"AI Force": Will Trump plötzlich doch die KI regulieren?
Entwickler, die vor ihren eigenen Produkten warnen - und eine Regierung, die nichts dagegen tun will. Das war die Gemengelage angesichts der Sorgen vor übermächtig werdenden KI-Modellen in den USA in der ersten Septemberhälfte.
Mehrere Entwickler und Entscheider aus großen KI-Unternehmen hatten gefordert, die Entwicklung der Technologie zu verlangsamen. Daraufhin setzte US-Präsident Donald Trump einen seiner typischen Großbuchstaben-Posts ab, in denen er ihre Sorgen als "HOAX" (Schwindel) abtat. Wann in der Geschichte der Wirtschaft habe man schon einmal erlebt, dass eine Branche Regulierung fordere, die sie selbst in den Bankrott stürzen würde?
Vor diesem Hintergrund war es mindestens eine Überraschung, als Trump am Wochenende nach einer weiteren Tirade über diverse angebliche Schwindel der Demokraten ankündigte, eine "AI Force" aufzubauen und einen Sonderbeauftragten für das Thema zu ernennen.
Was hat Trump genau angekündigt?
Trump versprach in seinem Post, er werde das Wachstum der Branche keinesfalls ausbremsen, aber zugleich mit den bestehenden Strafverfolgungssystemen nach "SCHLECHTEM" zu suchen. "Zu diesem Zweck baue ich die AI Force auf", schrieb Trump.
In naher Zukunft werde er außerdem einen KI-Sonderbeauftragten vorstellen. Für diesen Posten er "ausschließlich Personen mit hohem IQ" auf, sich zu bewerben. Was genau die Aufgaben und Befugnisse eines solchen Beauftragten sein sollen, und mit welchen Mitteln die Stelle ausgestattet werden soll, ließ Trump offen.

Trumps Vorstoß könnte ein Versuch sein, einen Vorstoß des demokratischen Gouverneurs Gavin Newsom aus Kalifornien auszuhebeln. Dieser hatte am Vortag angekündigt, ein Gremium zur Regulierung der im Silicon Valley ansässigen Tech-Unternehmen aufzubauen.
Newsom will diese unter anderem dazu verpflichten, einen Not-Aus-Schalter in ihre Programme einzubauen, mit dem außer Kontrolle geratene KI-Agenten von Menschen gestoppt werden könnten. Mehrere Bundesstaaten, darunter auch republikanisch geführte, drängen auf Regulierung.
Angst vor Chinas Dominanz
Das aktuelle "KI-Rennen" zwischen den USA und China wird mitunter mit dem damaligen Wettrennen zum Mond zwischen den USA und der ehemaligen Sowjetunion in den 1960ern verglichen. Aktuell gelten mehrere US-Konzerne als führend - und damit das so bleibt, will Trump ihnen weiter freie Hand lassen.
Dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche Interessen: Es besteht die Sorge, dass eine chinesische Dominanz im Bereich Künstliche Intelligenz auch einen Aufstieg Pekings zur alleinigen Supermacht nach sich zöge.

Dario Amodei, CEO von Anthropic, warnte in seinem vielbeachteten Aufsatznicht nur vor den Folgen einer weiter ungebremsten Entwicklung der KI. Er benennt auch mögliche Folgen der KI-Konkurrenz zwischen USA und China.
"Wenn wir die Fähigkeiten unserer KI deutlich beschränken, aber China nicht, dann könnte die KI so mächtig werden, dass sie China zu einer geopolitischen Dominanz verhilft", so Amodei.
"Deshalb muss ein mögliches Abkommen entweder hieb- und stichfeste Überprüfbarkeit beinhalten, oder es muss so weit begrenzt werden, dass ein Überlaufen nicht militärisch existenziell wäre."
Wie sieht Chinas eigene Regulierung aus?
In China sind technologische Entwicklungen traditionell viel enger an staatliche Zielvorgaben geknüpft als in freien Marktwirtschaften westlicher Prägung. Schon 2017 erließ der chinesische Staatsrat einen Entwicklungsplan für eine neue Generation künstlicher Intelligenz.
Ein anderes Strategiepapier sieht Meilensteine vor, mit denen China bis 2030 die globale Vorherrschaft im KI-Bereich anstrebt. Durchgesetzt werden die Regularien federführend von der chinesischen Cyberspace-Behörde CAC, die auch Lizenzen vergibt.
Die Regulierung in China stellt sicher, dass die KI-Modelle der offiziellen politischen Doktrin nicht zuwiderlaufen. So gibt der chinesische KI-Chatbot Deepseek durchweg regimetreue Antworten zu politisch heiklen Fragen, etwa nach Taiwan, dem Tiananmen-Massaker oder die Unterdrückung der Uiguren, wie die DW Anfang 2025 in einem Versuch dokumentierte.

Die Grundlogik der chinesischen Regulierung basiert also auf der Frage: Wie verhält sich ein KI-System im Verhältnis zu den staatlichen Zielen? Das ist ein deutlicher Unterschied zu der risiko-zentrierten Regulierung, wie sie etwa der europäische AI-Act vorsieht, und wie sie nun in den USA gefordert wird.
Steht eine KI-Vereinbarung zwischen USA und China bevor?
Am Donnerstag erwartet Trump den chinesischen Staatschef Xi Jinping zu einem Staatsdinner im Weißen Haus. Das Thema KI dürfte sehr weit oben auf der Tagesordnung stehen.

Denn im Raum steht ein Vorschlag der USA, einen Mechanismus zum Informationsaustausch über ernsthafte Gefahren von KI einzurichten. Der Vorschlag war bereits Thema bei einem Treffen von Chinas Vizepremier He Lifeng und dem US-Finanzminister Scott Bessent am Sonntag in New York.
Bessent sprach von "sehr erfolgreichen" Verhandlungen, und erläuterte: "Wir glauben, dass es wie bei jeder anderen grenzüberschreitenden Aktivität sehr wichtig ist, dass sich die KI-Großmächte Nummer eins und zwei in Richtung von mehr Transparenz bewegen."
Ob sie dies tatsächlich tun, dürfte dann den beiden Präsidenten vorbehalten bleiben. Denn für sie sind mögliche Transparenz-Verpflichtungen bei KI längst nicht der einzige Konfliktpunkt für die Verhandlungen.
So sind Handelsbeschränkungen für leistungsstarke KI-Chips und seltene Erden seit Jahren Dauerthema, und auch die Verlängerung eines Grundlagenabkommens beim Handel steht auf der Tagesordnung.
Inwieweit das gegenseitige Vertrauen auch für gegenseitige KI-Zugeständnisse reicht, dürfte sich erst bei dem Treffen selbst zeigen.
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