinnen, Verbände. Am 5. Oktober sah sich das Arbeitsministerium veranlasst, eine Pressemitteilung zu veröffentlichen. "Wegen eines Trauerfalls im engsten Familienkreis kann die Ministerin diese Woche keine Termine wahrnehmen", hieß es darin. Subtext: Versteht es jetzt bitte mal jeder!?
Dennoch gingen die Angriffe in der Sache weiter. Als der Bundestag vergangene Woche Klingbeils Einkommensteuerreform diskutierte, drohte die Union mit einer Blockade, solange nicht Gesetzentwürfe zur Rentenreform sowie zur Arbeitsmarktreform vorlägen.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) fordert im ZDF-Interview, dass die SPD in Zukunft in der Koalition "mitliefern" müsse. Es reiche nicht, "große Sprüche" zu machen.
11.10.2026 | 6:01 minSchwarz-Rot: Auch zwischenmenschlich hakt es
Der Kanzler schaltete sich ein: Die Rentenreform komme in diesem Jahr vielleicht nicht mehr durch den Bundestag. Es spricht einiges dafür, dass diese Äußerung bei Bas das Fass zum Überlaufen brachte.
Zwar haben erste CDU-Politiker den Vorwurf zurückgewiesen, mitverantwortlich für Bas' Rücktritt zu sein. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich manche Unionsvertreter zuletzt geradezu dispektierlich über Bas äußerten, wenn die Kameras nicht liefen.
Und so wird an diesem Tag besonders deutlich, dass Schwarz-Rot nicht nur in der Sache streitet. Sondern dass es auch zwischenmenschlich hakt - eine Sollbruchstelle für die Koalition. Ob sie sich davon erholt?
Dominik Rzepka ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.
Über dieses Thema berichteten ZDFheute Xpress am 12.10.2026 um 10:25 Uhr und ZDFheute live ab 11:20 Uhr.
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