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Thursday, October 1, 2026

Q&A zur Todesstrafe in den USA: Wie oft gehen Hinrichtungen schief?

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Nach zwei Dosen der Giftspritze lebte die zum Tode verurteilte Christa Pike noch. Nicht das erste Mal, das in den USA Hinrichtungen misslingen.

Im US-Bundesstaat Tennessee war Christa Pike die erste Frau, die seit 200 Jahren hingerichtet werden sollte. Ihr Hinrichtungsversuch mit einer Giftspritze scheiterte am 29. September 2026. Nach zwei Versuchen wurde die Hinrichtung abgebrochen und Pike in ein Krankenhaus gebracht. Der US-Bundesstaat Tennessee kündigte an, weitere Hinrichtungen für den Rest des Jahres 2026 auszusetzen und ordnete eine Untersuchung an. Doch wie steht es in den USA im Allgemeinen um die Todesstrafe? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

In welchen Ländern und US-Bundesstaaten werden Hinrichtungen noch durchgeführt?

In 27 US-Bundesstaaten ist es per Gesetz noch möglich, die Todesstrafe zu verhängen. Im Jahr 2026 wurden Verurteilte in sechs Bundesstaaten hingerichtet: Alabama, Arizona, Florida, Oklahoma, Tennessee und Texas. In vier Bundesstaaten ist die Todesstrafe derzeit per Dekret ausgesetzt: Kalifornien, Oregon, Pennsylvania und Ohio.

Weltweit werden laut Amnesty International noch in 17 Ländern Todesstrafen vollstreckt: Afghanistan, China, Ägypten, Iran, Irak, Japan, Kuwait, Nordkorea, Saudi-Arabien, Singapur, Somalia, Südsudan, Taiwan, Vereinigte Arabische Emirate, USA, Vietnam und Jemen.

Wie viele Menschen sitzen in den USA im Todestrakt? Wie viele von ihnen sind Frauen?

Anfang 2026 saßen in den USA 2.004 Menschen im Todestrakt. 47 von ihnen waren Frauen, also 2,3 Prozent der Verurteilten. Zwischen 1972 und 1976 wurde darüber verhandelt, ob die Todesstrafe mit der US-Verfassung vereinbar ist. Seit 1976 wurden 18 Frauen hingerichtet, das sind etwa ein Prozent aller Hinrichtungen.

Was hat sich in Sachen Todesstrafe unter Trump verändert?

Der US-Präsident hat die Todesstrafe am Anfang seiner zweiten Amtszeit per Dekret zu einem „notwendigen“ Instrument der amerikanischen Justiz erklärt. Er bezeichnete sie als passende Antwort auf das „Böse“. Trumps Politik hat vor allem die Todesstrafe auf Bundesebene beeinflusst, denn in den USA kann man, je nach Straftat, entweder auf Bundesstaats- oder auf Bundesebene zum Tode verurteilt werden. Die Todesstrafe auf Bundesebene kann beispielsweise für Terrorismus, Mord an Bundesbeamten oder bestimmte schwere Drogendelikte verhängt werden. Während Trumps erster Amtszeit wurden nach 17 Jahren erstmals wieder Hinrichtungen auf Bundesebene durchgeführt. Auch in seiner zweiten Amtszeit setzte Trumps auf eine Ausweitung der Todesstrafe und eine schnellere Vollstreckung.

Wie steht es um die Bewegung gegen die Todesstrafe in den USA?

Im Jahr 2025 wurden in zwölf Bundesstaaten, in denen es die Todesstrafe gibt, Gesetzentwürfe zur Abschaffung eingebracht, jedoch wurde bisher keiner dieser Entwürfe verabschiedet. Es gibt zudem ein koordiniertes nationales Netzwerk aus mehr als 60 Organisationen, die sich politisch und juristisch gegen die Todesstrafe einsetzen. Gleichzeitig gab es in zehn Staaten ohne Todesstrafe erfolglose Versuche, dieses Strafmaß wieder einzuführen.

Laut einer Umfrage vom Oktober 2025 befürworteten 52 Prozent der US-Amerikaner die Todesstrafe, 44 Prozent waren dagegen. Damit lag die Zustimmung auf dem niedrigsten Stand seit 1972. 1994 hatten noch 80 Prozent die Todesstrafe befürwortet.

In welchen Bundesstaaten werden Hinrichtungen mit der Giftspritze durchgeführt?

In 28 Bundesstaaten ist die Giftspritze mindestens eine Option für Hinrichtungen, was die Methode zur am häufigsten eingesetzten macht. Seit 1976 wurden so 1.492 Menschen hingerichtet, gefolgt von 163 Hinrichtungen mit dem elektrischen Stuhl. Einzelne Bundesstaaten erlauben auch Gas oder ein Erschießungskommando. In einigen Staaten können Verurteilte zwischen Methoden wählen, in anderen kommen alternative Methoden nur zum Einsatz, wenn die Giftspritze nicht verfügbar oder rechtlich nicht zulässig ist.

Wann wurde in den USA erstmals mit der Giftspritze hingerichtet?

Der Bundesstaat Texas führte die Giftspritze im Jahr 1977 als Hinrichtungsmethode ein und vollstreckte am 7. Dezember 1982 die erste Hinrichtung mit dieser Methode.

Was ist der Inhalt der Giftspritzen?

Die Bundesstaaten verwenden unterschiedliche Protokolle, teilweise ein einziges Medikament, teilweise eine Kombination aus drei Wirkstoffen. Die Beschaffung der Wirkstoffe für Todesspritzen ist schwierig, weil viele Pharmakonzerne die Verwendung ihrer Produkte als Hinrichtungsmittel ablehnen.

