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Monday, August 17, 2026

Waldbrände in Europa: Und nach der Hitze?

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Spektakuläre Brände liefern dankbare Bilder für Medien. Doch das Interesse sollte nicht aufhören, wenn es mal nicht brennt.

I n ein paar Wochen wird die Hitze in Deutschland vorbei und auch der letzte Brand gelöscht sein. In Südeuropa wird es noch ein paar Wochen länger dauern, bis spätestens im Oktober auch dort hitze- und feuermäßig Ruhe eingekehrt.

Gleichzeitig wird – und das ist so sicher wie das deutsche nasskalte Herbstwetter – das Interesse von Medien und Politik zurückgehen. Was gut daran ist: Politiker wie der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese behelligen die Öffentlichkeit dann nicht mehr mit überflüssigen Wortmeldungen, die nur dazu dienen, auch noch mal was zum Thema gesagt zu haben. Gerade fordert Wiese höhere Strafen für Brandstifter. Doch da muss gar nichts verschärft werden; auf vorsätzliche Brandstiftung können jetzt schon hohe Freiheitsstrafen verhängt werden.

Was aber schlecht daran ist: Die globale Erwärmung mit ihren offensichtlichsten Auswirkungen wie gesundheitsgefährdenden Hitzewellen, dürrebedingten Missernten und großflächigen Waldbränden wird für den Großteil des Jahres wieder aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwinden. Trotz Klimakatastrophe bleibt Hitze in unseren Breitengraden auf wenige Monate beschränkt, und einen milden Dezember empfindet der Mensch als weniger bedrohlich als 39 Grad heiße Juli-Tage. Nur ist die Häufung von zu milden – oder stürmischen – Wintermonaten genauso eine Folge der globalen Erderwärmung.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.

Dazu kommen mediale Logiken, die durch Social Media und die Tendenz zu „emotionalen“ Bildern verstärkt werden. Luftaufnahmen von brennenden Wäldern mit dramatischen Rauchsäulen, Interviews mit abgekämpften Feuerwehrleuten und verzweifelten Menschen, die vor ihrem abgebrannten Haus stehen, sind eher TV-tauglich als scheinbar unspektakuläre Bilder von der „Zeit danach“.

Wie sieht ein abgebrannter Wald aus?

Dabei erzählen diese Bilder und Geschichten genauso eindrücklich, was die globale Erwärmung anrichtet: Wie sieht so ein abgebrannter Wald im Winter eigentlich aus? Wie regeneriert er sich, regeneriert er sich überhaupt? Wie geht es der Familie, die im Sommer ihr Haus verlor? Wie bereiten sich Altenheime auf den nächsten Sommer vor? Davon ist, Jahr für Jahr, medial zu wenig bis gar nichts zu sehen – obwohl das alles dankbare Themen für journalistische Kreativität sind.

Po­li­ti­ke­r:in­nen sollten ihre klima- und hitzepolitischen Anstrengungen nicht auf die wenigen Sommermonate beschränken. SPD-Umweltminister Carsten Schneider kann seinen vernünftigen Vorschlag, den Hitzeschutz als Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz zu schreiben, gern noch mal im Winter wiederholen – wie antizyklisches Verhalten von Politik und Medien bei dem Thema generell dringend nötig ist: Die Klimakrise macht nicht Pause, nur weil gerade Winter ist und der weniger quotenträchtige Bilder liefert.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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