VW kündigt Tarifverträge: Was heißt das für Beschäftigte?
FAQ
VW kündigt Tarifverträge Welche Folgen der Sparkurs für die Belegschaft hat
Stand: 01.10.2026 • 15:19 Uhr
Im Zuge des verschärften Sparprogramms hat das Volkswagen-Management einen Großteil der bestehenden Tarifverträge gekündigt. Was bedeutet das für Beschäftigte?
Wie viele Tarifverträge hat VW gekündigt?
Es handelt sich um zehn von dreizehn Tarifverträgen - und damit laut der Gewerkschaft IG Metall um "praktisch die gesamte VW-Haustarifpalette". Dazu gehören der Entgelttarifvertrag, der Manteltarifvertrag, ebenso der Ausbildungstarifvertrag und der Rahmentarifvertrag für Beschäftigte mit Spezialisten- oder Führungsfunktionen.
Was ist in diesen Verträgen geregelt?
Der Manteltarifvertrag bündelt unter anderem Regeln zu Arbeitszeit und Urlaub. Im Kern dürfte es also um die Arbeitszeit der VW-Beschäftigten gehen, um freie Tage sowie Sonderzahlungen, aber auch um sogenannte Eingruppierungen in Gehaltsgruppen. Das heißt konkret: welche Tätigkeit wie bezahlt wird.
Der Manteltarifvertrag enthält der IG Metall zufolge auch Schutzrechte für ältere Beschäftigte und Menschen, die ihre bisherige Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können.
Bei den gekündigten Abschnitten des Ausbildungstarifvertrags geht es um die Übernahme von Auszubildenden und dual Studierenden. Welche Änderungen Volkswagen konkret durchsetzen will, ist noch offen.
Welche Beschäftigten sind betroffen?
Es geht um die Beschäftigten der Volkswagen AG in Deutschland. Dazu zählen die Marken Volkswagen Pkw und Nutzfahrzeuge, die Komponentensparte und zentrale Konzernbereiche.
Der Haustarif bei Volkswagen gilt für rund 130.000 Beschäftigte in Deutschland. Von dem Schritt nicht betroffen sind VW-Töchter wie Audi oder der Sportwagenbauer Porsche.
Was kann sich ändern - und ab wann?
Die Verträge sind fristgerecht zum 31. Dezember 2026 gekündigt. Die Kündigungen könnten damit bereits zum 1. Januar 2027 wirksam werden. Die Gewerkschaft IG Metall schreibt aber in ihrer Mitteilung dazu: "Rechtlich bedeutet eine Kündigung eines Tarifvertrags nicht, dass sämtliche darin enthaltenen Regelungen unmittelbar wegfallen." Zum Teil gebe es eine unterschiedliche Nachwirkung.
Die konkreten Einschnitte hängen ohnehin von Verhandlungen ab. Die Tarifverträge müssen nun zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern neu ausgehandelt werden. VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo rechnet mit einer "heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel".
Droht der Wegfall von Arbeitsplätzen?
Wichtig ist aus Sicht der Gewerkschaft: "Die Beschäftigungssicherung ist von den aktuellen Kündigungen nicht betroffen." Sie sei bis Ende 2030 befristet und könne vor Ablauf dieser Frist auch gar nicht gekündigt werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind also weiter ausgeschlossen.
Das bedeutet aber nicht, dass keine Stellen wegfallen: 2024 war auch ein sozialverträglicher Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 vereinbart worden. Er soll etwa über Altersteilzeit und Abfindungen erfolgen.
Könnte es zu längeren Arbeitszeiten kommen?
Möglicherweise. Bei anderen Autobauern gibt es bereits eine Debatte über eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa sieht auch das VW-Management in längeren Arbeitszeiten eine Möglichkeit, die Kosten zu senken.
Eine konkrete Forderung gibt es noch nicht. Das Thema könnte aber zu einem späteren Zeitpunkt auf den Tisch kommen, hieß es aus Konzernkreisen. Für die VW-Beschäftigten in Deutschland gilt bislang eine 35-Stunden-Woche.
Was will das VW-Management mit der Kündigung der Verträge erreichen?
VW muss seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern und Kosten senken. "Mit Blick auf den aktuellen Kostendruck" müssten aus Sicht des Unternehmens verschiedene Regelungen in den Verträgen angepasst werden, erklärte Volkswagen zur Begründung. Mit der Kündigung werde ein Verhandlungsraum geöffnet. Ziel sei es, alle weiteren Möglichkeiten eines sozialverträglichen Personalabbaus vollständig auszuschöpfen.
Das wirtschaftliche Umfeld hat sich nach Angaben des Personalvorstands der Marke Volkswagen, Arne Meiswinkel, für die Autoindustrie und damit auch für VW gravierend verschärft. "Diese Marktveränderungen sind strukturell und tiefgreifend. Unter anderem drängen chinesische Hersteller mit günstigen Exporten nach Europa."
Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat sich angesichts der Probleme in der Branche auf den Zukunftsplan 2030 des Vorstands geeinigt. Dieser soll Volkswagen deutlich profitabler machen. Das Management um VW-Chef Oliver Blume hat seitdem ein Mandat, den Konzern umzubauen und Milliarden einzusparen.
Wie reagieren Betriebsrat und Gewerkschaft?
Das VW-Management stellt nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter zentrale tarifliche Errungenschaften infrage. Laut der IG Metall will Volkswagen den Beschäftigten "bereits ab Januar unmittelbar ins Portemonnaie greifen - und stellt zugleich Leistungen infrage, die über Jahrzehnte tariflich erkämpft wurden".
Niedersachsens IG-Metall-Chef Thorsten Gröger sagte, VW versuche, die wirtschaftlichen Herausforderungen des Konzerns bei denen abzuladen, die das Unternehmen jeden Tag am Laufen hielten. "Während Gewinne privatisiert werden, sollen unternehmerische Kosten und Risiken nun auf die Belegschaft verlagert werden. Das werden wir nicht hinnehmen."
VW-Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo warf dem Management einen Erpressungsversuch vor: Zunächst würden Werke mit dem Aus bedroht - um dann die nächsten Tarifeinschnitte durchsetzen zu können.
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