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Monday, October 5, 2026

Israel gedenkt der Opfer des Hamas-Angriffs vor drei Jahren

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Mit Gedenkminuten und Halbmastbeflaggung an Parlament und Sitz des Präsidenten gedenkt Israel der Opfer des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 und des dadurch ausgelösten Mehrfrontenkriegs.

Der israelische Präsident Izchak Herzog rief das israelische Volk zur Einheit auf. "Mitten im Wahlkampf müssen wir genau hinschauen und die unübersehbaren Warnsignale beachten, die auf tiefe Spaltungen und gefährliche Gräben hinweisen", sagte er bei einer staatlichen Gedenkfeier auf dem Jerusalemer Herzlberg. Auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nahm daran teil.

In den drei Jahren seither habe Israel "als Nation unfassbare Tiefpunkte erlebt" und sei gleichzeitig "zu unfassbaren Höhen aufgestiegen", so Herzog. Das Land und seine Menschen hätten angesichts immensen Schmerzes durch die Verluste eine enorme Stärke gezeigt. Herzog erinnerte daran, dass der Angriff der radikalislamischen Hamas Menschen aus "allen Schichten des israelischen Volkes, aus jedem Winkel Israels, mit jeder Weltanschauung, jeder Religion, jedem Glauben, jeder politischen Richtung und jeder Lebensweise" getroffen habe. 

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Flagge auf halbmast, Gedenkkränze niedergelegt

Um 6.29 Uhr, der Uhrzeit, die den Beginn des Angriffs markiert, wurden die Flaggen vor der Knesset sowie vor der Jerusalemer Residenz des Staatspräsidenten auf halbmast gesetzt. Vor der Knesset wurden zudem Kränze niedergelegt und eine Gedenkkerze entzündet. Der Tag sei "zudem der Ehrung all jener gewidmet, die körperlich und seelisch verletzt wurden und bis heute die Wunden des 7. Oktober und des Krieges in sich tragen", erläuterte das Präsidialamt.

Der staatliche Gedenktag richtet sich nach dem hebräischen Kalender. Zum Jahrestag des Angriffs nach dem gregorianischen Kalender sind für Mittwoch landesweit weitere Gedenkfeiern und Ausstellungen geplant. Regierungskritische Gruppen kündigten Proteste und Demonstrationen an, unter anderem vor Häusern von Politikern, die am 7. Oktober 2023 in Regierungsverantwortung waren.

Israel Jerusalem 2026 | Benjamin Netanjahu legt Kranz bei Gedenkfeier zum 7. Oktober nieder
Auch Premier Benjamin Netanjahu legte einen Kranz nieder Bild: Debbie Hill/REUTERS

Warnung vor anti-israelischen Protesten 

Ein Regierungsbericht warnt indes vor anti-israelischen Protesten weltweit. Das israelische Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten und Bekämpfung von Antisemitismus geht darin von 262 Veranstaltungen zwischen dem 1. und 14. Oktober aus. "Etwa ein Drittel aller identifizierten Ereignisse - insgesamt 87 - werden als mittleres oder hohes Risiko eingestuft", teilte die Behörde mit. Die Länder mit der höchsten Anzahl identifizierter pro-palästinensischer Veranstaltungen sind laut dem Ministerium die USA (45), Spanien (40), Australien (21), Großbritannien (19) und Italien (16). In Deutschland soll es demnach 14 Protest-Events geben, in Frankreich zehn und in den Niederlanden acht.

Die Hamas hatte am 7. Oktober 2023 Israel überfallen und rund 1200 Menschen getötet sowie mehr als 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. In dem Küstengebiet am Mittelmeer wurden seit Kriegsbeginn nach palästinensischen Angaben mindestens 72.000 Palästinenser getötet. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Studie: "neue antisemitische Normalität" in Deutschland

In Deutschland sind Jüdinnen und Juden einer Untersuchung zufolge mit einer "neuen antisemitischen Normalität" konfrontiert. Ausgrenzung und Diskriminierung kämen aus allen Teilen der Gesellschaft, teilte die Antidiskriminierungsstelle des Bundes anlässlich der Vorlage der von ihr geförderten Studie über die Auswirkungen des Terroranschlags auf jüdische und israelische Gemeinschaften in Deutschland mit.

Deutschland Berlin 2023 | Solidaritätsdemo für Israel vor dem Brandenburger Tor
Jüdinnen und Juden spüren zunehmend Antisemitismus in Deutschland Bild: Stefan Boness/IPON/picture alliance

In der Forschungsarbeit wurde über zwei Jahre untersucht, wie Jüdinnen und Juden hierzulande den Terrorangriff und die Zeit danach erlebt haben. 118 Personen nahmen daran teil. In Einzelinterviews und Gruppendiskussionen ging es darum, was der 7. Oktober für sie persönlich bedeutet, ob die Befragten körperliche oder psychische Veränderungen bemerkt haben oder wie sie ihre Zukunft in Deutschland sehen.

Befragte fühlen sich in Deutschland nicht sicher

Die Inszenierung der Angriffe und ihre gezielte mediale Verbreitung habe den Studienteilnehmern die Botschaft vermittelt, dass auch sie, obwohl sie in Deutschland lebten, nicht sicher seien und ein legitimes Angriffsziel sein könnten, heißt es in der Studie. Nach dem Terroranschlag erlebten sie zudem auch im Freundes- und Bekanntenkreis Gleichgültigkeit, Schweigen "oder wie sofort auf routinierte Deutungen des Nahostkonflikts zurückgegriffen wird". 

Viele schilderten die Erfahrung, dass ihnen nicht nur zwischenmenschliche Anteilnahme und Empathie verweigert werde, sondern sie als jüdische Person unmittelbar als Stellvertreter Israels adressiert würden. "Sie werden mit Umdeutungen und Relativierungen des Massakers, der Geiselnahmen und des Raketenterrors" gegen Zivilisten "und mit einseitigen Schuldzuweisungen an Israel konfrontiert".

Deutschland Berlin 2026 | Ferda Ataman bei Vorstellung des NaDiRa-Monitoringberichts
Die Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, sieht die Benachteiligung jüdischer Mitbürger durch die Studie belegtBild: M. Popow/Metodi Popow/picture alliance

Interviewpartner berichteten außerdem von "offensiven Konfrontationen im analogen und digitalen Raum", die teilweise bereits am Abend des 7. Oktober erfolgten und sich seitdem kontinuierlich fortsetzten. Der Druck, sich für die eigene Herkunft und Identität rechtfertigen zu müssen, führe bei Kindern, Jugendlichen wie Erwachsenen zu sozialem Rückzug, psychischer Belastung, verstärkten Sicherheitsabwägungen und schränke ihre gesellschaftliche Teilhabe ein.

Bundesbeauftragte sieht Gesetzeslücke 

"Die Studie offenbart das ganze Ausmaß antisemitischer Diskriminierungen", sagte die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman. "Wer offen zugibt, jüdisch zu sein oder aus Israel zu kommen, riskiert existenzielle Konsequenzen: von der Benachteiligung bei der Wohnungs- und Arbeitssuche über Verweigerung der Bedienung im Restaurant bis hin zu Mobbing in Kita und Klassenzimmer." Ataman forderte einen besseren Schutz von Jüdinnen und Juden vor Diskriminierung, etwa an Schulen oder Hochschulen. "Bislang klafft hier leider eine große Schutzlücke in der Gesetzgebung."

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