InquirerPiston protests World Bank-led transport conference in BaguioCNN TürkBeşiktaş'a yıldız futbolcularından iyi haberInquirer EntertainmentMiss Universe factions clash over 2027 host country claimsThe Jerusalem PostThree killed, several wounded following two attacks on Saudi Arabia's King Khalid airportESPN DeportesMessi entrenó con Inter Miami tras homenajePunchMother, daughter die in Anambra three-storey building collapseBollywood HungamaMeezaan Jafri headlines Killer Jeans' Genes of India campaignEl ComercioTrump niega un ataque contra Irán antes de las elecciones, pero el Pentágono prepara opciones de combateZDF heuteAktuelle Pressemitteilungen des ZDFStraits Times SportMaddinson's test return for Australia after cancer treatment ends in duckCollider10 Essential Anime Shows That Belong on Every Fan's Bucket ListBBC News BrasilQuem é Navi Pillay, sul-africana que ganhou o Nobel da Paz 2026 e julgou genocídio em Ruanda
The Daily Newsstand · Free, Always
Friday, October 9, 2026

Leihen und gescheiterte Talente: Warum ist Werder Bremen so arm?

Translate

Thomas Eichin, Frank Baumann und Clemens Fritz mussten bei Werder Bremen immer das Gleiche sagen: Für große Sprünge fehlt das Geld. Markus Pilawa sollte das mit kluger Kaderplanung ändern. Jetzt ist er schon wieder weg.

Gerade einmal vier Monate dauerte die Ära Markus Pilawa bei Werder Bremen. Erst Ende Mai hatte der ehemalige Chefscout von Borussia Dortmund und Bayern München als neuer Kaderplaner übernommen. Er sollte Werders Transferpolitik auf eine neue Stufe heben, entwicklungsfähige Spieler finden und damit ausgerechnet jenes Problem lösen, das den Verein seit Jahren verfolgt: Werder muss Werte schaffen, um finanziell überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben.

Den Verein verlassen habe er aus persönlichen Gründen, das Verhältnis zwischen ihm und dem Verein sei sehr gut und “geprägt von großem Vertrauen“, sagt Fritz. Dennoch, für Werder kommt der Abgang zur Unzeit. Denn kaum ein Mitarbeiter stand so sehr für den Versuch, aus einem Kreislauf auszubrechen, der den Klub seit Jahren beschäftigt.

Besonders sichtbar werden die Probleme auf dem Transfermarkt. Neuzugänge sind selten, kommen oft spät, häufig auf Leihbasis und schlagen zu selten ein. Spielräume durch hohe Verkaufserlöse sind kaum vorhanden. Sportchef Clemens Fritz sowie seine Vorgänger stehen regelmäßig in der Kritik. Doch das Problem ist größer als eine Person: Werder fehlt das Geld, um dauerhaft auf dem Transfermarkt mitzuspielen.

Die fehlenden Millionen

Werder ist nicht zahlungsunfähig, leidet aber unter einem strukturellen Defizit: Die laufenden Einnahmen reichen nicht aus, um die Ausgaben zu decken. Geschäftsführer Klaus Filbry bezifferte die jährliche Lücke zuletzt auf 15 bis 17 Millionen Euro. Sie muss vor allem durch Transferüberschüsse, höhere TV-Einnahmen oder externes Kapital geschlossen werden.

615198349
Für Mio Backhaus kassierte Werder Bremen gutes Geld. (Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Das erklärt das Bremer Transferparadox. Die jüngsten Verkäufe von Mio Backhaus, Romano Schmid und Karim Coulibaly sollen rund 40 Millionen Euro eingebracht haben. Nach Abzügen, Restbuchwerten und der Zuordnung zu verschiedenen Geschäftsjahren blieb laut dem stets gut informierten Werder-Portal “Deichstube” ein Transferüberschuss von 16,5 Millionen Euro – ungefähr so viel, wie Werder jährlich zum Ausgleich seines Defizits benötigt. Das Geld ist also nicht verschwunden. Es finanziert den laufenden Betrieb.

