Finalserie im Frauenbasketball: Kraftprobe unter dem Korb

Die Basketballerinnen der Golden State Valkyries und der Atlanta Dream begeistern mit ihrem kämpferischen Stil. Die TV-Quoten steigen in Rekordhöhe.
G abby Willams sah leicht zerrupft aus am Samstagabend, nachdem sie und ihre Golden State Valkyries den Atlanta Dream in ihrer eigenen Arena einen Sieg abgerungen hatten und in der WNBA-Finalserie mit 2-2 gleichgezogen waren. „Das war ein Hundekampf“, resümierte sie das in jeder Hinsicht harte Spiel. „Dawg-Fight“ nannte sie es im Straßenslang, mit langgezogenem Aaaa. Ihre Vorhersage für die weiteren Spiele: „Es wird ein Dawg Fight.“
Die beiden Finalistinnen des diesjährigen Finales, die beide noch nie einen Titel gewonnen haben, schenken sich nichts. Nachdem Atlanta die Spiele Zwei und Drei gewonnen hatte, verlor die Halbfranzösin Williams in der Kabine die Façon und tobte lautstark: „Das waren nicht wir. Das war nicht ich.“ Zum vierten Spiel in Atlanta liefen sie dann mit resoluter Entschlossenheit auf. Mit 26 Fouls war das Spiel zwar nicht eben hübsch anzusehen, aber es war ein Sieg.
Dass die Finalserie zu einem Hundekampf geworden ist, liegt nicht zuletzt am Charakter beider Teams. Der Star der Dream, Angel Reese, wurde zur Defensivspielerin des Jahres gewählt. Sportkommentator Stephen Smith nannte sie einen „defensiven Dämon und eine reboundende Zaubererin“. Gabby Williams belegte knapp Rang Zwei in der Wertung. Unter dem Korb werden die Ellbogen ausgefahren, hier ist niemand zimperlich. Die Punktzahlen spiegeln diese Verteidigungsmentalität der beiden Teams: Zweimal erreichte keine der beiden Mannschaften 70 Punkte. In der 30-jährigen Geschichte der WNBA-Finals war das bisher erst einmal passiert.
Bei den Walküren aus Kalifornien ist diese Straßenkampfeinstellung konstitutiv. Es war das Prinzip, nach dem Trainerin Natalie Nakase die Mannschaft im vergangenen Jahr zusammenstellte. Nakase, die vorher als eine von nur wenigen Frauen Assistenztrainerin in der NBA war, erhielt nach der Ligaerweiterung 2025 das Vertrauen der Besitzer der Golden State Warriors, eine konkurrenzfähige Truppe zusammenzubasteln. Ihr Auswahlkriterium: „Es ist nicht so wichtig, ob du groß bist oder athletisch. Hauptsache, du hast die richtige Mentalität.“
Verbund von Verstoßenen
So gelang ihr das Wunder, eine Mannschaft von Außenseiterinnen innerhalb eines Jahres zur Titelkandidatin zu machen. Der Kern des Teams besteht aus Spielerinnen, die von ihren alten Mannschaften verstoßen wurden. Unter der Führung des Stars Williams fanden sie sich und einen kämpferischen Geist, der sie über sich hinauswachsen ließ.
Die Story sorgte in der Bay Area sofort für Begeisterung. Das Chase Center, in dem sonst die ihrem einstigen Glanz hinterherlaufenden Warriors spielen, war in dieser Saison in jedem Spiel ausverkauft. Die Walküren brachen den WNBA-Zuschauerrekord (800.000 Besucherinnen und Besucher).
Der Hundekampf gegen ihre Rivalinnen aus Atlanta mit ihrem jungen Superstar Angel Reese stößt auf ähnlich große Euphorie. Trotz der ungewöhnlichen Spielhärte und der niedrigen Punktzahlen saß bislang bei jedem Finalspiel mehr als eine Million Zuschauer vor den Bildschirmen. Beim Eröffnungsspiel waren es gar mehr als zwei Millionen. Noch nie in seiner Geschichte hatte der Frauenbasketball so hohe Zuschauerzahlen.
Je näher die Entscheidung kommt, desto mehr Fans werden sich vermutlich das nunmehr völlig offene Duell ansehen. Obwohl die Liga aus unverständlichen Gründen das möglicherweise entscheidende Spiel 6 für die Mittagszeit angesetzt hat. Dem unaufhaltsamen Popularitätsschub der WNBA kann auch das nichts mehr anhaben. Ebenso wenig wie die Spielhärte und Unnachgiebigkeit der Frauen auf beiden Seiten. Im Gegenteil. Kämpferischer Frauenbasketball auf höchstem Niveau macht Laune.
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