The Jerusalem PostPolice officer charged with sex offenses against two colleaguesDaily MaverickAfter The Bell: The wonderful and strange business of prognosticationInquirerManila North sees 660,000 visitors on All Souls’ DayZDF heuteEntdecken Sie das ZDF-NachrichtenstudioThe Sydney Morning HeraldUS midterms 2026 LIVE updates: Donald Trump to make final election pitch from Reflecting Pool as Americans head to polls; Republican control of House and Senate under threat from DemocratsRai NewsSera 24 - Puntata del 02/11/2026الشرقإعلام إسرائيلي: نتنياهو منفتح على إجراء محادثات لتشكيل حكومة بقيادتهSRF NewsPressefreiheit in Russland – Der «Novaya Gazeta» geht die Luft austazAusschreitungen nach Gen-Z-Protesten: Und wieder als fremd markiertConsequenceBoy Throb Announce 2027 North American TourRTP DesportoTreinador do Shakhtar Donetsk respeita Tiago Fernandes e SportingBillboardThe Longest-Leading Billboard Hot 100 No. 1s: ‘Choosin’ Texas’ & More
The Daily Newsstand · Free, Always
Monday, November 2, 2026

Theater Thikwa und Glanz&Krawall: Die Rentenpunkte lösen sich in Luft auf

Translate

Hält er noch, der Generationenvertrag? Ein inklusives Ensemble lässt in Berlin Showgirls und Showboys eine Revue zum Dauerbrenner Rente tanzen.

Katja Kollmann

Golden glänzt der Vorhang im Thikwastadt-Palast. Golden glänzen auch die Showgirls und Showboys, die in Reihe ihre Beine von sich schleudern. Golden auch die großen Luftballon-Lettern, die sie über die Bühne wirbeln. Bis sich aus dem Buchsstabensalat das Motto des Abends herauskristallisiert: „Nix gibt's!“ Das inklusive Theater Thikwa und das Musiktheaterkollektiv Glanz&Krawall beackern in ihrer zweiten Zusammenarbeit den Dauerbrenner Rente. Beherzt stapeln sie hoch mit ihrer „großen Renten-Revue“, und so gibt's die Friedrichstadt-Palast-Satire gleich obendrauf.

Sarah Taylor Ellis und Jana Sotzko komponieren Songs, die sich augenzwinkernd beim Mainstream bedienen. Von Pop-Schnulze über Chanson bis zu Heavy Metal ist alles im Angebot. Und dann denkt man, Brecht und Eisler sind kurz auferstanden für das „Lied vom Generationenvertrag“, so präzise lehnen sich Sound und Duktus dem Vorbild an. Kompakt stehen die DarstellerInnen in der Bühnenmitte und intonieren im Chor: „Solidarität und Mühe statt persönlicher Ertrag, dass Gerechtigkeit erblühe in unserem Generationenvertrag“.

In den übrigen zwanzig Nummern unterzieht das Ensemble dieses Versprechen einem Wirklichkeits-Check und findet für die gegenwärtige Schieflage eindrückliche Bilder. So zum demografischen Wandel: Zuerst schultern drei, dann zwei SpielerInnen eine Großpuppe, bis Christian Schwaan allein unter der Last zusammenbricht.

Beim Rentenroulette kann das Publikum eine kleine oder große Rente gewinnen

Oder Jasmin Lutze als „Rentenfängerin von Kreuzberg“: Mit einer Flöte im Mund und einer Seifenblasenmaschine auf dem Rücken zieht sie über die Bühne bis in den Saal und verteilt Rentenpunkte, die sich in Luft auflösen. Zaubertricks werden zur Metapher: Verschwindet das Tuch für immer, dann hat auch die Inflation die Rente aufgefressen.

Sogar an die komplett absurd aussehende Rentenformel wagt sich das Ensemble, präsentiert sie auf goldenem Vlies und erklärt sie verständlich. Beim Rentenroulette kann das Publikum eine kleine oder große Rente gewinnen, gleichzeitig ist es Sinnbild für das Prinzip „Zufall“, ob es gelingt, genügend Rentenpunkte für ein menschenwürdiges Leben im Alter anzusammeln.

„Nix gibt’s – Die große Rentenrevue“ bleibt aber nicht stehen beim Thema „Gesetzliche Altersvorsorge“, sondern blickt auf das Alter im Allgemeinen. Längst ist der goldene Glitzerfummel passé, in Trainingsanzügen im 80er-Jahre-Look (Kostüme: Hsuan Huang) fitnessen sich die SpielerInnen in die Erschöpfung, während von der Seite Drums und Keyboard einpeitschen und staubtrockene Infos über den Abbau des Körpers ab 25 die Bühne fluten.

In der Showtreppe klaffen Sparlöcher

Da könnte man sich jetzt beim Zuschauen die Kugel geben: fast keine Rentenpunkte und schon längst mittendrin im körperlichen Niedergang. Aber da ist Manuela Langkowski, im Rentenalter und noch immer auf der Bühne.

Kurz vor Schluss steht sie im Spot, zart und gleichzeitig energisch singt sie: „Und morgen bin ich wieder hier/ Knochen morsch wie alter Ast/ der Leib ist hin, die Seel’ speist Himmelsbrot/ im Thikwastadt-Palast.“ Inzwischen klaffen in der Showtreppe große Löcher. Denn „die Politik“ hat während der Show Stufen abgebaut mit dem Kommentar: „Die Sparmaßnahmen müssen alle mittragen.“

Das Ensemble hat viele Fragen angesammelt und teilt sie mit dem Publikum. Zum Beispiel: Was bleibt von uns, wenn niemand mehr an uns denkt? Die letzte Frage des Abends ist: Was gibt’s im Leben umsonst? Jemand im Publikum ruft: „die Liebe“. Müdes Lächeln macht sich breit, während es von der Bühne brüllt: „Thikwa forever“.

View the original on taz →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.