Ein rasanter Abstieg

Werders heutige Finanzlage begann mit dem Ende seiner sportlich erfolgreichsten Zeit. In der Saison 2009/10 spielte der Klub noch in der Champions League, erreichte das DFB-Pokalfinale und nahm rund 130 Millionen Euro ein. Drei Jahre später war der Umsatz auf etwa 90 Millionen Euro gefallen. Die Einnahmen aus Europapokal und internationaler Vermarktung brachen weg, dem Verein gelang es jedoch nicht die Kosten ausreichend zu reduzieren. Damaliger Geschäftsführer für Finanzen: Klaus Filbry. Trotz Einsparungen, etwa beim Personal, summierten sich die Verluste innerhalb weniger Jahre auf annähernd 38 Millionen Euro. Ein großer Teil des in den erfolgreichen Jahren aufgebauten Eigenkapitals war damit aufgebraucht.

Früher hat Werder seine Ausgaben auch durch profitable Transfers finanzieren können. Diego und Mesut Özil wurden für zusammen etwa elf Millionen Euro verpflichtet und später für rund 45 Millionen verkauft. Nach dem sportlichen Absturz gelangen solche Geschäfte nicht mehr regelmäßig, mehrere kostspielige Verpflichtungen erwiesen sich nicht als die erhofften sportlichen und wirtschaftlichen Wertanlagen. Große Talente wie Kevin de Bruyne? Nur ausgeliehen, ohne Kaufoption. Serge Gnarby? Ausstiegsklausel, deutlich unter Wert verkauft.

Hinzu kommt das Weserstadion. Der Umbau kostete rund 100 Millionen Euro, etwa 50 Millionen müssen Werder und die Stadiongesellschaft noch tilgen. Laut Filbry belastet der Komplex den Klub mit knapp fünf Millionen Euro pro Saison.

Corona und der Abstieg

Die Pandemie und der Abstieg 2021 verschärften die Krise. Das Geschäftsjahr 2019/20 endete mit einem Rekordverlust von 23,7 Millionen Euro. Zur Sicherung der Liquidität nahm Werder einen Kredit über 20 Millionen Euro auf, 2021 folgte eine Anleihe über rund 17 Millionen. Zwar gelang der direkte Wiederaufstieg, die finanziellen Belastungen blieben jedoch bestehen.

Auch anschließend entwickelte Werder zu wenige Spieler mit Verkaufspotenzial. „Wir haben in der Zeit keine Werte entwickelt“, sagte Filbry. Spieler, die man teuer verkaufen könnte? Fehlanzeige. Der Einstieg eines regionalen Investorenbündnisses stabilisierte zwar das Eigenkapital und ermöglichte Investitionen, beseitigte aber nicht das operative Defizit.

Werders Kreislauf ohne Wertschöpfung

Werder sieht sich als Ausbildungsverein. Finden, fördern und verkaufen. Doch diese Verbindung aus Talententwicklung und finanzieller Wertschöpfung gelingt zu selten. Zwar verpflichtet der Klub regelmäßig junge Spieler, doch sie setzen sich häufig nicht durch oder erhalten keine dauerhaft tragende Rolle. Skelly Alvero kostete fast fünf Millionen Euro, konnte sich aber weder in Bremen noch während seiner Leihe nach Frankreich nachhaltig empfehlen. Auch die hohe Investition in Samuel Mbangula führte bislang nicht zur erhofften Wertsteigerung.

image
Nick Woltemade verließ den Verein einst ablösefrei. (Foto: REUTERS)

Zugleich schöpft Werder das Potenzial des eigenen Nachwuchses nicht konsequent aus. Nick Woltemade verließ den Verein ablösefrei und brachte dem VfB Stuttgart nur ein Jahr später 75 Millionen Euro ein. Talente mit erkennbar guten Ansätzen bekommen erfahrene Spieler vor die Nase gesetzt und haben so geringere Chancen auf Spielzeit.

Wenn Transfererlöse immer wieder operative Verluste, Stadionkosten und Zinsen ausgleichen müssen, fehlt das Geld für neue Spielerwerte. So entstand ein Kreislauf: wenig Kapital, wenig Investitionsspielraum, kurzfristige Lösungen und neuer Transferzwang.

