Wahlen in Brasilien – Bolsonaro und Amtsinhaber Lula da Silva müssen in Stichwahl

- Die Präsidentenwahl in Brasilien wird sich in einer Stichwahl zwischen dem linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und dem rechten Senator Flávio Bolsonaro entscheiden.
- Nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmen kommt Lula laut vorläufigen Angaben der Wahlbehörde auf rund 44.6 Prozent, sein rechter Rivale auf 47.4 Prozent.
- Beide verfehlen damit die für einen Sieg im ersten Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit. Die Stichwahl findet am 25. Oktober statt.
Der 80-jährige Lula von der Arbeiterpartei PT steht für die Fortsetzung seiner seit 2023 betriebenen Politik mit Sozialprogrammen, öffentlichen Investitionen und einer stärkeren Rolle des Staates. Die Arbeitslosigkeit sank, der Mindestlohn wurde angehoben und die Abholzung im Amazonasgebiet ging zurück. Zugleich belasten steigende Lebenshaltungskosten, hohe Staatsausgaben und Schulden sowie Korruptionsaffären die Regierung.
Flávio Bolsonaro von der Liberalen Partei PL verspricht dagegen einen schlankeren Staat, Ausgabenkürzungen und eine härtere Linie gegen Kriminalität. Der 45-jährige Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro will dessen politische Erbe fortführen. Eines seiner zentralen Wahlkampfversprechen ist eine Amnestie für seinen Vater.
Kampagnen im Zeichen der Wirtschaft und Korruption
Der Wahlkampf war geprägt von Sorgen über die schwächelnde Wirtschaft, Korruptionsskandalen sowie Vorwürfen einer Einmischung der USA. Die Staatsverschuldung liegt bei über 82 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zudem löste ein Skandal um das abgewickelte Geldinstitut Banco Master neue Empörung über Korruption in der politischen Klasse aus.
Neben dem Präsidenten haben die Brasilianer am Sonntag auch alle 513 Mitglieder des Unterhauses sowie zwei Drittel des Senats bestimmt. So wurde etwa auch die frühere First Lady Michelle Bolsonaro im Bundesdistrikt Brasília in den Senat gewählt. Carlos Bolsonaro, ein weiterer Sohn des früheren Präsidenten, gewann ebenfalls einen Senatssitz im südlichen Bundesstaat Santa Catarina. Rund 159 Millionen Brasilianer waren zur Wahl aufgerufen.
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