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Sunday, October 11, 2026

Puppentheater löst toxische Männlichkeit: Problematische Männer werden zu Weltraummüll

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In der Schaubude fragt das Puppenensemble Lovefuckers nach dem Umgang mit toxischer Männlichkeit. Die Lösung? Ein Wettbewerb, bei dem die Gewinner ins All geschossen werden.

Ann Toma-Toader

Die Männer müssen weg, da ist sich der Rat der hohen Tiere im Universum sicher. Die hohen Tiere, das sind Papagei, Hai, Wolf und drei Babys, allesamt Handpuppen im Theaterstück „Galaxy Men“ an der Schaubude Berlin, schauen auf die aktuelle Weltlage runter und müssen nicht lange überlegen. Schon klar, nicht alle Männer sind schuld am sich anbahnenden Weltuntergang, aber immerhin ist die eindeutige Mehrheit der Regierungsoberhäupter Männer, und sie führen die meisten Kriege und Konflikte an.

Wie kann man sich also um dieses doch so eindeutige Problem kümmern? Am besten – so erscheint es dem Rat – sollten die toxischen Männer ins All geschossen werden, wo sie einen langen, einsamen und qualvollen Tod sterben. Einfacher gesagt jedoch als getan, denn solche Männer tun nicht so gern, was man ihnen sagt; dann kommt den hohen Tieren die zündende Idee: Ein Wettbewerb muss her, bei dem sich zeigen soll, wer der Beste ist im Toxisch-männlich-Sein. Schließlich lieben Männer es, der Beste bei etwas zu sein, egal worum es sich dabei handelt.

Gespielt werden die Puppen vom Ensemble „Lovefuckers“, bestehend aus Anna Menzel, Ivana Sajević und Annemie Twardawa. Die drei sind auch auf einer Videoprojektion in jeder Umbauphase zu sehen; ein KI-generiertes Video zeigt sie immer wieder in hautengen Ganzkörperanzügen in Metallic-Optik, wie sie von Yachten ins Wasser springen, Hochhäuser erklimmen, durch Wüsten stolzieren und aus Hubschraubern springen.

Menzel, Sajević und Twardawa spielen auch die Moderatorinnen des Wettbewerbs, der wie eine Fernsehsendung gestaltet wird, komplett mit KI-generiertem Logo und KI-generierten Zwischentiteln. Das Stück gliedert sich in die Suche nach geeigneten Kandidaten und den eigentlichen Wettbewerb, der aus zwei Herausforderungen besteht: einem Parcours und einem Persönlichkeitstest. Der Wettbewerb punktet zwar durch humorvollen Dialog, verliert sich jedoch in der Repetition des immer gleichen Ausgangs und tendiert dazu, sich so in die Länge zu ziehen.

Auch die unproblematischen Männer finden einen Platz

Zwei Tanz- und Gesangeinlagen von Menzel, Sajević und Twardawa als Puppen-Boyband „Fake That“, mit ihrem Lied „Incel“, überzeugen mit präzise abgestimmter und dynamischer Choreografie. Dafür haben sie sich ab der Hüfte ihre Puppen umgeschnallt, sodass sie hinter den oberkörperfreien Boyband-Sängern verschwinden und es aussieht, als ob die Puppen Menschen wären, die von alleine geschmeidig zur Musik tanzen.

Als ob die Puppen Menschen wären, die von alleine geschmeidig zur Musik tanzen

Um die Kandidaten kennenzulernen, bekommt das Publikum durch kleine Szenen Einblicke in deren alltägliches Leben. Da gibt es zum Beispiel den kleinen Moe, der einsam und ziellos am Handy Looksmaxxing-Videos schaut, bis ihn Andrew Great, angelehnt an den rechten Manosphere-Influencer Andrew Tate, davon überzeugt, dass er nur genug Klimmzüge machen müsse, dann klappe das auch „mit den Bitches“.

Prince Andrew und seine Adelsfreunde gehen im Wald vom Aussterben bedrohtes Wild jagen und freuen sich darüber, dass der Adel sein Erbe nur über die männliche Linie erhalten kann. Drei Ken-Puppen lassen sich ihren lasziven Lifestyle von „Daddy“ finanzieren und verstecken ihre Queerness, aus Angst, enterbt zu werden. Alle Puppen sind nackt, ihre Körper lang, rund oder übertrieben durchtrainiert dargestellt.

Auch die unproblematischen Männer finden einen Platz. Als Nachzügler nimmt Berti am Wettbewerb teil; er arbeitet in der Reinigung für die Show und scheint am ganzen Macho-Gehabe nicht interessiert zu sein. Zum Glück verliert er und muss nicht ins All geschossen werden. Zusammen mit Moe bleibt er auf der Erde übrig. „Schöne Aussicht“, sagt Berti zum Abschluss und der Rat antwortet „Ja, schöne Aussichten.“

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