Tour droht Chaos – Wegen Macklemore-Ausladung: Ed Sheeran verliert alle Vorbands

Darum geht es: Sänger Ed Sheeran tourt derzeit mit seiner «Loop»-Tour durch die USA. Als Vorband war unter anderem der Rapper Macklemore engagiert – bekannt durch Hits wie «Thrift Shop», aber auch für seinen politischen Aktivismus. Am 5. September rief er nun bei einem Konzert in New Jersey «Free Palestine» und spielte «Hind’s Hall», einen Protestsong für die fünfjährige Palästinenserin Hind Rajab, die von israelischen Truppen in Gaza getötet worden war. Macklemore wurde daraufhin von der Tour ausgeschlossen. US-Milliardär Robert Kraft, Besitzer mehrerer Stadien auf Sheerans Tournee, hatte Druck auf den Veranstalter ausgeübt, den Rapper nicht weiter auftreten zu lassen. Zudem hatte die Organisation Israeli-American Council eine Petition gestartet. Ed Sheeran steht nun jedoch komplett ohne Vorbands da.
Das ist das Echo auf das Macklemore-Aus: Gleich vier Acts, die als Ersatz für Macklemore oder als Support vorgesehen waren, sagten aus Solidarität mit dem Rapper ihre Auftritte auf Sheerans Tour ab. Darunter sind der Ire Aaron Rowe und die dänische Band Lukas Graham. Die irische Gruppe Beoga, die mit Sheeran mehrere Songs geschrieben hat, erklärte: «Wir sind Iren, die Kolonialismus kennen.» Finneas O'Connell, Bruder und Produzent von Weltstar Billie Eilish, schrieb: «Künstlerinnen und Künstler dürfen nicht zum Schweigen gebracht werden.»
Macklemore selbst erhielt Unterstützung von pro-palästinensischen Gruppen, Kunstschaffenden und Politikerinnen und Politikern. Auf der Gegenseite kritisieren pro-israelische Gruppen und etwa die jüdische Sängerin Pink Macklemores Auftritte als Gefährdung der Sicherheit jüdischer Konzertbesucherinnen und -besucher. Der Streit dreht weiter: Sheeran soll gerade innert 24 Stunden etwa 200'000 seiner Follower auf Instagram verloren haben.
Wie reagiert Ed Sheeran? Der Sänger versucht, sich aus dem Fokus zu nehmen: Die Entscheidung sei jene des Tourveranstalters gewesen, schrieb er auf Instagram. Er habe unter anderem persönlich mit Robert Kraft gesprochen und versucht, zu vermitteln – ohne Erfolg. Er respektiere Macklemores Haltung, sein eigener Ansatz sei jedoch ein anderer: Seine Konzerte seien ein Ort des Zusammenkommens – kein politisches Forum. Sheeran sagte, er sei entsetzt über den Nahost-Konflikt, und ergänzte: «Nur weil ich mich dazu nicht öffentlich äussere, heisst es nicht, dass ich keine persönliche Meinung habe und auch nicht, dass es mir egal ist.»
Wie geht es nun weiter? Ed Sheerans Tour läuft noch bis November in den USA, danach sind Konzerte in Mexiko und Südamerika geplant. Ob er neue Vorbands findet – und ob diese ebenfalls unter Druck geraten – bleibt offen. In Deutschland hatte kürzlich ein ähnlicher Fall für Schlagzeilen gesorgt, als die Band Alphaville vom «Glücksgefühle»-Festival ausgeladen wurde. Der Grund: Die Musiker hatten auf die Freiheit bestanden, sich auf der Bühne für Demokratie zu äussern – etwa im Kontext der zu dem Zeitpunkt anstehenden Wahl in Sachsen-Anhalt. Der Festivalveranstalter entschuldigte sich später öffentlich und lud Alphaville wieder ein – die Band lehnte ab.
SRF 1, Tagesschau kompakt, 16.9.2026, 12:45 Uhr ; Agenturen/gert/minj
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