Andere können das doch auch

Die Bundesliga bietet mehrere Beispiele, wie kleine Vereine mit einer guten Strategie wirtschaftlich erfolgreich sind. Der SC Freiburg, Mainz 05 oder FC Augsburg beweisen mit guter Transferstrategie und Jugendarbeit sowie einer effizienten Kostenstruktur, wie man auch ohne das große Geld von außen Werte schaffen kann. Da muss Werder auch hin, wenn man sich dauerhaft stabilisieren möchte.

Und oft lag Werder ja auch richtig. Spieler wie Davy Klaassen oder Milot Rashica wurden in Bremen zur Stütze. Nicklas Füllkrug hatte bei Werder seinen zweiten Frühling und wurde Nationalspieler. Sportliche Werte kann Werder entwickeln, fehlt nur noch das auch zu Geld zu machen.

Wie will Werder da rauskommen?

Die eine revolutionäre Idee gibt es nicht. Und Werder schaut auch nicht tatenlos zu. Das Problem ist das strukturelle Defizit. Ein Kostensenkungsprogramm ist bei Werder allerdings nicht erkennbar, die Personalkosten in der Verwaltung steigen sogar. Denn Werder versucht das Problem andersherum anzugehen: Durch die Sicherstellung höherer Einnahmen.

581278238
Clemens Fritz ist beim SV Werder Bremen nicht unumstritten. (Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Hohe Investitionen in Campus und Leistungszentrum sollen die Nachwuchsarbeit und Spielerentwicklung nach vorne bringen. Auch die Verpflichtung von Markus Pilawa gehörte zu diesem Plan. Doch der ist jetzt wieder weg. Sportchef Clemens Fritz lässt offen, ob die Stelle überhaupt neu besetzt wird. Damit verliert Werder ausgerechnet in jenem Bereich einen zentralen Mitarbeiter, der für die wirtschaftliche Zukunft des Vereins entscheidend ist.

Denn die Strategie bleibt die gleiche: Spieler finden, ausbilden, fördern und verkaufen. Transferüberschüsse zur Finanzierung des Vereins erzielen. Durch sportlichen Erfolg und Sponsoring höhere Einnahmen generieren. Schulden und damit auch Zinsausgaben reduzieren. Allerdings: Das hat man auch die letzten 15 Jahre schon probiert.

Mehr Commitment zum System

Die Freiburgs, Mainz und Augsburgs dieser Welt sind so stabil, eben weil sie ihren Plan strikt durchziehen und große Risiken dabei vermeiden. Werder sucht zu oft nach Abkürzungen. Naby Keita, Victor Boniface oder Andre Silva, der Wunsch nach Starspielern an der Weser scheint zu verlockend zu sein. Und wenn man ehrlich ist, auch Rückkehrer Nicklas Füllkrug fällt irgendwie in diese Kategorie.

Dabei täte es Werder vielleicht gut, den propagierten Weg einfach mal durchzuziehen. Jungen Spielern wie einem Salim Musah oder Paul Erevbenagie mehr Chancen geben. Das Scouting muss man wieder kreativer gestalten. Werder Legenden wie Pizarro, Naldo oder Ailton hat man zum Beispiel direkt aus Südamerika geholt. Heute in Zeiten des Internets und KI ist das exklusive Aufspüren von Juwelen zwar deutlich schwieriger, aber auch hier zeigen andere Vereine, dass es möglich ist. Neuzugang Chuki lässt diese alte Kreativität wieder ein wenig aufblitzen.

Werder hat alle Voraussetzungen auch ein Freiburg zu werden. Aber sie müssen akzeptieren, dass das Zeit braucht und den Mut, jungen Spielern das Vertrauen zu schenken. Und die Werder Fans müssen akzeptieren, dass auch sie Geduld brauchen. Der ständige Druck auf Mannschaft und Vereinsführung führt eben zu jener Unruhe, die Vertrauen und Geduld in junge Spieler mindert. Dann werden wieder vermeintlich sichere Alternativen ausgeliehen und das ganze Chaos geht von vorne los.

View the original on n-tv →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.