In Tennessee, wo Pike hingerichtet werden sollte, wird Pentobarbital verwendet, also ein einziges Medikament. Es wurde nicht explizit als Wirkstoff für Giftspritzen bei Hinrichtungen entwickelt. Als Arzneimittel kommt es als Beruhigungs- und Schlafmittel, zur Narkosevorbereitung und als krampflösendes Mittel zum Einsatz.

Bei der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike verabreichten die Vollstrecker zwei Dosen des Medikaments. Die britische Zeitung Independent schrieb dazu, dass die Biden-Regierung Pentobarbital zuvor aus dem Bundesprotokoll für tödliche Injektionen mit einem einzigen Wirkstoff gestrichen hatte, da Bedenken hinsichtlich möglicher unnötiger Schmerzen und Leiden bestanden.

In anderen Bundesstaaten gilt ein Protokoll mit drei Wirkstoffen. Dabei wird zunächst ein Narkose- oder Beruhigungsmittel verabreicht. Danach folgt ein Muskelrelaxans, das die Muskulatur einschließlich der Atemmuskulatur lähmt. Als drittes Mittel wird Kaliumchlorid verabreicht, das zum Herzstillstand führt.

Wie häufig gehen Hinrichtungen in den USA schief?

Schätzungen zufolge kam es zwischen 1890 und 2010 bei drei Prozent der Hinrichtungen in den USA zu Fehlern. Austin Sarat, ein Professor für Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft, schrieb ein Buch über die Geschichte fehlerhafter Hinrichtungen. Darin berichtet er, dass in dem Zeitraum 8.776 Menschen hingerichtet wurden und bei 276 Hinrichtungen etwas schiefging. Bei der tödlichen Injektion war die Fehlerquote am höchsten.

Im Mai 2026 wurde beispielsweise, auch in Tennessee, von einem Fall berichtet, bei dem es den Vollstreckern nicht gelang, eine Vene zu finden, um die tödlichen Medikamente zu injizieren. Nach mehreren gescheiterten Versuchen wurde der Verurteilte wieder in die Haftanstalt transportiert und die Vollstreckung seiner Todesstrafe um ein Jahr verschoben.

Was passiert, wenn ein erster Hinrichtungsversuch nicht zum Tod führt?

Das hängt vom Hinrichtungsprotokoll des jeweiligen Bundesstaates ab. Laut ABC News sieht das Hinrichtungsprotokoll des Bundesstaates Tennessee vor, dass ein zweiter Satz der Todesspritze verabreicht wird, „falls der Häftling nach dem ersten Satz noch nicht verstorben ist“. Es wird nicht näher erläutert, was geschieht, wenn der Häftling nach dem zweiten Satz noch am Leben ist. Aus diesem Grund wurde die Hinrichtung von Christa Pike abgebrochen und die zum Tode Verurteilte ins Krankenhaus gebracht.

Anders läuft es im Bundesstaat Kentucky ab: Scheitert der zweite Versuch, wird die Hinrichtung ausgesetzt und medizinisches Personal leitet stabilisierende Maßnahmen ein. Dort müssen Krankenwagen, medizinisches Personal und ein Defibrillator bereits vor Beginn der Hinrichtung bereitstehen. Bei misslungenen Hinrichtungen mit der Giftspritze kam es in der Vergangenheit zu Verletzungen und erheblichem körperlichem Leiden. Ein weiterer Hinrichtungsversuch kann deshalb vor Gericht angefochten werden.

Was sagen Befürworter der Todesspritze? Und was die Kritiker?

Befürworter bezeichnen die Giftspritze als eine kontrollierte und vergleichsweise humane Hinrichtungsmethode. Kritiker legen begründete Zweifel daran vor, dass das Verfahren zuverlässig schmerzfrei ist und zuverlässig zum Tod führt. Sie verweisen auf misslungene Hinrichtungen, Probleme bei der Verabreichung der tödlichen Medikamente und die fehlende Beteiligung von Ärzten, die Hinrichtungen aus berufsethischen Gründen ablehnen.

Wie gut ist erforscht, wie die bei Hinrichtungen eingesetzten Medikamente bei Frauen wirken?

Die Wirkung der bei Hinrichtungen eingesetzten Medikamente ist nicht speziell für den Kontext der Todesstrafe erforscht. Denn Studien mit tödlichen Medikamentendosen sind nicht mit medizinischer Forschung vereinbar.

Es gibt jedoch medizinische Studien zu einzelnen Wirkstoffen, die teilweise Unterschiede in ihrer Wirkung und ihrem Abbau bei Frauen und Männern zeigen. Für die bei Hinrichtungen verwendeten hohen Dosierungen und Kombinationen fehlen jedoch Daten. Wie stark solche Unterschiede den Ablauf einer Hinrichtung beeinflussen können, lässt sich deshalb nicht sagen.

Welche Regeln gibt es für Angehörige, sowohl die der Verurteilten, als auch für die Opferfamilien? Dürfen sie bei der Hinrichtung zusehen?

Jeder Bundesstaat regelt individuell, wie viele Zeugen, Angehörige der verurteilten Person und des Opfers anwesend sein dürfen. In Tennessee dürfen erwachsene Angehörige sowohl der verurteilten Person als auch des Opfers die Hinrichtung beobachten. Auch ein Geistlicher und ein Verteidiger der verurteilten Person dürfen anwesend sein. Für Familienangehörige der verurteilten Person gibt es in Tennessee keine Höchstzahl.

Anders ist das beispielsweise in Alabama geregelt. Dort kann die verurteilte Person bis zu sechs Verwandte oder Freunde als Zeugen benennen. Auf Seiten der Opferfamilie dürfen bis zu acht unmittelbare Angehörige anwesend sein, sofern sie älter als 19 Jahre sind.

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