Nach Anschlägen in Frankreich: Sorge vor wachsendem Rassismus
Nach Anschlägen In Frankreich wächst die Angst vor rechter Gewalt
Stand: 27.10.2026 • 18:56 Uhr
Nach den offenbar rassistisch motivierten Anschlägen in Frankreich gehen in Paris Menschen auf die Straße. Viele sehen rechte Medien in der Verantwortung - und den Rassemblement National.
Dicht gedrängt stehen die Menschen in der Dunkelheit auf dem Platz im Nordosten von Paris. Manche haben weiße Pappschilder in der Hand, auf denen steht: "Rassismus tötet". Sie mache sich Sorgen, sagt Élodie. Um sich selbst, aber auch um ihre Familie.
Denn was passiert sei, zeige, wie sehr Rassismus und Faschismus in Frankreich auf dem Vormarsch seien, sagt sie. "Mich als schwarze Frau hat das sehr betroffen gemacht. Ich habe Brüder und Schwestern, und es hätte uns alle treffen können. Ich bin hier, um zu zeigen, dass ich das nicht okay finde."
Andréa ist zu Besuch in Paris. Sie sei lange Lokalpolitikerin gewesen, erzählt sie. Und habe gemerkt, dass sich die Grenzen des Sagbaren verschoben haben. Sie habe Angst, dass das nur der Anfang sei. Rassistische Aussagen würden in Frankreich immer seltener zurückgehalten, so Andréa. "Und heute töten sie."
Viele Teilnehmer sehen die Verantwortung auch bei den Medien.
Bürgermeister sieht RN in der Verantwortung
Viele auf der Kundgebung sehen auch die französischen Medien in der Verantwortung, geben ihnen eine Mitschuld an den tödlichen Attacken von Trappes und La Verrière. Rechte Sender wie etwa CNews würden rassistische Äußerungen ungefiltert weiterverbreiten, so der Vorwurf. Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron ließen das geschehen.
Ali Rabeh, der Bürgermeister von Trappes, sieht eine klare politische Verantwortung: nämlich beim rechtsnationalen Rassemblement National und dessen Parteichef Jordan Bardella.
"Bis zum Überdruss hat Jordan Bardella wiederholt, ich zitiere: "Trappes ist nicht mehr Frankreich". Er hat die Stadt eine "islamistische Republik im Kleinformat" genannt oder gesagt, Trappes sei "Kabul in 30 Minuten Entfernung von Paris". Dieser Mann und seine Partei haben die gesamte Bevölkerung von Trappes zur Zielscheibe gemacht, so Rabeh.
Am Freitag hatte ein 39-jähriger Franzose in den Kleinstädten Trappes und La Verrière südwestlich von Paris auf Passanten geschossen und offenbar gezielt schwarze und arabische Menschen angegriffen. Ein Mann starb: der 26-jährige Pengo Bossio Wangi - Franzose mit Wurzeln im Kongo. Vier Menschen wurden schwer verletzt, unter ihnen ein elfjähriges Mädchen.
Auf einem Plakat steht "Ihr Blut klebt an euren Händen".
Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen übernommen
Die französische Antiterror-Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen "Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben". Und geht dem Verdacht nach, dass die Motivation für die Tat war, Menschen einer so wörtlich "bestimmten Ethnie (…), Nation oder Religion" zu treffen. Präsident Macron war direkt nach Trappes gefahren und hatte vor Ort von einem "terroristischen und rassistischen Attentat“ gesprochen.
Antiterror-Staatsanwalt Olivier Christen informierte am Montag über den Stand der Ermittlungen. Seine Behörde habe sich eingeschaltet, weil die Tat offenbar geplant gewesen sei, so Christen. Der Verdacht auf ein mögliches rassistisches Motiv beruht Christen zufolge auf dem Profil der Opfer: Menschen mit arabischen oder afrikanischen Wurzeln und auf Aussagen des Tatverdächtigen Kévin T.
Kévin T. habe insgesamt 128 Schüsse abgegeben, so der Anti-Terror-Staatsanwalt. In seinem Auto seien nach der Festnahme unter anderem eine Maschinenpistole, Munition, eine Tränengasgranate sowie Handschellen und eine Polizeiarmbinde gefunden worden.
Die Teilnehmer haben Angst vor wachsendem Rassismus. Die Grenzen des Sagbaren hätten sich verschoben, sagt eine Teilnehmerin.
Tatverdächtiger bestreitet rassistisches Motiv
Doch es bleiben Fragen, was den Tatverdächtigen Kévin T. und dessen Motiv angeht. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung seien eine Bibel, ein Koran sowie eine Ausgabe von Adolf Hitlers "Mein Kampf" gefunden worden, meldet die Nachrichtenagentur AFP und beruft sich auf Ermittlerkreise. Kévin T. werde wegen Schizophrenie behandelt, den Geheimdiensten sei er zuvor nicht bekannt gewesen.
Nach Informationen der Zeitung Le Monde soll Kévin T. den Ermittlern gegenüber geäußert haben, er habe nach den Plünderungen am 17. Oktober die Einzelhändler rächen wollen. Laut Le Monde soll er zudem ausgesagt haben, speziell "Schwarze und Araber" angegriffen zu haben, weil er "genug von ihnen" habe.
Laut Antiterror-Staatsanwalt Olivier Christen räumt Kévin T. die Tat ein, bestreitet aber ein rassistisches Motiv. Der Tatverdächtige kann bis maximal Donnerstag in Polizeigewahrsam bleiben und wird dort weiter befragt.
Studentin Élodie ist froh, so viele Menschen auf der Kundgebung in Paris zu sehen und Solidarität zu spüren. "Es ist nicht normal, sich eine Kugel einzufangen, nur weil man schwarz ist und jemandem das nicht gefällt. Für mich haben alle Menschen den gleichen Wert", sagt Elodié.
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