«SRF 3 Best Talent» September – Marie Jay: «Die moderne Barbie fällt hin und steht wieder auf»

«SRF 3 Best Talent» September Marie Jay: «Die moderne Barbie fällt hin und steht wieder auf»
Marie Jay verarbeitet persönliche Erfahrungen zu modernen Popsongs. Die 24-jährige Musikerin ist in Lausanne aufgewachsen, inzwischen lebt sie in Paris. Dort sucht sie die Nähe zur französischen Popszene – während Lausanne für sie Heimat bleibt.
16.09.2026, 17:51
Schon als Kind griff Marie Jay zur Gitarre. Heute steht die Lausannerin auf Festivalbühnen wie dem Montreux Jazz, Gurtenfestival oder Paléo Festival und singt über Euphorie, Selbstzweifel und das Chaos des Erwachsenwerdens.
Paris gibt Gas, Lausanne gibt Halt
Im Januar dieses Jahres zog Marie Jay von Lausanne nach Paris. Nicht, weil sie der Schweiz den Rücken kehren wollte, sondern weil sie näher an die französische Popszene wollte. «Paris ist wie der Bauch des Vulkans», sagt sie. Jeden Abend gebe es Konzerte, gleichzeitig entstünden überall neue Songs und Ideen.
Ganz loslassen kann sie Lausanne trotzdem nicht. Länger als einen Monat hält sie es kaum fern von ihrer Heimatstadt aus. In Paris fehlen ihr der See und das Grün. Zwischen Fernweh und Heimatgefühl findet Marie Jay den Stoff für viele ihrer Lieder. Der Blick geht hinaus in die grosse Popwelt, das Herz bleibt in Lausanne.
Die Kehrseite des Ehrgeizes
Nach Stationen an der Gustav Academy (die Talentschmiede des Freiburger Musikers Gustav) und dem BIMM Music Institute in Brighton gewann Marie Jay in der Westschweiz mehrere Nachwuchspreise und wurde bei RTS Couleur 3 bereits als «Artiste Radar» gefördert. Mit dem SRF 3 Best Talent wird Marie Jay nun auch in der Deutschschweiz sichtbarer. «Das gibt mir das Gefühl, zur Schweizer Musikfamilie zu gehören.»
Marie Jay beschreibt sich selbst als Workaholic. Dahinter steckt nicht nur Ehrgeiz, sondern auch eine Erfahrung, über die sie offen spricht: Ein Burnout in jungen Jahren.
Auf ihrer aktuellen EP «le rose c'est hasbeen» erzählt Marie Jay deshalb von Hinfallen und Wiederaufstehen. «Die moderne Barbie fällt hin und steht wieder auf», spitzt sie zu. Es gehe um Perfektionismus, zu hohen Ansprüchen und um die Einsicht, dass niemand ständig Höchstleistungen erbringen kann. Oder wie sie selbst sagt: «Das echte Leben ist wichtiger als Popmusik.»
Zwischen Moodboards, Mate und Kuscheltier
Typisch Marie Jay wäre laut eigener Aussage eine vierseitige PowerPoint-Präsentation mit Moodboards, um eine ganz kleine Frage zu beantworten. Sie zeichnet fast täglich digital auf ihrem Tablet, interessiert sich für Farben und Musikvideos und möchte alle kreativen Entscheidungen ihres Projekts selbst steuern. Sogar ihr Mate nimmt sie von der Schweiz nach Paris mit.
Im Tourkoffer befinden sich ausserdem drei unverzichtbare Dinge: Ein Plektrum, Ingwer und ihr Kuscheltier «Tata». Der Hund mit Hasenohren begleitet sie seit ihrer Geburt und reist bis heute mit an ihre Konzerte. «Was soll man denn machen? Das Plüschtier mit 18 einfach im Stich lassen?»
Und falls die Musik einmal nicht mehr klappen sollte, besitze sie immerhin noch ein anderes Talent: «Ich bin mindestens Schweizer Meisterin, wahrscheinlich sogar Weltmeisterin im Schnellessen.»
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