Adobe bringt KI-Videos und Viltrox wird winzig – Fotonews der Woche 38
Wenn Adobe seine KI-Werkzeuge erweitert, horcht die Fotobranche auf – fast jeder professionelle Bildbearbeiter arbeitet mit Lightroom oder Photoshop. Jetzt hat der Software-Gigant beide Programme um Features ergänzt, die noch vor Kurzem nach Science-Fiction klangen: Fotos werden zu Videos. Nicht durch simples Zoomen oder Schwenken, sondern durch echte KI-generierte Bewegung.
Die c't Fotografie, Ausgabe 05 2026
(Bild:
heise
)Lightroom erfindet Bewegung
Aus statischen Bildern lassen sich in Lightroom ab sofort bis zu fünf Sekunden lange Videoclips erzeugen. Die KI analysiert das Foto und fügt Bewegung hinzu – Wolken ziehen, Wasser fließt, Haare wehen im Wind. Die Funktion heißt „Generate Video“ und ist direkt in die Desktop-Version integriert. Man wählt ein Foto, klickt den neuen Button und kann optional einen Text-Prompt eingeben, um die Bewegungsart zu steuern.
Was zunächst nach Spielerei klingt, könnte für Social-Media-Content durchaus relevant werden. Bewegte Bilder performen in den Algorithmen von Instagram und Co. besser als statische Fotos. Ob das die Fotografie bereichert oder nur eine weitere Stufe Richtung vollständiger Virtualisierung markiert, darüber lässt sich trefflich streiten. Immerhin: Adobe nutzt nach eigenen Angaben lizenzierte Trainingsdaten, was rechtliche Risiken minimieren soll.
Photoshop wird feinfühliger
Auch Photoshop hat Updates bekommen, vor allem bei der Kontrolle über KI-Features. Nutzer können nun präziser steuern, wie sich generative Füllungen und andere KI-Werkzeuge verhalten. Adobe reagiert damit auf Kritik, dass die KI mitunter zu eigenwillig agierte und Ergebnisse lieferte, die nicht den Vorstellungen der Anwender entsprachen. Konkret heißt mehr Kontrolle: mehr Schieberegler, mehr Optionen, mehr Feintuning. Für Puristen mag das nach zu viel Technik klingen. Wer aber täglich Bilder bearbeitet, wird die zusätzlichen Einstellmöglichkeiten zu schätzen wissen.
Die vollständigen Release Notes für Lightroom listet Adobes Dokumentation auf, inklusive technischer Details zu den neuen Features.
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Das 99-Dollar-Objektiv, das auf einen Chip passt
Während Adobe in der digitalen Welt neue Möglichkeiten eröffnet, sorgt Viltrox in der physischen für Aufsehen – mit einem Objektiv, das man fast übersehen könnte. Das neue AF 28mm f/4.5 für L-Mount wiegt gerade mal 60 Gramm und misst nur zwei Zentimeter in der Länge. Ein durchschnittlicher USB-Stick ist dicker.
„Chip Lens“ nennt Viltrox das Ganze, weil es tatsächlich kaum größer als ein Computerchip ausfällt. Trotz der extremen Miniaturisierung bietet es Autofokus und eine akzeptable Blende von f/4.5. Entwickelt wurde es offenbar speziell für kompakte Vollformatkameras wie die Leica SL2-S oder die Panasonic Lumix S9. Der Preis: 99 US-Dollar. So günstig, dass man es fast als Geschenk zur Kamera dazulegen könnte.
Natürlich hat ein solcher Winzling Grenzen. Die Bildqualität wird mit großen Festbrennweiten nicht mithalten, und bei f/4.5 bleibt wenig Spielraum für Freistellung. Aber darum geht es hier auch nicht. Es geht um Mobilität – um eine Kamera, die man wirklich überall dabei haben kann, ohne dass sie zur Last wird. Und wenn das Objektiv kaputtgeht? Für 99 Dollar verschmerzt man das.
