Rückblick auf das Wahljahr 2026: Die Jugend scheißt auf die Mitte!

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Foto: Sonja Trabandt
Junge Menschen wählen anders als erhofft: Das Wahljahr zeigt einen klaren Bruch der Jugend mit der Mitte. Mehr dazu im Podcast „Mauerecho“.
Die Mitte verliert die Jugend. Und sie sollte sich nicht einreden, das liege bloß an einem schlechten Social-Media-Auftritt im Wahlkampf. Das Wahljahr 2026 war kein Jahr der Gleichgültigkeit. Im Gegenteil: Die Wahlbeteiligung stieg in allen fünf Ländern. In Sachsen-Anhalt um 17,5 Punkte auf 77,8 Prozent, in Berlin um 11,3 Punkte, in Mecklenburg-Vorpommern um 7,3 Punkte. Menschen sind nicht politikmüde. Sie treffen nur andere Entscheidungen, als die Mitte gehofft hatte.
Woher soll die Zuwendung junger Menschen zur Mitte auch kommen? Die Trendstudie „Jugend in Deutschland“ hat herausgefunden, dass ein Drittel der 14- bis 29-Jährigen psychologische Behandlung benötigt. Ein Fünftel denkt darüber nach, auszuwandern, um im Ausland bessere Zukunftsperspektiven zu finden, die sie hier offenbar nicht mehr sehen. Das beobachtet auch Phil, der auf seinen Social-Media-Kanälen Politik und politische Kommunikation einordnet und selbst noch studiert: „Junge Menschen brauchen eine Perspektive. […] Wenn ich mir mein Studium nicht finanzieren kann, obwohl ich in zwei bis drei Jobs arbeite, dann werde ich frustriert. […] Wenn ich von meinem Ausbildungsgehalt nicht bei meinen Eltern ausziehen kann, weil es nicht reicht, dann haben wir ein Problem.“
Besonders deutlich wird das bei jungen Wählerinnen und Wählern in Mecklenburg-Vorpommern: Hier kam die CDU bei den Unter-30-Jährigen auf 2 Prozent. In Sachsen-Anhalt erreichte die SPD in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen 9 Prozent. Die AfD lag dort bei 44 Prozent, in MV bei 37 Prozent. Gleichzeitig wählten in Berlin 47 Prozent der jungen Menschen die Linke.
taz panterstiftung
Durch Spenden an die taz panterstiftung werden unabhängige und kritische Journalist:innen vor Ort und im Exil im Rahmen der Projekte „Tagebuch Krieg und Frieden“ sowie „Unser Fenster nach Russland, Belarus und in andere postsowjetische Länder“ finanziell unterstützt. Am letzten Tag jedes Monats erscheint unser Podcast "Freie Rede", in dem Stimmen aus Projekten der Stiftung zu Wort kommen.
Wo sind die jungen Menschen auf Parteilisten?
Junge Menschen fehlen aber nicht nur in den Wahlergebnissen der Mitte. Sie fehlen oft auch auf Listen, in Entscheidungsräumen und als Adressatinnen und Adressaten politischer Angebote. Deshalb wurde unser Gast Karoline Herrmann gefragt, wie gut die junge Generation in den Strukturen der CDU Mecklenburg-Vorpommern vertreten ist: „Wenn das der Fall wäre, dann würden Listenaufstellungen vielleicht auch schon anders laufen. Ich glaube, da haben wir jetzt eine große Chance, uns strukturell ein bisschen anders aufzustellen – zwischen jungen und erfahrenen Kolleginnen und Kollegen, Mann, Frau und auch weiteren Diversitätsmerkmalen.“
Wer junge Menschen dann sechs Wochen vor der Wahl mit einem hastig produzierten Social-Media-Video erreichen will, wirkt nicht nahbar, sondern aufgesetzt. Und die AfD? Sie gewinnt nicht einfach, weil sie Tiktok verstanden hat. Sie ist da, wo andere fehlen: mit Fan-Accounts, Veranstaltungen, lokalen Gruppen und dem Gefühl, dazuzugehören.
„Es gibt ja diese Grafiken, dass die AfD gar nicht so überproportional viel mehr Videos hochlädt als die anderen Parteien. Der Erfolgsfaktor der AfD ist einfach, dass sie viel besser ausgespielt werden. […] Die AfD hat so viele Fan-Accounts, so viele vermeintlich neutrale Accounts, die aber irgendwie dann noch mit dranhängen, die einfach ihre Points noch viel besser pushen kann, in die Weite des Netzes hinein. Das gibt es bei etablierten Parteien nicht“, sagte Phil.
Sie bietet Anschluss. Genau das macht sie so gefährlich. Die Frage ist deshalb nicht nur, wie Parteien besser kommunizieren. Sondern: Wen lassen sie mitentscheiden – und für wen machen sie überhaupt Politik?
„Mauerecho – Ost trifft West“ ist ein Podcast der taz panterstiftung. Er erscheint derzeit jede Woche auf taz.de/mauerecho sowie überall, wo es Podcasts gibt. Besonderer Dank gilt unserem Sounddesigner Sebastian Jautschus und unserem Praktikanten Kilian Hamidi.
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