Wissenschaft im Bild
Dass Fotografie mehr kann als nur schön aussehen, beweist der jährliche Wissenschaftsfotografie-Wettbewerb, dessen Gewinner gerade bekannt gegeben wurden. Das Siegerbild zeigt Naturschützer, die in einem Ultraleichtflugzeug mit einem Schwarm bedrohter Vögel fliegen – eine surreal anmutende Szene, die dokumentiert, wie Forscher versuchen, Zugvögeln sichere Routen beizubringen.
Der Wettbewerb trägt den Namen „Royal Society Publishing Photography Competition“ und zeichnet jährlich die besten Fotografien im Wissenschaftskontext aus. Die prämierten Bilder machen wissenschaftliche Arbeit emotional zugänglich. Das Gewinnerbild der Kategorie „Ecology and Environmental Science“ zeigt Biologen des Waldrapp-Projekts, die mit einem motorisierten Gleitschirm einer Gruppe der stark gefährdeten Ibisse eine Migrationsroute von Österreich nach Spanien beibringen. Eine außergewöhnliche Methode des Artenschutzes, die ohne visuelle Dokumentation kaum vorstellbar wäre.
Die weiteren prämierten Bilder reichen von Unterwasseraufnahmen mariner Ökologen an Korallenriffen bis zu Laborfotos, die mikroskopische Prozesse sichtbar machen. Wissenschaftsfotografie ist alles andere als trocken. Sie verbindet technisches Können mit der Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge visuell zu erzählen – und erinnert daran, dass Fotografie auch ein Werkzeug der Erkenntnis ist. Gerade in Zeiten wachsender Wissenschaftsskepsis können solche Bilder eine Brücke zwischen Forschung und Öffentlichkeit schlagen.
Wo Polaroid noch lebt
Unsere Empfehlung für einen Long Watch zum Wochenende führt ins niederländische Enschede, wo sich die letzte Polaroid-Fabrik der Welt befindet. Dort produziert die Firma Polaroid – die erst pleiteging und dann mehrfach den Besitzer wechselte– noch immer Sofortbildfilme nach klassischen Rezepturen.
Das Video gewährt seltene Einblicke in die Produktion. Jede Filmpackung geht durch Dutzende Hände, manche Maschinen stammen aus den 1970er-Jahren, und die Herstellung von Sofortbildfilm ist eine Kunst, die nur noch wenige Menschen beherrschen.
2008 rettete eine Gruppe Enthusiasten die Fabrik unter dem Namen „The Impossible Project“ vor der endgültigen Schließung, nachdem Polaroid die Produktion einstellen wollte. Heute arbeiten dort rund 200 Mitarbeiter und stellen über 10 Millionen Filmpackungen pro Jahr her. Jede Charge ist ein chemisches Meisterwerk aus über einem Dutzend Schichten, die im Bruchteil einer Sekunde miteinander reagieren müssen. Die „Heritage Recipes“, also die originalen Rezepturen aus der Polaroid-Ära, werden wie Staatsgeheimnisse gehütet und laufend an moderne Rohstoffe angepasst – viele der ursprünglichen Chemikalien sind schlicht nicht mehr verfügbar.
In einer zunehmend digitalen Welt ist diese Fabrik ein Gegenentwurf: ein Ort, an dem Chemie, Mechanik und Handwerk noch zählen. Und an dem man versteht, warum inzwischen ein Polaroid-Film mit acht Bildern stolze 20 Euro kostet. Die Renaissance der analogen Fotografie, besonders bei jüngeren Generationen, hat dem Unternehmen neues Leben eingehaucht. Das Paradoxe daran: Gerade die Generation, die nie ohne digitale Kamera gelebt hat, findet im Sofortbild eine willkommene Entschleunigung – ein physisches Objekt, das man nicht löschen, nicht bearbeiten und nicht endlos reproduzieren kann.
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